Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1901)
- Date
- 1901-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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85« C'21 rtDis' ist." Außerdem richtete ich an demselben Tag an den betreffenden crz eine Bekanntmachung des Inhaltes: daß Koscher-Fleisch, welches vor Ablauf drei Mal 24 Stunden nach der Schechita nicht gewässert wird und zwar in Gegenwart des Schachet, total trepha ist. In Anbetracht solch trauriger Verhältnisse verdient erwähntes Circular, trotz seiner Unvollständigkeit, sympathisch begrüßt zu werden. Wünschenswerth, ja dringend nothwendig wäre es, wenn die Schochtim einerseits seitens der Oberrabbiner die Anweisung erhielten, über die Schächtzeit jedes einzelnen Stück Viehes, nach Tag und Stunde, genau Controle zu führen, die c'rxp an die Stunde der Wässerung, was in Gegenwart des Schochet geschehen soll, zu erinnern, andererseits öfters, insbesondere bei Ertheilung und Erneuerung dernb2p, daran erinnert werden: was ein Schochet unerläßlich haben muß, wenn er schächten will. Dem Oberrabbiner von Colmar, S'sn p^p rrate rro wird nacherzählt: er habe an einen Schochet, der behufs Erneuerung der nd2p bei ihm sich vorgestellt hat, die Frage gerichtet: „Was muß ein Schochet haben, bevor er schächten will?" Worauf der betreffende Schochet, ohne sich lange zu besinnen, die schlagfertige Antwort gab: „Ein Schochet, der schächten will, muß ein gesundes Stück Vieh vor sich liegen haben und ein scharfes Messer in der Hand." „Wenn das Ihr voller Ernst ist," erwiederte dem schlagfertigen Schochet der Oberrabbiner, „so gebe ich Ihnen vier Wochen Bedenkzeit, während dieser Zeit Sie die Schechita-Funktion nicht ausüben dürfen, damit Sie ungestört hinreichende Zeit haben, über meine an Sie gerichtete Frage reichlich nachzudenken." Die vier Wochen Bedenkzeit gingen vorüber, der Schochet stellte sich zum zweiten Male dem Colmarer Oberrabbiner vor, mit der beschämenden Bemerkung: „Herr Oberrabbiner, trotz der vier Wochen langen Bedenkzeit, die Sie mir gegeben haben, über Ihre an mich gestellte Frage nachzudenken, bin ich heute außerstande, Ihnen eine andere Antwort geben zu können, als die, die ich Ihnen vor vier Wochen gegeben habe." „Wenn dem so ist," versetzte Rabbi Klein, „dann sind Sie, wie die Gemeinde, in welcher Sie als Schochet fungiren, tief, sehr tief zu bedauern. Ein Schochet, der p"c* m: schächten will, muß, nächst einem gesunden Stück Vieh und einem p^m -in, vor allen Dingen zbn djtc und cot? nxT besitzen' — Besitzen Sie diese zwei Haupt-Bedingungen eines zuverlässigen, gewissenhaften i"'» dann will ich Ihnen Ihre 762p erneuern, wo aber nicht, würde ich Ihnen rathen, dem lohnenden Schuh- und Stiefelhandwerk sich zuzuwenden." Auf den Einwand des betreffenden Schochet: „Ich bin ja kein Schubmacher von Prosession," antworte ihm der Oberrabbiner: „Ohne 2bn 7!27'2 und ohne 2'I217 7IX-7' sind Sie auch kein Schochet." Ueber den weiteren Verlauf dieses Ereignisses herrscht ein tiefes Schweigen, Thatsache aber ist, daß ein 2"'r ohne 2S1 *1:772 und ohne crstr nxv zu allen anderen Dienstverrichtungen fähiger ist, als zu der Verrichtung des heiligen np-tr n;rrir Dienstes. Diese Thatsacye sollte und müßte den Schochtim bei jeder sich darbietenden Gelegenheit eingeprägt und an's Herz gelegt werden. bxio" 77-72 8*172.2 -21V Hagen, 12. Mai. Zu einer schönen Sympathiekundgebung für den Verstorbenen gestaltete sich die Leichenfeier des Vorstehers der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn S. M e r l a n d e r , der achtzig Jahre alt, hier aas dem Leben schied. Auf dem Friedbofe hielt Herr Prediger Dr. H a r t m a n n die Leichenrede, in warmen Worten die Verdienste des Todten um die Gemeinde würdigend. Vermischtes. Rybnik. Im hiesigen Waisenhaus des Synagogen Gemeinde-Perbandes für den Regierungsbezirk Oppeln wurden in der Zeit vom 29. Oktober 1897 bis 29. Oktober 1900 49 Kinder (27 Knaben und 22 Mädchen) aufge nommen: jetziger Bestand 14 Knaben, >0 Mädchen. Schwedt a. O., 12. Mai. Zum Rabbiner der hiesigen Synagogengeineinde ist Herr Dr. I. Holzer, Zögling des Berliner Rabbinerfeminars, einstimmig gewählt worden. Meirillelon. Mille gebildete Mrau. Von Wcrbette Jrred. 14] Elftes Kapitel. Zu der von Elise festgesetzien Stunde tappte sich Rösl die Treppe zu ihrer Wohnung herab, nachdem sie sich überzeugt hatte, daß Elise in der Bibliothek vollauf Beschäftigung hatte, sie daher keine Störung von ihr zn befürchten brauchte. Rösl wollte den erwarteten Gast in ihrer eigenen Wohnung empfangen, wo sie ungestörter mit ihm sprechen konnte, als in der Bibliothek, deren Thüre keine Minute stille stand. Was sie eigentlich mit ihm sprechen wollte? Sie wußte es nicht. Sie loußte nur das Eine, daß sie Elisens sterbender Mutter versprochen hatte, über das Lebensglück des verwaist bleibenden Kindes zu wachen, und daß sie ihr Wort halten müsse. Es klopfte an die Thüre, welche sich alsbald öffnete und das Geräusch derselben kräftigen Schritte wurde vernehmbar, sowie dieselbe einschmeichelnde Stimme, die gestern bereits ihr Inneres in Aufruhr versetzt hatte.