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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Dr. Bathory sah die Erregung der jungen Frau; sie war, indem ein unheimliches Feuer in ihren Augen funkelte, schöner als je; ein teuflicher Gedanke stieg in ihm auf. Wie. wenn er den Juden dadurch strafte, daß er besten Frau unehrenhafte Anträge stellte und die Befreiung ihres Mannes aus der Haft davon abhängig machte. Er war Junggeselle, glaubte keinerlei Rücksicht nehmen zu muffen, von unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit zu sein. „Arme Frau," sagte er, jetzt einen andern Ton anfchlagend, „Sie thun mir eigentlich leid! Bitte, setzen Sie sich, was ich Ihnen zu sagen habe, ist nicht sehr erbaulich, am wenigsten heute an Ihrem Festtage!" Er sah, wie ihre Knie zitterten, dunkle Schatten über die alabasterweise Stirn huschten. „O martern Sie mich nicht," bat die junge Frau händeringend, „was ist geschehen!? Sagen Sie mir, wo finde ich meinen Mann?" „Ich bin viel zu galant, schöne Frau, Sie dahin zu senden, wo er sich jetzt befindet," sagte Bathory, indem er seinen Stuhl dicht an den ihrigen schob; „die Untersuchungshaft, die ich über ihn verhängen mußte, kann indeß gemildert werden, wenn seine Frau —" er suchte seinen Arm um ihre Taille zu legen, sie an sich zu ziehen. „Unverschämter," rief die junge Frau in fieberhafter Angst, „wer gibt Ihnen ein Recht, eine schutzlose, ehrbare Frau zu beleidigen! Ich kam zu Ihnen, um zu wiffen, wo mein Mann ist, nicht um —" „Rur nicht so heftig, schöne Frau," beruhigte Dr. Bartbory; „ich bin Ihrer Ehre nicht zu nahe getreten; es Ziemt der Gattin eines wegen Mordes Angeklagten nicht, den Richter zu belei —" „Wegen Mordes?" unterbrach Aranka mit jähem Aufschrei. „Dr. Lazzlo ein Mörder? Das ist ja der pure Wahnsinn!" „Darüber haben die Richter zu urtheilen," sagte Dr. Bathory, kein Auge von der jungen Frau wendend, deren eigenartige Schönheit ihn bezaubert hatte. In ihm stand es fest, daß sie sein werden müffe und sollte er den Gatten ein Jahr lang widerrechtlich in Gefangenschaft halten. „Wer? wer? hat diese teufliche Beschuldigung erdacht." fragte Aranka zornbebend. „Es sind Zeugen da," sagte Dr. Bathory, „Augenzeugen, die —" „Unmöglich," unterbrach ihn Aranka, „kein Mensch auf Gottes weiter Welt kann gesehen haben, daß Dr. Lazzlo ie etwas Unrechtes gethan!" Und überlegend, daß sie darauf bedacht sein müffe, den Richter zu ihrer Meinung zu bekehren, fuhr ste, sich vor ihm niederwerfend und me Hände ringend, fort: „Glauben Sie mir, Herr Doktor, mein Mann ist unschuldig! Geben Sie ihn frei! Es könnte ihn, der das verkörperte Ehrgefühl ist, dem Wahnsinne nahe bringen, auch nur einen Tag und eine Stunde unter so schrecklichem Verdachte zu leiden!" Dr. Bathory weidete sich an dem Anblick der vor ihm knieenden, hochgradig erregten Frau. Ohne sie aufzuheben, sagte er: „Ich bin ja kein Unmensch! Was ich für den Gatten der schönen Frau Lazzlo thun kann, soll geschehen, wenn —" er ergriff ihre Hände und zog sie zu sich empor und wollte sie umarmen — „diese wunderschöne Frau sich auf ihren Vortheil verstehen wird." Schon wollte er sie mit beiden Armen umschlingen, als Aranka, die Situation erkennend, ihn heftig von sich stieß und zur Thüre eilte. Sie rüttelte an derselben, ohne sie öffnen zu können. „Machen Sie auf, augenblicklich," rief sie vor Zorn bebend, „der ganze Ort soll es wiffen, wie Sie sich einer geängstigten, bei Ihnen Hilfe suchenden Frau gegenüber benommen!" „Gut, daß Sie mir das sagen," erwiederte Dr. Bathory; „ich bin es somit meiner Ehre schuldig, auch Sie in Gewahrsam zu halten?" „Mich?" fragte Frau Aranka erbleichend; „wagen Sie es," fuhr sie, nach Fällung ringend, fort; „wir haben Freunde, man wird Ihnen zeigen, was es. heißt „Larifari," unterbrach sie der Richter, „lasten Sie ein vernünftiges Mort mit sich reden, Frau! Ihre schönen Augen haben es mir angethan; je mehr Sie in Ekstase gerathen, desto begehrenswerther erscheinen Sie mir; ich laste Sie nicht von hier, ehe —" Ein geller Aufschrei Aranka's. Sie fühlte, ehe sie es bindern konnte, seine Lippen auf den ihrigen brennend: unmöglich, ihn von sich zu stoßen, sich zu befreien. „Hilfe! Hilfe!" rief sie, wild um sich schlagend; „ich dulde die Schmach nicht, die Sie mir anthun wollen, ich - ich-" Ohnmächtig lag sie in seinen Armen. Er war entsetzt; er sah, wie sie sich verfärbte, leblos zusammen sank. Mas, wenn der Schreck sie getödtet hätte? Dem Diener läutend, befahl er schnell Master, Essig, Wein zu bringen. Verschmitzt lächelte der Heibeigerufene; ihm schienen solche Scenen nicht neu zu sein. Den vereinten Bemühungen der Beiden gelang es. Frau Aranka wieder zum Bewußtsein zu bringen. „Fort' Fort!" stöhnte sie, sich mühsam erhebend; „fort aus diesem Haus der Schande!" Sie schleppte sich einige Schritte vorwärts, sank ober, am Sofa angelangt, um; die Kräfte versagten ihr den Dienst. In Thränen ausbrechend, bat sie den Diener, sie nach Hause zu führen; sie werde es ihm reichlich lohnen. (Fortsetzung folgt.)

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