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Der Israelit · 1901-05-20 · Heft 39 (20.5.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 39 (20.5.1901)
Date
1901-05-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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880 Literarische Notiz In den Blättern für jüdische Geschichte und Literatur Nr. 3, Beilage zu Nr. 37 des „Israelit," schreibt Herr Dr. A. Berliner: die Worte Raschi's in Nidda 20 b zu rann mcx haben nicht die Bedeutung, die ihnen Jost, Geschichte des Judenthums und seiner Sekten, 2. Abtheilung S. 195, beilegt; „denn *bv dhp heißt nicht: „schöne Brüste," sondern „feenhafte Schönheit." Es muß nämlich und nicht gelesen loerden; denn Raschi sagt deutlich 7'a*»n sei T?, also x"D'X-Schönbeit einer 7'v^n, eine Fee oder ein Dämon." Dazu erlaube ich mir Folgendes zu bemerken: Es ist unzweifelhaft richtig, daß das betreffende Wort gelesen werden muß. Das ergibt sich auch aus der Anführung dieser Worte Raschi's in Toßaphoth Gittin 11 a pern jt-t; wo es heißt nb ".n ans? w das hinzugefügte Wörtchen bespricht für diese Lesart; vergleiche auch kti K"bh zu Nidda das. Nur die Erklärung dieser Worte „feenhafte Schönheit — Schönheit einer Fee" scheint mir nicht richtig zu sein; es ist das eine moderne Ausdrucksweise, die dem Talmud nicht geläufig war und die auck> Raschi sicherlich, wenn sie zu seiner Zeit üblich gewesen sein sollte, bei der Erklärung eines ialmudischen oder auch eines persischen Namens nicht angewendet hätte. Es ist auch nicht einzusehen, warum Raschi, nach dieser Erklärung, nicht lieber den Singular statt des Plural gebraucht. Daß die onp im Allgemeinen sich durch besondere Schönheit auszeichnen, ist doch nirgends bezeugt. Aus Berachoth 6 a ließe sich vielmehr auf das Gegentheil schließen; vergl. auch Debarim Rabba Paraschah 4. Ich bin daher der Meinung, daß antf 'Li' oder wie Toßaphoth l. e. schreibt antr bv 'Bi', „eine durch dämonische Einflüsse, vermittels Beihülfe der chb> gewonnene Schönheit" sei. Der Glaube, daß man durch übernatürliche, magische Einflüsse, durch sjitso rwo, Jugend und Schönheit erwerben und konserviren kann, ist ja im Alterthum und bis tief hinein in's Mittelalter weit verbreitet gewesen, so daß es nicht auffallen kann, wenn Raschi den Namen einer persischen Prinzessin, gestützt auf diese weit verbreitete Annahme, erklären will. Die Richtigkeit dieser Erklärung ergibt sich auch daraus, daß Rabbenu Tam seinerseits, in dem oben angeführten Toßaphot Gittin und ebenso Baba Bathra 8 a — wo ebenfalls R. Tam statt R. Chananel zu lesen sein wird —unser Wort mit nsa fn aipan übersetzt; also ganz wie Raschi, der es als sn a'-»ni dhc deutet, nur mit dem Unterschied, daß R> Tam von der irrigen Voraussetzung ausgeht, daß njw rann sei. Bekanntlich ist es aber Ormudz, der Lichtgott der Perser. München, Dr. H. E. Feuilleton. Mine gebildete Wrau. Von HScrbette Iried. i^> Nachdem der junge Mann wieder Platz genommen, fuhr Nösl fort: „Der alte Dechant, ein Menschenfreund in des Wortes schönster Bedeutung, nahm sich der braven, talentirten Kleinen an, unterrichtete sie privat in allem Nothwendigen, las mit ihr die heiligen Schriften des alten und neuen Testamentes, ferner der Reihe nach die meisten deutschen Klassiker und andere belehrende Werke. Seine verwittwetc Schwester, welche ihm den Haushalt führte, war in ihrer Jugend Jndustrielehrerin gewesen. Dieselbe brachte dem lernbegierigen Mädchen die nothwendige Fertigkeit in weiblichen Handarbeiten bei. Eine an der städtischen Mädchenschule angestellte Lehrerin hatte unverhofft eine glänzende Partie gemacht und weit weg geheirathet. Küsters Gundel bekam die freigewordene Stelle, wohl nur provisorisch, aber mit einem Gehalte, der ihre kühnsten Erwartungen überstieg. Da sie nebenbei noch Privatunterricht in Handarbeiten ertheilte, so brachte sie es zu Wege, nicht nur ihre Eltern, deren mehr als frugale Lebensweise sie auch fernerhin ohne Murren theilte, zu unterstützen, sondern auch monatliche Beiträge durch Vermittlung seines Vaters an Rudolf zu senden, ohne ihre Sparbüchse antassen zu müsien. Eintönig und freudlos verging dem guten Kinde das Leben. Arbeiten, sorgen und sparen, das war der Inhalt ihres Daseins. Ihre ganze Hoffnung auf eine glückliche Zukunft setzte sie auf Rudolf, trotzdem er nur selten einen Versuch inachte, sie zu erfreuen. Seine Briefe an sie enthielten kaum etwas anderes, als Beschreibungen von Studentenkneipereien, wüsten Gelagen und nächtlichen Orgien, trotzdem er doch wissen mußte, wie sehr ein derartiges Thema ihr sanftes, keusches Gemüth verletzen müffe. Vom Fortgange seiner Studien, endlicher Ablegung seiner Prüfungen. war in seinen Briefen trotz ihrer mehrmaligen Aufforderung niemals die Rede gewesen.- Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen. Der Lehrkörper der Mädchenschule zu P., dem Gundel nun definitiv einverleibt war, unternahm einen Ausflug nach einer, einige Bahnstationen entfernten Burgruine, von besten noch ziemlich gut erhaltenem Thurme sich eine weite Fernsicht darbot. Gundel hatte vor Kurzem ihr Lehrerinnen-Examen nach anhaltendem privatem Studium mit ausgezeichnetem Erfolge abgelegt Aus diesem Anlaste mußte sie einige Tage in der Hauptstadt verweilen, wo Rudolf seinen Studien oblag. Alles Leid war vergessen, und stolz blickte die Lehrerin um

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