Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1901)
- Date
- 1901-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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879 Jahr-; alten Rabbiner wurden um eine jährliche Zulage von 100 Mk. erhöht. Die Aufbesserung beträgt bei den über 40 bis 60 Jahre alten 800 Mk., bei den über 60 Jahre alten Rabbiner 600 Mk. Worms. Der Jahresbericht des „Jsr. Unterstützungsvereins" ist erschienen. Demselben ist zu entnehmen, daß der Verein auch in diesem Jahre eine segensreiche Thäiigkeit entfaltet hat. Für 1709 Unterstützungsgesuche wurden Mk. 3697.66 bewilligt und zwar: 1263 Arme vom Ausland, 169 Arme von Inland, 189 verschämte Arme, 32 hiesige Arme, 49 Hausirer, 27 Kaufleute, 176 Handwerker, 12 sonstige Bittsteller. Dem unangreifbaren Kapitalstocke, der die Höhe von Mk. 27,125.60 erreicht hat, wurden in diesem Jahre drei Gaben zugewandt und zwar im Betrage von Mk. 1000, Mk. 200 und Mk. 260. An sonstigen Geschenken gingen ein Mk. 686. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Budapest. (Israelitisches Gymnasium in L. - S z e n t - M i k l os.) In Lipto- Szent-Miklos starb vor drei Jahren ein Mann Namens Herz, der allgemein für einen Bettler galt und von dem die israelitische Gemeinde in Livto-Szent-Miklos zu allgemeiner Ueberraschung 600 000 Kronen erbte. An diese Erbschaft war die Bedingung geknüpft, daß das Geld zu kulturellen oder wohlthätigen Zwecken verwendet werden solle. In der Folge wurde beschlossen, aus diesem Fonds eine Mitteschule zu errichten, und Unterrichtsminister Dr. Julius M l a s s i c s gab hiezu seine Zustimmung. Dieser Tage erschien eine Deputation der isrelitischen Eultusgemeinde von Lipto- Szent Miklos beim llnterrichtsminister in Audienz und bat um eine Subvention zur Errichtung eines Gvmnastums. Hier erhielt die Deputation die Zusage, daß der Staat eine Subvention von 60 000 Kronen zum Bau des Gymnasiums ertheile, doch solle vorerst nur ein aus vier Klassen bestehendes Untergymnasium errichtet werden. Sollte sich dieses bewähren und in der Bürgerschule die Schülerzahl abnehmen, so werde der Staat eine Subvention zur Errichtung des Obergymnastums bewilligen. Die Antwort des Ministers rief im Liptoer Comitate allgemeine Befriedigung hervor, weil aus dem ganzen Gebiete dieses Eomitats noch keine Mittelschule existirt. Prag. In einer kürzlich abgehaltenen Versammlung des tschechisch-jüdischen Vereins wurde behufs schärferen Hervortretens des nationalen Charakters der tschechischen Juden unter anderem auch beschlossen „engeres Anschließen an die tschechische Nation und Beseitigung der deutschen Blätter". Nach diesem Rezept glaubt der tschechisch-jüdische Verein eine Gesundung des krankhaften Zustandes, der in dem Verhältnisse der Juden zur tschechischen Nation herrscht, herbeizusühren. Arme Thoren! Frankreich. Paris, 9. Mai. Der Präfekt von Algier hat die Schließung der antisemitischen Komitees und der nationalistischen Jugendvereine, denen Ausländer und Minderjährige angehörten, verfügt, ebenso wurden mehrere Wirthschaftcn geschlossen, in denen regelmäßig die öffentlichen Kundgebungen verbreitet zu werden pflegten. Der Journalist T a l h o u i d e c. der vorige Woche aus den Bürgermeister Max R e g i s schoß, ist gestern provisorisch aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er will nur aus Nothwehr geschossen haben. Der antisemitischen Presse zufolge verläßt Max Regis mit seinem Bruder Algier, um die politische Agitation in Prais wieder aufzunehmen. MilttzellnuM ans den fiib. JUncnoereinen unD ffir öltfclbcn. (Sümmtttche jüd Wanderbettelvereirre <r«V itaffcii für Durchreisende find geveten, uns Mittheilungerr über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen, znkommen zu lassen.) Bremen, 16. Mai. In Nr. 34 des „Israelit" beschreibt Herr Rabbiner Dr. F r e i m a n n das Raffinement eines jungen Mannes, der unter den verschiedenartigsten Vorspiegelungen die Wohlthätigkeits- Vereine brandschatzt. Derselbe junge Mann war vor einigen Wochen hier. Seine Visitenkarte lautete: Dr. S. Tischler, Rabbiner, Holleschau; seine Accentuirung war russisch. Hier gab er an, er sei in Holleschau zweiter Rabbiner und Religionslehrer gewesen, batte aber in Folge der Unruhen die Stelle verlassen müssen, nachdem seine Braut, die Tochter des Vorstehers keine zweite Tochter des Vorstehers soll mit dem dortigen Kantor verlobt sein) bei den Exzessen umgetommen wäre. Papiere konnte er nicht vorzeigen; er habe dieselben — so gab er an — nach Belgien gesandt, woselbst er hosst, zum Rabbiner erwählt zu werden. Bis zu seiner Ernennung gedachte er in Hamburg zu verweilen. doch hätte ihm die dortige Polizei Schwierigkeiten gemacht d. h. ausgewiesen, weil er noch immer nicht im Besitze des russischen Passes ist. Von hier gab er vor, nach Köln zu reisen, dort sei er geborgen, denn er habe dort „sehr gute intime Freunde". U. a. nannte er auch Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal zu seinen Freunden. Aus meine persönliche Anfrage hin erklärte mir Herr Dr. Rosenthal, daß er von dieser „hohen Freundschaft" keine Ahnung habe. Zunl Schlüsse bemerke ich noch, daß der angebliche Dr. Tischler mir eine Photographie zeigte, welche das Familienbild seiner Schwiegereltern, seinen Schwager, den Kantor in Holleschau und ihn selbst neben feiner Braut aufweist. Nabb. Dr. R o s e n a k.