Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1901)
- Date
- 1901-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449182--53325-2503970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
42. Jahrgang. Meilaqe zu M 37 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Aus dem dreizehnten Jahresbericht des Vereins „Lemaan Zion" (Palästinensischer Hilfsverein), entnehmen wir: Im abgelausenen Geschäftsjahre haben wir wiederum den größten Theil unserer Thätigkeit der Fürsorge für hilfsbedürftige Kranke zugewandt. Für SvreÄstundcn, Krankenbesuche verschiedener Aerzte, für Gehalte des Apothekers, des Dragomans u. s. w., für Miethe der Klinik und der Apotheke, Arzneien und Spesen haben wir, unter Abrechnung der Einnahmen, wiederum über Frs. 7000 ausgegeben. Hierzu kommen noch die Kosten der Augenklinik, welche in Folge der außergewöhnlich heftig auftretenden Augenkrankheiten im Juni errichtet wurde. An Gaben für Arzt und Apotheke empfingen wir nur 300 Mk., also wiederum weniger als im Vorjahr. Für ärztliche Hülfe in Safed bewilligten wir 340 Mk. und sandten nach Artus und Hebron Arzneimittel gratis. In unserer Klinik wurden in der Sprechstunde 18,296 Kranke behandelt, wozu noch 7467 Augentranke kommen. Die Zahl der gernachten Besuche beträgt 7729. Die Apotheke hatte ein Defizit von ca. 1400 Frs.; sie verabreichte 2621 ihrer Akzepte gratis. Fiir den.arabischen Unterricht, die Abendschule und den Thora-Unterricht der Lehrlinge waren.ca. 1400 Frs. erforderlich. 38 Lehrlingen bewilligten wir zusammen 1305 Frs. Lehrgeld. Den Darlehen in Höhe von 742 Frcs. und Mk. 200 stehen Rückzahlungen in Höhe von 822 Frcs. gegenüber. Der Unterhalt der rituellen Einrichtungen in Namleh kostete Frcs. 727. Für Unterstützungen wurden Frcs. 787 und Mk. 315 verausgabt.; unter den mit einer.Beihilfe Bedachten befindet sich ein junger Mann, der in Deutschland die Landwirthschaft erlernt, um später seine Kenntnisi'e zum Besten des heiligen Landes zu verwerthen. Wie unsere Abrechnung ausweist, hat sich unser .Kasienbestand abermals und zwar um Mk. 270 vermindert. . Doch ist. uns im neuen Jahre.von.den Hinterblieb°nen des sel. Freiherrn Wilh. Carl v. Rothschild „zu.dessen ehrendem Andenken" eine Spende von 10,000 'diaxf. jut Theil geworden. Diese hochherzige Gabe.verleiht unseren'. Verein eine gesichertere Grundlage, als er bisher hatte.; .wir . sind deßhalb den edlen. Spenhern zum innigsten Danke verpflichtet und werden uns -stets des großen Wohlthäters. und Gönners unserer Glaubensgenossen/Fm' heiligen Lande in unwandelbarer Verehrung erinnern. Leipzig, 10. Mai. (M ei n e i d s p r o z e ß Moritz Lew v.) Vor dem zweiten Strafsenate des Reichsgerichts kam heute die Revision des Fleischergesellen Moritz Lewy in Könitz zur Verhandlung, der am 16. Februar vom dortigen Schwurgerichte wegen Meineides in drei Fällen zu vier Jahren Zuchthaus, vier Jahren Ehrverlust und dauernder Eidesunfähigkeit verurtheilt worden ist. In dem Prozeß hat .es sich bekanntlich darum gehandelt, ob Lewh den ermordeten Winter gekannt hat oder nicht. Für die Revision waren nur formelle Bemängelungen zulässig, und der Sentspräsident hob während der Verhandlung noch besonders hervor, daß der Geschworenenspruch als thatsächliche Feststellung der Revision nicht unterliege. Unter Anderem wurde die Art der Verhandlungsleitung bemängelt, die Verwarnung der Entlastungszeugen durch den Vorsitzenden, die auf die Geschworenen eine bestimmte Wirkung gehabt haben müsse, ferner aber, daß das Urtheil in seiner Strafbemessung von der irrigen Annahme fälschlisch ausgegangen sei, die als falsch angesehenen Aussagen des Angeklagten seien von besonderer Bedeutung in den Prozessen gegen Speisiger und Masloff gewesen, ohne daß diese vermeintlichen Folgen im Urtheil näher dargelegt seien. Der Reichsanwalt erachtete diese Rügen für unbegründet;, die Judikatur der Geschworenen habe das Reichsgericht nicht nachzuprüfen. Das Reichsgericht schloß sich dem an und erkannte auf Verwerfung deb Revision. Schwerin, 7. Mai. Am letzten Sabbat feierten die mecklenburgischen Gemeinden ein herrliches, schönes Fest. Der Landesrabbiner, Herr Dr. Feilchenf e l d, beging sein 25jähriges Amtsjubiläum im Dienste der mecklenburgischen Gemeinden. Ein erbebender Festgottesdienst fand am Sabbat statt, wo der Jubilar über die Pflichten des jüdischen Priesters sprach. Eine große Festlichkeit folgte, der Sefrratage wegen, erst Myntag Abend, beim Eintritt des 33. Dmertages. Die Lehrer der Gemeinden überreichten eine Adresse. Die Gemeinden, die Behörden, sowie zahlreiche Schüler und Freunde sprachen, in Adressen unb Stiftungen die Gefühle ihrer tiefen Verehrung aus. Wattenscheidt, im Mai. Die Zahl der öffentlrchen israelitischen.Schulen i,m rheinisch-westfälischen Jndustriebezirke ist, wie berichtet wird, -wiederum um eine vermehrt worden. Die bisherige Prjtzatßchule'drr benachbarten Synagogen-Gemeinde. Hattingen 7äst arm 1. April cuif den städtischen, Etat übergegangen, -somit? \ zur „öffeptlichen Schule" umgewandelt morden. . Dank b dem ■ warmen Eintreten der jüdischen :Gemeindv-Ben1 l trctung, uttb besonders des Vorstands-Mitgliedes, unv- \ Stadtverordneten Herrn Kaufmann Urias, gingen die: - diesbezüglichen Verhandlungen verhältnismäßig sehr schnell von statten. Es waren auch wahrhaft erquickende