Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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894 -- Letzte Woche fand hier die Jahresversammlung des „Verbandes württembergischer Rabbiner" statt. Die Konferenz der israelitischen Lehrer wird am 29.. d. Mts. im Restaurant Westheimer hier abgehalten. AnS Württemberg. Mittwoch, 29. Mai, findet in Stuttgart die Plenarversammlung des Unterstützungsvereins israelit. Lehrer und Vorsänger Württembergs statt. Außer dem Vereins- und Kassenbericht stehen folgende Vorträge auf der Tagesordnung: 1. Die Neuordnung des israelitischen Kirchen wesens in Württemberg (Referent Spatz). 2. Der synagogale Gesang in seiner historischen Entwickelung, mit Rücksicht auf die Bedeutung des Judenthums für die musikalische Kunst überhaupt. (Vorirag von Lehrer Dreifus—Heilbronn.) 3. Der Synagogengesang und die Ausbildung zum jüdischen Kantor. Worms, 21. Mai. Der national-liberale Landtags-Abgeordnete, Herr Fabrikant Reinhardt, hat dieser Tage seinen Wählern Bericht erstattet über die letzten Verhandlungen der Zweiten Kammer. Da R. bei der Berathung der von den Sozialdemokraten cingebrachten Anträge über die Arbeiterverhältniffe den Ausspruch geihan, daß er bei Anstellung von Arbeitern in seiner Fabrik nicht darnach frage, ob der Arbeiter Sozialdemokrat sei oder nicht, wurde er in vielen Zeitungen ob dieser Aeußerung heftig angegriffen und gerade deßhalb war ein überaus zahlreiches Publikum erschienen, um hierüber die Ansichten des Abgeordneten genauer kennen zu lernen. Nachdem Herr Reinhardt in überaus glänzender Weise seinen Standpunkt klar gelegt, sprach er auch über die Verhetzungen, die die Preffe unter den Konfeffionen Hervorrufe. Er könne es nicht faßen, wie man heute nock, anstatt den Frieden unter den Konfessionen herbeizuführen, denselben systematisch untergrabe. Antnüpfend an diese im heiligen Ernste gesprochenen und non oer Versammlung stark applaudirten Worte möchte ich einen Brief des Abgeordneten Reinhardt mittheilen, den mir derselbe unterm 26. Juni 1893 geschrieben, zur Zeit, als mein Schristchen „Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde Worms" kurz vorher erschienen war. Der Brief lautet: „Mit ganz besonderem Interesse habe ich die mir lus jetzt unbekannt gewesenen Sagen des Nisiim-Buches gelesen. Zu welchen Verirrungen das Volk durch Verhetzungen im Mittelalter geführt werden konnte, dazu genügt ein Blick in die Geschichte. Wie es aber möglich ist, daß in unseren Tagen Aehnliches Vorkommen kann, das ist tief zu beklagen und die Ursache ist nur in den Mißständen in der Presse zu suchen. Gott gebe, daß darin bald Wandlung geschaffen werde. Mit aller Hochachtung Ihr ergebener (gez.) Reinhardt, Landtagsabgeordneter. Lehrer Rothschild. <5obnrg, 27. Mai. (Hochherzige Stif - t u n g.) Freifrau Ernestine von Mayer stiftete für die hiesige jüdische Kultusgemeinde 3000 Mk. zu wohlthätigen Zwecken. Ihr Sohn, Freiherr Siegwart von Mayer-Ketschendorf, führte dieser Stiftung in Erinnerung an seinen unvergeßlichen theuren Vater 600 Mk. zu. Ferner hat der verstorbene Herr Geheime Kommerzienrath Freiherr von Mayer 5000 Mk. für ein Freibett im städtischen Krankenhaus gestiftet, 600 Mk. zur Vertheiluna an die städtischen Armen, 600 Mk. für den Alexandrinenverein, 600 Mk. für die Blindenanstalt, 260 Mk. für den Marienverein und 260 Mk. für das Mutterhaus des Marienvereins. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien. Dem Bericht über die Thätigkeit der „Baronin Elara von Hirsch Kaiser-Jubiläums-Stiflung für Knaben und Mädchen in Oesterreich" für die Zeit vom 1. September 2899 bis 31. August 1900 entnehmen wir: In Verfolgung der Stiftungszwecke wurden im Schuljahre 2 899 — 2900 aus den zur Verfügung stehenden Mitteln die Kleidung und Beköstigung der armen, die Stistungsschule besuchenden Kinder bestritten, und wurden 7249 Kinder mit Winterkleidern, Schuhen, Sommerkleidern und Wäsche versehen und 3208 Kinder während der Wintermonate beköstigt. Ferner wurden aus diesem Fond für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder nachfolgende Subventionen gewährt und zwar in Galizien: für Brody K. 2000; in der Bukowina für Wiznitz K. 300, Radautz K. 200, Stanestie K. 200, Sereth K. 100, Kimoolung K. 100, Storozynetz K. 100, Gurahumora K. 100 und Sergie Putilla K. 200. Unmittelbar nach Aktivierung der Stiftung bestrebte sich das Curatorium, dem Herzenswünsche der Stifterin, Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth, in erster Linie tiichtige jüdische Dienstboten heranzubilden. nach Möglichkeit gerecht zu werden und gründete vier Mädchenarbeitsschulen. Diese vier Mädchen arbeitsschulen befinden sich in Tarnow, Kolomea, Stanislau und Vuczcwz. Szered, 12. Mai. (Unlieb verspätet.) Der Oberrabbiner unserer Gemeinde, ein ob seiner tiefen Frömmigkeit, seiner seltenen in allen Fächern des hebräischen Schriftthums hervorragenden Tüchtigkeit, wie auch ob seiner Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit weit über die Grenzen unseres Vaterlandes berühmter und hochgeehrter jüdischer Gelehrter, Herr M. M. Pscherhofer, hat am 20. April seinen einzigen Sohn zu Grab? getragen. Benjamin P s ch e r h o s e r, so hieß der Verblichene, war der jüngste unter den drei hochbegabten Söhnen, die Gott leider auf nur kurze Zeit unserem verehrten Rabbiner besckieden. Die beiden älteren Brüder waren ihm vor einigen Jahren im Tode voran-