Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1901)
- Date
- 1901-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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836 ich weigere mich nicht, den Zeugeneid zu leisten." Wenn ein Zeuge christlichen Glaubens dem jüdischen Richter so entgegenen würde, was könnte er ihm erwiedern? Wenn der Richter im Amt sich befindet, so wird man entgegnen, ist es nicht der Jude, sondern er ist Staatsbeamter, und sein Bekenntniß käme nicht in Betracht. Aber es ist nun doch einmal so, man trennt die Person nicht von ihrem Glauben, und vielleicht ist die Vermuthung gar nicht zu gewagt: würde der Richter auch den Sabbat feiern, er würde von solchen unliebsamen Vorgängen verschont geblieben sein. cpeS nn*n Viele Boten hat die göttliche Wallung zur Verfügung und vielleicht ist Schönstedt das Werkzeug, den jüdischen Juristen aus die rechte Bahn zu führen. Sei du Hüter deiner alten Verfassung und du sollst dann auch die Rechte und Vorzüge der preußischen genießen. Viele meinen nun, nur durch Kampf uw das verbriefte Recht zum Recht zu gelangen. Mag diese Anschauung sonst berechtigt sein, hier kann der Kampf gerade das Gegentheil erzeugen. Der heutige Zustand kann nicht mit dem vor Erlangung der Emanzipation verglichen werden. Vorher mußte der Zustand der Rechtlosigkeit beseitigt werden, da galt es zu kämpfen. Niemand macht uns doch jetzt das allen Bürgern gemeinsame Recht streitig, nur mißliebig haben wir uns gemacht und die Gunst, die uns bis zum Einsetzen der Gegenströmung entgegengebracht wurde, verscherzt. Die Frage der Tüchtigkeit kommt nicht immer bei Besetzung von Aemtern in Betracht; Charakter, Ruf, Bekenntniß des Bewerbenden fallen sehr in's Gewicht. Würde der Jude neben seiner Berufsthätigkeit auch noch das aufzuweisen haben, daß er ein treuer Hüter seiner religiösen Verfassung wäre, wer weiß, ob es nicht besser um unsere Sache stände? Von einer Zeit, in welcher mit Berserkerwuth jüdische Litteraturgeschichte getrieben wird, sollte man glauben, es müßte doch so mancher Vorgang aus ältester, alter und neuerer Geschichte, ein Analogon zu den Erscheinungen unserer Tage sich finden lassen. Gewiß gibt es deren eine große Menge, aber wir lernen nichts daraus — eine alte Klage. Der Prophet Jesaia ist doch den Litteratur - Freunden aus den Vorträgen wohl bekannt, sie verehren ihn als den gewaltigen Volksredner, und was sagt er von den Richtern? „Ich lasse Deine Richter wieder werden wie einst und Deine Räthe wie im Anfang — nachher wird man Dich nennen: Stadt des Rechtes, treubewährte Stadt." (Jes. I, 26.) Die Richter in des Propheten Sprache sind die geistigen Führer, die nicht für ihre eigenen Interessen sorgen, die vielmehr bereit sind, sich für ihr Volk zu opfern, für ihr Volk die Streiche aufzufangen, wie seine ersten Führer, die in Egypten für ihre Brüder bluteten,? Und die Räthe. die nur die Sorge kenNew dich mit dkm Bewußtsein zum Hochziel deiner Bestimmnug zu fuhren. In diesem Sinn haben wir jede Gegenwart zu begreifen und zu würdigen, durch nichts brauchen wir uns den Muth und die Zuversicht auf bessere Zeiten rauben zu lassen. Märtyrer zu sein haben unsere Ahnen wohl verstanden, und wir, ihre spätgeborencn Enkel, sollen nicht auch ein klein wenig diese Tugend üben können? „Seid stille und sehet die Hilfe Gottes!" Jeder auf seinem Posten, ein echter, gesehestreuer Jude und ein edler Mensch, dann wird uns nicht bange sein, es muß und wird Frühling werden. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin, 9. Mai. Die „Neueste Nachrichten" berichten: Die erste jüdische Ackerbauschule in Deutschland soll noch im Laufe dieses Sommers vom „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" eingerichtet werden. Es ist der Ankauf eines kleineren Landgutes in Aussicht genommen, das nicht parzellirt, sondern unter Leitung eines Fachmannes gestellr werden soll, unter dessen Aufsicht jüdische Kolonisten als Landarbeiter mit event. Gewinnbetheiligiung beschäftigt werden, um sie dergestalt an landwirthschaftliche Arbeit zu gewöhnen. Mit der Kolonie soll eine Art Musterwirthschaft verbunden sein, wobei in erster Linie auf die Zöglinge der jüdischen Gartenbauschule in Ahlem gerechnet wird, deren Erfolge bisher befriedigend sein sollen. Frankfurt a. M. Dem dritten Bericht der „Jüdischen Haushaltungsschule" zu Frankfurt a. M. (pro 1899—1900) entnehmen wir: Das abgelaufene Geschäftsjahr ist in ruhiger Thätigkeit dahingeflossen. Unsere Zöglinge haben sich mit Eifer den Arbeiten unterzogen, welche die Schule von ihnen verlangte, und wir können mit Befriedigung feststellen. daß die Herrschaften mit den Leistungen der von ihnen engagierten, in unserer Anstalt ausgebildeten Mädchen zufrieden waren. Eine von uns aufgestellte Statistik hat ergeben, daß, abgesehen von den gegenwärtig noch lernenden 12 Zöglingen, 64 frühere Zöglinge in Dienst gegangen sind. 11 mußten wegen Krankheit bald nach ihrem Eintritt entlassen werden, und nur 11 haben es verweigert, eine Stelle anzunehmen. Wir glauben, behaupten zu dürfen, daß das Verhältniß von 64 zu 11 ein recht günstiges ist, und daß sich die Nützlichkeit unserer Anstalt klar erwiesen hat. Was unsere finanziellen Verhältnisse anbetrifft, so haben sich dieselben zu unserem Bedauern sehr verschlechtert. Nicht nur, daß die Jahresbeiträge zurückgingen. haben sich auch die Geschenke und zwar um nicht weniger als 1660 Mk. verringert. Unsere Rechnung schloß in Folge dessen mit einem Fehlbeträge von 1233 Mark. Um die Einnahmen mehr in Einklang mit den gesteigerten Ausgaben der Haushaltung zu bringen, sahen