Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1901)
- Date
- 1901-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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N $a& vielleicht keinen größeren Konttast, als den zwischen meinem Eli und mir; aber weil wir in dem Einen, in dkr Hauptsache, Eins watest, so haben wir uns dulden, haben uns verstehen gelernt, und jetzt lieben wir uns so innig. Die Zusammengehörigkeit zu einer Nation, das Festhalten an einem Glauben ist die festeste Grundlage der ehelichen Zärtlichkeit, des Familienglückes. Wie könnte ich, die im strengsten Glauben erzogene Rösl, eine Nichtjüdin als Tochter in die Arme schließen, selbst wenn es das brave Liesel wäre? Nein, nein! SD Gott!" sagte sie bitter, das oft zitirte Dichterwort wiederholend: „Sterben ist nachts, aber leben und nichts sehen, das 'st ein Unglück!" Nur aus eines Athemzuges Dauer mein Augenlicht wiederfinden, um den Neiden auf -inen Moment in das Gesicht sehen zu können, dann würde ich wisien, woran ich bin. Soll mir meine Gutthat an dem armen Waisenkinde so gelohnt werden? Nein, o Gott im Himmel, Allgerechter, Du willst dies sicher nicht!" Am folgenden Nachmittag, wo sie, den Kopf voller Gedanken und Sorgen, in der Bibliothek saß, klopfte es ziemlich heftig an vie Thüre. Auf Elisen's „Herein!" wurde diese geöffnet und ein kräftiger Männerschritt und ein lauter Gruß tönte an das Ohr der Blinden. Der Ton dieser fremden Männerstimme berührte die Frau ganz eigenthümlich. Sie hatte diese Stimme schon einmal vernommen, dieser Ton hatte sich ihrem Gedächtnisse fest eingeprägt. Ihr Gehör und ihr Gedächtniß mußte ja schon längst den Mangel des Augenlichts ersetzen. Während sie so vor ihrem Gedächtniffe den Schutt vergangener Jahrzehnte aufwirbelte, um sich auf die Person des Sprechers zu entsinnen, machte sie eine eigenthümliche Beobachtung. Die Stimme Elisens, welche dem Herrn mehrere Werke zur Auswahl vorgelegt hatte, und mit ihm über deren Inhalt sich unterhielt, hatte eine andere Klangfarbe angenommen, ihr Beben verrietst eine ungewöhnliche Erregung des Mädchens. — O, hätte die Arme es gesehen, wie der Fremde dem Mädchen eine Karte zuschob, worauf er die Worte geschrieben batte: „Vergeben Sie mir, und seien Sie wieder gut, ich erwarte Sie Abends am gewöhnlichen Platze," bätte üe dieses gesehen, es wäre ihr Vieles klar geworden, und die schweren Sorgen wären sofort von ihr gewichen. Der Herr hatte sich empfohlen und den Laden verlassen. Frau Rösl fragte das schweigend hantirende Mädchen: . Wer ist dieser Herr gewesen, Liesie?" ,Ein junger Doktor, welcher eine verwandte Familie in hiesiger Gegend besucht, bevor er seinen Posten an einer Wiener Klinik antritt." „Wie heißt er?" „Doktor Müllner." „Müllster? Der Name ist mir fremd; wenigstens weiß ich mich nicht zu erinnern, jemand dieses Namens gekannt zu haben. Aber woher kennst Du diesen Herren, Liesie?" „O, schon lange, feit meinem Wiener Aufenthalt- Er war es, der mich damals zur Tante brachte, als ich hilflos und allein vor dem Karltheater stehen geblieben war. Dann hat er sich uns angeschloffen und unfern Führer bei Besichtigung der Stadt und der Ausstellung gemacht." ..Und dann wurde dieser Verkehr auf schriftlichem Wege fortgesetzt. Habe ich es errathen, Liesie?" „Du fragst wie ein Inquisitor," sagte ausweichend das Mädchen. „Keine Umschweife, Kind, ich verlange die Wahrheit, die volle Wahrheit." Liesie hatte niemals eine Lüge gesprochen, sie tonnte dies auch jetzt, auf diese direkte Frage antwortend, nicht thun. „Bitte, Frau Fischer, seien Sie mir nicht böse, wir haben uns seitdem regelmäßig geschrieben, eigentlich bis vor einem Vierteljahr. Von da an kamen seine Briefe in immer größeren Zwischenräumen an, wurden immer kürzer und kälter, bis ich den Entschluß faßte, sie nicht mehr zu beantworten, so weh mir dabei auch war."- „So wie damals," flüsterte Rösl, schmerzlich bewegt. „Wie meinen Sie, Frau Fischer?" fragte Elise. „Nichts, mein Kind, erzähle nur weiter." „Was ist da viel zu erzählen!? Als Müllner auf mehrere Briefe keine Antwort von mir erhielt, ist er hierher zu feinen Verwandten gereist, um mich wieder zu versöhnen. Aber dies soll ihm nicht gelingen! Lieben werde ich wohl leinen Andern als ihn. aber ich will ihm niemals angehören. Ich werde, wie die gute Tante, unvermählt bleiben." „Das sollst Du nicht, Du gutes Kind! Laß nur mich machen!" „WaK wollen, was können Sie thun?" „Das weiß ich bis jetzt noch nicht. Jedenfalls trachte, mir Gelegenheit zu schaffen, allein mit ihm zu sprechen, dann wird es sich zeigen. Wenn nichts anderes, werde icfc mir Gewißheit darüber verschaffen, ob er des Opfers einer solchen Entsagung, und ob er überhaupt Deiner Liebe würdig ist. Der Tante sage vorläufig nichts davon, daß Du hinter ihrem Rücken ein Liebesverhältniß angeknüpft; warum sie unnöthiger Weise in Aufregung versetzen? Hat sie sich doch genug geängstigt, seitdem sie die mit Dir vorgegangene Veränderung bemerkte, und dieselbe ganz richtig einer geheimen Liebe Zuschrieb. Freilich hatte sie einen andern Verdacht gehabt, so aber ist es jedenfalls b^ser —