Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1901)
- Date
- 1901-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlyodore Sudenlyum. Begründet von »r fe^nmtm in fttnitt}. / Montag, de« 2 0. Mai 5661 (1961). Mr Eine Mnvk abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monate auf den „Isr»elit*\ Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsfchalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrSger aufgegeben werden. W0tT Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. JUle Grpeüition des „Israelit". Leitender Artikel. Das orthodoxe Judenthum. Von Wilh. Löwy in Sarbogard, Ungarn.*) I. Die zwei Lager. „Kein Unterschied, wenigstens kein Unterschied von .besonderer Bedeutung ist zwischen Orthodoxie und Neologie, ergo: wozu die Spaltung?" — so lautet die Devise der Neologen, wenn sie in der „Majorität" sind. „Nicht können wir mehr die alten Fesseln tragen; unser moderner, von klassischer Bildung geläuterter Geschmack sträubt sich dagegen, unser Leben nach veralteten Satzungen und Gebräuchen zu regeln, die, wir gestehen es, für die dumpfen Gassen des Ghetto sehr gut paßten, ergo: warum sollen wir uns nicht trennen?" — so ruft man wieder, wenn die „Liberalen" in der „Minorität" sind. Wo liegt da die Wahrheit? Wenn keine Differenz von Bedeutung zwischen orthodox-jüdischen und neologen Institutionen vorhanden wäre, *) Fortsetzung aus Nummer 35. warum haben sich in vielen Gemeinden die Neologen von der orthodoxen Majorität separirt? Wenn die Streitpunkte zwischen den beiden Lagern so unwesentlich und nichtssagend sind, warum haben die Neologen ihre Gemeindeinstitutionen nicht in der alten, herkömmlichen Weise gelassen? Da ich auf eine befriedigende Antwort von jener Seite vergebens warten kann, so will ich meine Fragen selbst beantworten. Die Herren von drüben, die sich mit theologischen Studien im Allgemeinen nur sehr wenig geplagt haben, wissen in der That nicht, wodurch ihre Institutionen eigentlich sich zum Bor- oder Nachtheil, zum Guten öder Bösen von denen der Orthodoxen unterscheiden; sie können es daher gar nicht begreifen, warum diese starrköpfigen Orthodoxen -- orthodox sein wollen. Wenn aber die „Finsterlinge" die Sache s o wollen, muß ein „Aufgeklärter" die Sache anders haben! So, glauben wir, dürften sich unsere neologen Brüder den offenbaren Widerspruch zurechtlegen, wenn sie einerseits der Orthodoxie den Vernichtungskrieg ankllndigen u. nicht sagen: v"n 'X l^xi ibx, andererseits wieder die besondere Organisation derselben, die ja ihnen, nach dem Gesagten, im Grunde nur wünschenswerth sein müßte, öffentlich und im Geheimen befehden. Die orthodoxe Defensive muß sich daher nach zwei Seiten hin erstrecken; sie muß das orthodoxe Judenthum, wie auch seine Organisation vertheidigen, was jedoch nur aus einer objektiv-wahren Darstellung seines Wesens bestehen kann, und das wollen wir in den folgenden Zeilen darzubieten versuchen. Bevor wir in das Meritum der Sache eingehen, möchten wir hier gleich einem landläufigen Jrrthume begegnen. Gewöhnlich herrscht die Auffassung, orthodox-jüdische Gemeinde heißt: eine Gemeinschaft von orthodoxen Juden. Hieraus wird nun sofort gegen die ganze Orthodoxie eine scheinbar berechtigte Anklage geschmiedet, indem man mit Fingern auf sich orthodox nennende Gemeinden zeigt, deren Mitglieder zum großen Theile eine, dem Religionsgesetze durchaus nicht