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Der Israelit · 1901-05-20 · Heft 39 (20.5.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 39 (20.5.1901)
Date
1901-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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876 entsprechende Lebensweise führen (unser liebes Ungarn weist solche Spezialitäten auf) und ruft dann spöttisch, mit einer gewissen Schadenfreude aus: Das ist die vielgepriesene Orthodoxie! Nun ist es allerdings tief betrübend, und kann nicht scharf genug gerügt werden, . wenn die Mitglieder einer orthodoxen Gemeinde von dem Wahne besangen werden, ste würden auch ohne die Thora selig werden; um Jude zu sein, genüge es vollkommen, wenn man sich nur orthodox nenne, denn der „gute Name" macht alle Fehler gut oder übertünchi und beschönigt dieselben wenigstens. Allein „Jüdische Gemeinde" heißt nicht: eine Gemeinschaft von Juden ohne Weiteres, sondern vielmehr: eine Gemeinschaft zu jüdischen Zwecken; und ebenso heißt orthodox-jüdische Gemeinde auch nur: „eine Vereinigung zur Erhaltung und Förderung religiöser Institutionen im echt jüdischen, gesetzestrenen Sinne." . s Mir können uns also ganz gut eine streng gesetzestreue „Gemeinde" denken, deren Mitglieder in ihrer Gesgmmtzahl nichtsweniger denn gesetzestreu sind. — Wir können uns auch eine nicht orthodoxe Gemeinde .denken,, die in ihrer Mitte gesetzestreue Mitglieder aufzuweisen hat, wenn diese nämlich gezwungen sind, in einer unjüdischen Gemeinde zu leben und gegen dieselbe .nicht , mit Erfolg zu kämpfen vermögen. Indem wir nun zu beleuchten versuchen, was das orthodoxe Judenihum ist und was es von seinen Be- . kennern sordert, müssen wir noch die Bemerkung vorausschicken, daß wir die vom gesetzestreuen Standpunkte zu verurtheilenden Reformen nicht in der Beziehung prüfen werden, ob sie den fest normirten Reli- .gionsvorschriften, also dems'-i entsprechen, oder ihm zuwiderlaufen, denn wir fühlen uns nicht berechtigt dazu, hierüber eine Entscheidung zu fällen, umso weniger, als ja diese Frage schon längst und zu wiederholten Malen von berufenster Seite entschieden verneinend beantwortet wurde. Im Verlaufe dieser Abhandlung wird es auch übrigens gezeigt werden, daß dies für unseren Zweck gar nicht nöthig und ganz ohne Belang ist. Nun wollen wir der Frage näher treten: Was ist das orthodoxe Judenthum? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. . D eu tschlan d, .. ... . Per/jn, im Mai. ...Das..Rabbiner-Seminar ver- - Ki sendet., seinen.ach.t.üpdzwänzigsten Rechenschaftsbericht, '^xveEl Merlfch dem..bisherigen Gönnern der asisge- ^zeichneten'.Ansstast wusrichtige Befriedigung bereiten ' ^.'.und 'derfe/beir "neue /.Freunde uüd'Förderer werben EsKst M.w'Urhäft' wvtzl'thüendes^ Bild-'gedeihe licher EntfWung nnd segensvöller' ‘ Wirksamkeit, ‘ das uns hier entgegentritt und abermals bestätigt, daß dieses Musterinstitut nicht nur seines wohlbegründeten Rufes sich würdig bewährt, sondern durch fortgesetzte innere Ausgestaltung immer höheren Zielen zustrebt und dieselben auch erreicht. Das Rabbiner-Seminar wurde im Berichtsjahre von zweiundfünfzig Hörern besucht, darunter neuunddreißig aus Deutschland; außerdem war ein startliche Anzahl von Hospitanten zur Theilnahme an einzelnen Vorlesungen zugelaffen. Die innere Organisation hat die Veränderung erfahren, daß seit Beginn des vorigen Sommer-Semesters die Ober-Abtbeilung in zwei Coeten getheilt und in jeder derselben gesonderte Talmud-Vorlesungen gehalten wurden. Diese Neueinrichtung, welche sich bereits jetzt als sehr heilsam erwiesen hat, soll allmählig dahin erweitert werden, daß das Seminar anstatt der bisherigen zwei Klaffen, drei (Unter-, Mittel- und Oberklasse) enthalten wird. Trotzdem diese Erweiterung der Lehrthätigkeit eine namhafte Steigerung der materiellen Leistungspslichten zur Folge hatte und die Ausgaben die Höhe von 48,139.14 Mk. erreicht haben, ist dennoch bei einer Gesammt Einnahme von 51,423.71 Mark ein größerer Ueberschuß zu verzeichnen, als im Vorjahre. Die Anstalt dankt diesen Erfolg der ausdauernden Treue seiner Freunde, denen sich, wie das Euratorium mit gerechter Genugthuung hervorhebt, ein stattlicher Kreis neuer Wohlthäter zugesellt hat, welche durch Jahresbeiträge (insgesammt 23,243.71 Marli oder durch einmalige Schenkungen ihre verständnißoollen Sympathien für das Seminar und ihre anerkennende Würdigung seiner Leistungen bekundet haben. Indessen bedeutet die relative Besserung der finanziellen. Lage noch nicht entfernt die materielle Sicherstellung des Instituts, welche erst dann erreicht sein wird, wenn das Ausgabe-Bedürfniß durch ausreichende Fonds gedeckt und der Bestand der Anstalt von den Schwankungen der Jahres-Beiträge vollständig unabhängig sein wird, was bis zur Stunde noch nicht annähernd der Fall ist. Betragen ja die Zinsen des Vermögens - gegenwärtig noch nicht mehr als ca. 14,009 Ml., somit noch nicht ein Drittel des Bedürfnisses! Alle diejenigen, denen die Erhaltung und Kräftigung des altüberlieferten Judenthums, die Pflege und Verbreitung jüdischer Wissenschaft, die Heranbildung kenntnißreicher, überzeugungstreuer geistlicher und geistiger Leiter unserer Gemeinden und Lehrer unserer Jugend am Herzen liegt, sollten es als heilige Gewissenspflicht empfinden, fiir ein Institut ihr opferwilliges Interesse zu bethätigen, das, wie kaum, ein zweites, als ein wahrhafter Segen für die jüdische Gesammtheit sich erprobt hat. Namentlich möge bei freudigen und ernsten Anlässen durch Schenkungen, und Legate sich dieses Interesse bethätigen, das würdigeren ‘ Aufgaben-Nicht, z utzewä-ndt i werden nf.a um. m r, :; Hamburg,16. Maß Vor einiger Zeit berichtete ich Ihnen, daß die in London und Newyork wohnenden

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