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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mm WWWWWWW 893 die Vernunft hingegen vergegenwärtigt das Gute, ' Wahre und Schöne in seinem Ursprünge. Der Verstand entnimmt den Gegenstand seiner Thätigkeit aus der realen Welt: die Vernunft aus der idealen. Der Verstand overirt mit körperlichen Dingen; die Vernunft mit rein geistigen. Daher kann der Verstand eventuell auch ohne Hinzuthun der Menschen durch die Natur zur Thätigkeit angeregt werden; nicht also die Vernunft. Die Vernunft findet den Gegenstand ihrer Thätigkeit in der sinnlichen Welt — in der Natur nicht. Wie denn wird Vernunft zur Thätigkeit angeregt? Durch Darstellung, Uebertragung, Ueberlieferung, ausgehend von einen; andern, und zwar einem bereits mit Vernunft begabten Wesen. Dieses muß dem noch unentwickelten Objekte das Gute, Wahre und Schöne so lange vorstellen, bis es selbst zur Thätigkeit angeregt wird. Zur (Erhärtung dieser Wahrheit sei hier noch auf jene Menschen. hingewiesen, die auf Pegu und Tunkin leben; deren Begriff des Guten so unentwickelt ist, daß sie sich von ihren Bäumen auf den vorüberziehenden Wanderer stürzen und ihn wie die wilden Thiere zerfleischen, obgleich deren Verstand — soweit er den Zwecken ihrer Selbsterhaltung dient — bis zur Raffinirtheii ausgeprägt ist. Da aber jeder Mensch durch ein bereits entwickeltes Wesen zur Vergegenwärtigung des höheren Lebens angeregt werden soll, so fragt es sich, von wem ging die erste Anregung aus? Die Antwort auf diese Frage wird uns morgen, wenn wir in festlich geschmückter Synagoge das verlesen hören. Wenn wir dem Inhalte dieser denkwürdigen nanc mit Herz und Kopf folgen; wenn wir in tiefer Andacht das große Ereigniß, das vor mehr denn dreitausend Jahren sich zugetragen, uns vergegenwärtigen; wenn wir die Bedeutung unseres Festes erfassen! Denn was anderes als Vernunftanregung, Vorstellung des Guten, Wahren und Schönen ist Kern und Inhalt unserer ntrnpn nm! Wohin immer der Blick auch fällt, überall leuchtet es ihm entgegen. Wie glitzerndes Gestirn am Himmel, so glänzt und glitzert es da in unserer heiligen Thora von der Anregung und Vorführung des Guten, Wahren und Schönen. Das verständige Auge erblickt es in jeder Satzung, jeder Lebensregel, jeder Erzählung, und in Vorführung eines jeden Charakterbildes unserer narn mpjr .^srnprr max arvtrj? bad a*a bzw n rtrv singt der gekrönte Sänger (Psalm Hl, 10): Der Weisheit Erstes, Zweck und Ziel der mw roan ist Anregung des bau' zur Erkenntniß des a:a, des Guten. VernunftthaEakeit ist, nach dem Gesagten, rein Geistiges, Ueberfinnliches, etwas nur bevorzugten Menschen Zugängiges; unsere Tbora aber stellt sie uns dergestalt dar, daß üe jeder zu fassen, jeder zu begreifen glaubt. Es sind plastische Formen, zu denen wir die Augen nur emporzuheben brauchen und wir sind voll der Bewunderung. Fragen nun die a-rxba in der eingangs erwähnten Talmudstelle: nr>sc nrjj m*cn an “tra1? tppaa. Dieses kostbare Kleinod, das Du vor der Schöpfung der sinnlichen Welt besessen, die Thora, die rein geistige, übersinnliche Begriffe zum Gegenstände ihrer Verhandlung hat, willst Du an nvzb dem sinnlichen Menschen geben, so weiset b:a'aa n-ap auf seinen Thron hin. Dort erblickt .uro nach der Merkowob Darstellung der Schewoos-Haftorah, vier Gestalten. Drei derselben tragen, neben einem menschlichen Geüchte, Gesichter niederer Wesen und eine — hoch über dieselben schwebend — stellt den Menschen dar, rein, ohne jede Zugesellung eines andern Geschöpfes nbyba rbv bin rx-aa man xan n:tn bw. So steige der Mensch die Stufenleiter naan ,n::ar ,nsn zum reinen da^ hinan, zum über naan ,n:ian rjrr schwebenden, in saphirfarbigem xca r*a"i sich wiederspiegelnden anx! Zeitungsnachrichten und Correspandenzen. Deutschland. Berlin, im Mai. Das Aushängen antisemitischer Bilderbogen hat nun auch das Kammergericht für strafbar erklärt. Ein Barbier hatte derartige die urtheilslosen Volksmassen aufreizenden Illustrationen in seinem Schaufenster ausgehängt. Das ihn wegen groben Unfugs und Uebertretung des Preßgesetzes verurtheilende Erkenntniß hat das Kammergericht bestätigt, indem es annahm, daß es sich hier um das öffentliche Aushängen eines Plakats oder Anschlagzettels handelte, deffen Inhalt nach der Absicht des Thäters zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden sollte. Stuttgart, 20. April. Unter großer Theilnahme feierte am 14. d. der als Philantrop so segensreich wirkende Privatier Ezechiel Pfeifer hier, eines der würdigsten Glieder der aus Weikersheim stammenden Familie Pfeifer seinen siebzigsten Geburtstag. Derselbe ist schon längst Ehrenbürger von Stuttgart und Cannstadt. Se. Mas. der König hat dem Gefeierten heute den Titel eines Geheimen Hofrathes verliehen und demselben Allerhöchst Ihre Glückwünsche aussprechen zu lassen geruht. Die Stadtgemeinde Cannstadt und der Brunnenverein ließen ihm ebenfalls aus diesem Anlässe Glückwünsche überbringen. Zu Ehren seiner hohen Verdienste soll im Stadtbad eine Gedenktafel und in den Anlagen des Kursaals ein Erinnerungszeichen angebracht werden. Die Frauenarbeilsschule überbrachte ein schönes Angebinde. Auch hier wurden dem Philantropen verschiedene Ovationen gebracht. ... Herr Pfeifer hat stets auch offene Hand für jüd. Arme und Anstalten, besonders für das israelitische Waisenhaus und den Unterstützungsverein für israelit. Lehrer.

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