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Der Israelit · 1901-05-20 · Heft 39 (20.5.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 39 (20.5.1901)
Date
1901-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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878 des Angeklagten und eines seitens der Anklagebehörde eingeholt worden waren, erging folgendes Urtheil: Das Berufungsgericht ist zur Ueberzeugung gelangt, daß die vom Angeklagten aufgestellte Behauptung im Talmud nicht enthalten sei und daß auch der Geist des Talmud keinerlei Anhaltspunkte für die durch die Landeszeitung verbreitete Bezichtigung biete. Wenn auch die Böswilligkeit des Redakteurs nicht nachgewiesen werden kann, so sei doch bei der bekannten antisemitischen Tendenz des Blattes eine der Böswilligkeit sehr nabekommende Leichtfertigkeit unzweifelhaft anzunehmen. Weiterhin ist das Gericht mit der Vorinstanz der Ansicht, daß eine Beunruhigung gewiffer Kreise vorhanden gewesen sei. Nichtsdestoweniger mußte es zu einer Verwerfung der Berufung gelangen, weil der inkriminirte Artikel nicht als die einzige und ausschließliche llrsache der Beunruhigung erwiesen werden konnte. Der Berufung des Angeklagten, nach welcher die in erster Instanz erwachsenen Kosten der Entlastungszeugen der Staatskasse auferlegt werden sollten, wurde stattgegeben. Mülhausen i. C. Herr Dr. K r o n e r , Kirchenrath aus Stuttgart, dessen Autorität als Rhetoriker allerseits anerkannt wird, hielt vergangene Woche zum Schlüsse der Saison im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" einen Vortrag über: Nationalismus und Universalismus im Judenthume." In seinem tiesdurchdachten Vortrage besprach der Redner die beiden heute, durch Burenkrieg und Friedenskonferenzen so aktuell gewordenen, die Welt bewegenden Motive des „Nationalismus und Universalismus" in der von der Geschichte und Lehre des Judentbums gegebenen Beleuchtung. Trotzdem die Juden von jeher eine Nation im vollsten Sinne mit aller dem Begriffe anhängenden Abgeschlossenheit bildeten, blieben sie doch immer der Universalidee — der Gleichheit der Pflichten gegen alle Menschen — von allen Völkern am meisten eingedenk. Es würde zu weit führen, wollten wir die klaren und übersichtlichen Ausführungen des Redners, über die Erhaltung des Nationalitätsgedankens im jüdischen Volke im Laufe der Jahrtausende, wiedergeben' es sei daraus nur erwähnt, daß mit dem Beginne unseres jetzigen Exils einzig und allein das Gesetz, nämlich unsere göttliche Thora, die Basis unserer nationalen Zusammengehörigkeit bildet. Dadurch geben wir das in seiner Erhabenheit einzig dastehende Beispiel, einer auf rein geistigem Gemeingut beruhenden nationalen Einheit. In klarer und überzeugender Weise wußte Redner darzulegen, in welchen Formen die „universelle" Weltanschauung im Laufe der Zeiten beim Judenthume sich kund gab. Mit unserer Urgeschichte beginnend, welche die Welt als das Werk eines Gottes, die Menschheit als Kinder einer Familie, die Sendung der Abrahamiden zum Segen aller Völker, im Gebete für fremde Nationen, uns darstellt, ging der Vortragenoe zur ersten Leidenzeit unserer Vorfahren in Egypten über, deren Bitterkeit kein, anderes Gefühl zurückließ, als die dankbare und mitfühlende Erinnerung an ihre Bedrücker. In der Zeit der nationalen Blüthe sehen wir den „Universaliiätsgedanken" in der Auffassung Israels als Priester der Völker in wahrhaft herrlicher Weise ausgedrückt. Man lese die Psalmen 8. 15, 19 und 145, um sich von der Erhabenheit der Lehre, von der „universellen" Stellung des Menschen — von einer universellen Ethik (vom wahrhaft Frommens — vom Weltengott und Weltengesetze, im Munde des königlichen Sängers bewuß: zu werden. Man lese im Buche der Könige wie Salomo alle Völker zum Gebet und zur Opferung im Tempel einlädt und Gott um die Erhörung des fremden Beters bittet. Man lese Jesaias, um trotz der beständigen Kämpfe mit der Uebermacht der Nachbarnationen, die Lehre von der Friedensbotschaft Israels, von der Lehraufgabe Israels, von der Vereinigung aller Völker zu einem Gottesvolke zu empfangen. Man lese Jeremias, welcher trotz der Zerstörung des ersten Tempels und trotz der Verbannung durch grausame Barbaren, die volle Anerkennung der nichtisraelitischen Regierung und sogar den Befehl, für das Wohl derselben mit Gebet und That einzutreten, predigte. Nach der Vergeistigung des Nationalitätsgedankens im Exil sehen wir auch die „universelle" Auffassung vom jüdischen Berufe um so greifbarere Formen annehmen, als durch die beständige Berührung mit den anderen Völkern die Gelegenheit zu ihrer Bethätigung sich mehrte. Volle Hingabe an den Staat, dessen Bürger wir sind, dessen Boden unsere Heimath ist, Mitarbeit an allen seinen Angelegenheiten, zu seinem Wohl und zu seiner Erhaltung, lehrt uns das Beispiel der Großen unseres Volkes, Nehemia, Mordechai, Samuel, Ebisdai. Jbn-Nagrela. Arbabanel u.s. w. Endlich gibt uns auch die ganze nachbiblische jüdische Litteratur Zeugniß von demselben Gedanken in vertiefter Form. Man vergegenwärtige sich nur der Bedeutung der Gottesnamen in unseren Gebeten, die in denselben niedergelegte universelle Sittenlehre, die die ganze Menschheit umfassende Auffassung unserer Festgottesdienste, die tiefen Sprüche der Agada. Der in allen seinen Theilen formvollendete Vortrag wurde mit verständnißvollem Beifalle ausgenommen und schließen wir unser gedrängtes Referat mit dem Wunsche, daß bald in Erfüllung gehen mögen die Worte des Propheten Jesaias: ri'nrivnb bs wir warn rot? wo: ngnrs ehh ho nm ♦*n vor« 'obS Aus dem Elsaß. Mit dem 1. April dss. Js. trat in Elsaß-Lothringen eine neue Gehaltsordnung für die Rabbiner in Kraft. Die Gehälter der unter 40

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