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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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„Ich öffnete ein Faß Wein," sagte Dr. Lazzlo, mit Mühe seinen Unwillen unterdrückend. „War Ihnen Ilona behilflich?" forschte der Richter. — „Ilona war nicht zugegen!" „Wie wollen Sie das beweisen?" „Mein Ehrenwort gilt als Beweis!" „Wenn Sie aber überführt werden, daß Ilona mit Ihnen im Keller gesehen worden?" „Dessen kann mich Niemand überführen, weil es nicht wahr ist!" „Wir haben Zeugen!" „Aber keine glaubwürdigen!" „Sie kennen den Bela Hetvay, der bei Ihnen im Hause wohnt?" „Den Trunkenbold? Ja, leider kenne ich ihn!" „Hetvay behauptet, er habe, als er einen Schrei vernommen, durch das Kellerfenster geblickt und gesehen, wie Sie die Ilona zur Erde geworfen und —" „Und wegen einer so gemeinen, unwahren, schändlichen Denunziation," ries Dr. Eli empört, „soll ich mich allen Ernstes rechtfertigen?" „Ja, das sollen Sie, wenn Sie es können!" sagte der Richter mit Nachdruck. „Schändlich! Schändlich!" rief Dr. Eli, die Fäuste ballend. „Kann die Aussage eines Lumpen einen Ehrenmann zum Mörder stempeln?" „Bela Hetvay hat Zeugen," fuhr der Richter unbeirrt fort, „daß Sie eine Viertelstunde später den Keller verließen und eine Flasche, deren Inhalt roth schillerte, vorsichtig in den Händen trugen. Ich frage Sie, was war in der Flasche?" „Nothwein! Oder ziehen Sie es vor, zu glauben, daß die Flasche das Blut eines gemordeten Christenmädchens enthielt?" höhnte Dr. Eli, der seinen Zorn ob der ihm angethanen Unbill kaum noch bemeistern konnte. „Nicht diesen Ton! Ich warne Sie! Bedenken Sie, daß es in meiner Hand liegt, Sie Ihrer Freiheit zu berauben!" „Gesängnißstrase ist ja weniger entehrend, wie dieser scheußliche Verdacht!" „So rechtfertigen Sie sich von demselben! Noch einmal frage ich Sie, sagen Sie nicht, daß Sie nichts wissen; wo ist Ilona Kusmik geblieben, nachdem Sie dieselbe zur Erde geworfen?" „Da könnte man ja den Verstand verlieren," brauste Dr. Eli auf. „Glaubt man einem Vagabunden, wie dieser Hetvav, der gegen mich zeugt, weil ich ihm die Wohnung gekündigt, mehr, als einem Ehrenmanne, dessen einziges Bestreben es stets gewesen, den Aermsten der Armen hilfreich zu sein?" „Mit schönen Worten," sagte der Richter, „entkräften Sie keinen Verdacht! Es herrscht im ganzen Orte nur eine Stimme: Ilona Kusmik ist beseitigt worden, weil die Juden zum Peßachfeste Christenblut brauchen!" „Und diesem hundertfach widerlegten Märchen aus dem grauen Mittelalter," ries Dr. Eli entrüstet, „will ein Mann von Ihrer Bildung auch nur den Schein von Wahrheit zuerkennen? Wahrlich, mir steht der Verstand still!" „Ist das Ihre ganze Rechtfertigung?" höhnte der Richter. „Ich habe mich nicht zu rechtfertigen! Ich bin schuldlos!" sprach Dr. Eli, „und ich werde mein Recht suchen und — finden! Sind Sie auch verblendet, so gibt es doch noch Richter, die —" „Ich erkläre Sie für verhaftet!" unterbrach ihn wuthschnaubend der Beamte. „Man wird Ihnen zeigen, Sie unverschämter Jud, was es heißt, frech sein und unparteiische Beamte lästern wollen!" Er drückte auf eine Klingel; in der Thür erschien ein Diener. „Führen Sie den Angeklagten Lazzlo ab!" sagte er barsch. „Rühren Sie mich nicht an!" rief Dr. Lazzlo, als der Diener ihn bei der Schulter packte und hinausführen wollte. „Thun Sie Ihres Amtes!" sprach der Richter; „wir werden diesem hochmüthigen Juden Mores lehren!" Viertel Kapitel. Frau Aranka wartete klopfenden Herzens auf die Rückkehr ihres Gatten. Der Tisch war festlich gedeckt, das Mahl mit der dem Feiertag schuldigen Rücksichtnahme vorbereitet. Die Köchin fragte mehrmals, ob sie auftragen solle, Aranka vertröstete sie bis auf die Ankunft des Hausherrn. Es war ein, zwei Uhr. Eli kam nicht; die geängstigte Frau konnte ihre Unruhe nicht mehr bekämpfen; sie selbst ging nach dem Gerichtsgebäude. Niemand wollte von dem Verbleib ihres Gatten etwas wissen. Sie kehrte heim, hoffend, daß er inzwischen zu Hause angelangt sei. Die Köchin jammerte nur ,daß ihr der Braten verdorre. der MazzeLockschen schon gefallen sei, von Dr. Lazzlo wußte sie nichts. In ihrer Verzweiflung ging die junge Frau direkt zu dem Richter, bei dem ihr Gatte vorgeladen war, in die Wohnung. Es hieß, Dr. Vathory sei nicht zu sprechen. Jndeß sie ließ sich nicht abweisen. Mit hoch erhobenen Händen bat sie ihn (ihr Jammer hatte den Diener gefügig gemacht, daß er sie vorließ), ihr Nachricht über den Verbleib ihres Gatten zu geben. „Den Herrn Lazzlo," sagte Dr. Bathory höhnisch, „werde ich so lange in Hast behalten, bis seine Frau mir sagt, ob er öfter Christenmädchen in den Keller lockte. Vielleicht können Sie mir darüber Auskunft geben?" „Ich höre, aber ich verstehe nicht," sagte Aranka erbleichend.

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