Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1901)
- Date
- 1901-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449182--53321-2503966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
839 tage. Darf ich Sie ersuchen, solche Arrangements zu treffen, daß leine Prüfungen an diesen Tagen abgehalten werden und daß israelitische Studenten, welche sich an obigen Tagen aus religiösen Skrupeln von Kollege- Arbeiten zu absentiren wünschen, dies ohne Nachtheile für ihre Stellung als Studenten thun können. Achtungsvollst Albert Lucas, Sekretär." Herr Seth Low sandte die folgende Antwort: „Ihr Schreiben vom 19. März hat sorgfältige Beachtung gefunden. Unsere Prüfungstage wurden schon vor einem Jahre festgestellt und veröffentlicht. Auch die Prüfungstage für das akademische Jahr 1901—1902 sind bereits vor dem Eingänge Ihres Briefes festgestellt und veröffentlicht worden. Ich zweifle, daß es für uns möglich ist, gewisse Konflikte zu vermeiden, wenn Sie mir aber in der nächsten Zukunft die Daten Ihrer Festtage zwischen öcm 1. Mai 1902 und 30. Juni 1903 mittheilen wollen, werde ich mit Vergnügen die Angelegenheit überlegen und sehen, ob es möglich ist, einen bedeutenden Konflikt zu vermeiden. „Inzwischen macht es mir Vergnügen, sagen zu können, daß in diesem Jahre in der Juristenfakultät leine Prüfung auf einen von Ihnen genannten Tage fällt. Dies ist besonders erfreulich, da die Juristenfakultät unter ihren Regulationen keine Spezialprüfungen veranllaltet. Die Prüfungstage, welche Stärlingen veranlaßen mögen, sind: 24. Mai, der in die Mitte der allgemeinen Schlußprüfungen fällt. Am 28. September und 5. Oktober sind gewisse Prüfungen im Kollege of Physicians and Surgeons. Betreffs aller Prüfungen an diesen drei Tagen wird für diejenigen Studenten, welche durch religiöse Skrupel abgehalten sind, sich an einem jener Tage einer Prüfung zu unterziehen, eine spezielle Prüfung veranstaltet werden, wenn Sie den Dekan der betreffenden Fakultät benachrichtigen. Eine ähnliche im Voraus gesandte Notiz wird jeden iiid. Studenten vom Besuch der Vorlesungen an Feiertagen befreien. Ich darf wohl die Hoffnung aussprechen, daß Sie allen von der Angelegenheit Betroffenen die Wichtigkeit begreiflich machen, - möglchst früh Nachricht von der Abwesenheit von einer Vorlesung oder Prüfung zu geben. Achtungsvoll Seth Low, Präsident." P a l ä st i n a. Jerusalem. lE i n j ü di s ch e s P o st a m t.) Die kaiserlich ottomanische Post- und Telegraphen- Direktion in Jerusalem machte bekannt, wie „Chabazeletf)" berichtet, daß sie im Judenviertel Hierselbst eine Filiale des ottomanischen Hauptpostamtes eröffnet habe, in dem indische Beamte den Dienst versehen werden. Der Postdienst wird ganz nach europäischem Muster organisiert werden. Alltäglich, mit Ausnahme von Samstags und den jüdischen Feiertagen, werden angekommene Briefschaften ausgefolgt und abgehende befördert. Auch werden im Judenviertel zahlreiche j Postkästchen angebracht werden zur Aushebung der ' Briefe, die mit kaiserlich ottomanischen Francozeichen versehen sind, und zwar vier Kästchen im eigentlichen Judenviertel, fünf in den Siedelungen Mea Sch'arim, Betb Israel, Machneh Jehudah, Mazkereth-Moscheh und Nachlath-Schiw'ah, endlich ein Kästchen auf dem Bahnhofe. — In einem Aufrufe des Chacham Baschi wird die jüdische Bevölkerung ermahnt, sich in ihrem Briefverkehre ausschließlich der ottomanischen Post zu bedienen. Jaffa. (Der Spätregen von Palästina.) Die „Rat.-Ztg." schreibt: Bange Sorge herrscht allgemein in Palästina wegen des so lange ausbleibenden „Spätregens." Nicht nur der Ertrag der Ernte hängt davon ab, sondern an verschiedenen Orten ist Waffernotb zu befürchten, wie z. B. in Jerusalem bereits großer Mangel herrscht, so daß die Ausgaben für den täglichen Wasserbedarf eines Hauses ganz erheblich in Betracht kommen. Schon vor längerer Zeit hat die Behörde in Berücksichtigung dieses Umstandes ein Bauverbot erlassen, wodurch allerdings der kleine Wasservorratb in den Cisternen gespart wird, andererseits aber auch viele Menschen verdienstlos werden. Bon Jaffa wird nun in Extrabahnzügen Trinkwasser nach Jerusalem befördert, das jedenfalls theuer bezahlt wird. Die fremden Pilger in Jerusalem werden so rasch als möglich fortgeschafft, um die Noth nicht zu vergrößern, und es kamen in letzter Zeit täglich eine Menge Menschen hierher zurück, meist russische Pilger, deren Zahl auf 8—10,000 sich belaufen dürfte. Das lange Ausbleiben des so wichtigen „Spätregens" bewirkt selbstverständlich Preissteigerung: denn die Fruchtvorrätbe werden rasch aufgekauft und in die Borrathsräume eingebracht. Daher der Mangel bei der armen Bevölkerung. Im Ganzen sind die Ernte-Aussichten nicht schlecht; sie würden vorzüglich sein, wenn bald Regen käme, der auch jeder Spekulation auf Theuerung den Boden entziehen würde. Was nun Jerusalem und die mißlichen Wasserverhältnisse daselbst betriskt, so muß man wegen letzterer die Regierung einer schweren zeihen. Nicht weii von Jerusalem, in den Hebroner Bergen, gibt es so reichfließende Quellen des vorzüglichsten Wassers, daß damit durch eine entsprechende Leitung ganz Jerusalem Jahr aus Jahr ein versorgt werden könnte. Die Regierung weiß das wohl, thut ober nichts. Wollte aber eine Gesellschaft an das so nützliche Unternehmen Herangehen, da müßte sie viel Kapital aufwenden, um die Chikanen zu besiegen, die der Erlangung einer Konzession, wie iiblich, in den Weg gelegt würden. An diesen Ehikanen ist schon manches Werk gescheitert, das geeignet gewesen wäre, dem Lande aufzuhelfen und in dieser oder jener Beziehung bessere Zustände bcrbeizuführen. Fremdes Kapital und fremde Intelligenz würden sich finden, aber wie gesagt, der Haken liegt immer bei den Regierungsorganen, deren Bakschisch-Hunger heuie noch weniger zu stillen ist als früher. Hierüber ließen sich Bände schreiben.