Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1901)
- Date
- 1901-05-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449181--53298-2503942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
für ba&G^' Orthodoxe «MuderrthumÄ l-C/M O S E S sft' rmBkk i © rnr MMKM MM eimgefunden. Novelle von Iöa Warb er—Wien. --»OCZXj- (4. Fortsetzung.) Dr. Lazzlo ließ ihre Mutter rufen, die in einem zwei Meilen entfernten Dorfe wohnte. Frau Kusmik war merkwürdig gefaßt; offenbar wußte sie, daß keine Ursache vorhanden, Ilona als Todte zu betrauern. Sie sagte: „Madel wird schon wieder kommen! Wird ihr nir g'scheh'n." Die Frau hatte ehedem von Dr. Lazzlo's Mutter viele Wohlthaten empfangen — und war offenbar nicht gewillt, in den allgemeinen Chorus einzustimmen. Obgleich sie, die Nächstbetheiligte, keine Klage erhob, erhielt Dr. Lazzlo doch eine Vorladung, bei Gericht zu erscheinen. Der amtirende Richter war als ein Judenfeind bekannt; die Vernehmung Lazzlo's war für den ersten Peffachtag bestimmt. Frau Aranka war der Ansicht, ihr Gatte solle um eine Verlegung des Termines ansuchen, um den Gottesdienst nicht versäumen zu muffen,, doch Eli wollte sich dem Richter gegenüber gar nicht auf den frommen Juden Hinausspielen und erschien bei Gericht. — Das Verhör war ein überaus veinliches. „Bekennen Sie sich schuldig," fragte der Richter in barschem Tone, „die Ilona Kusmik bei Seite geschafft zu haben?" Dr. Lazzlo traute seinen Ohren nicht. „Welchen Grund könnte ich haben," sagte er, sich zur Ruhe zwingend, „einen treuen, mir fast unentbehrlichen Dienstboten bei Seite zu schaffen?" „Es liegen hier," sprach der Richter, ohne Eli's Frage zu beantworten, „allerlei Anzeichen vor, die Verdachtsgründe wachrufen. Man will gesehen haben, baß sie am Tage, da das Mädchen verschwand, selbst in den Keller hinabgingen, angeblich, um Wein zu holen; das Mädchen soll zur Zeit unten gewesen sein; im Rachvarhause soll man einen markerschütternden Schrei gehört haben Die Flasche, die Sie in der Hand trugen, als Sie den Keller verließen, soll eine röthliche Färbung gehabt haben. Ich bin weit davon entfernt, auf bloße Anzeichen hin einen Verdacht auszusprechen, müßte Sie aber doch, wenn Sie sich nicht rechtfertigen können, in Untersuchungshaft behalten, bis die Sache aufgeklärt ist!" — — „Ich höre staunend," sagte Dr. Eli, seine innere Entrüstung bekämpfend, „daß man es wagt, einen Mann, der stets nur dem Wohle seiner Mitbürger gelebt, zu verdächtigen und halte es unter meiner Würde, mich zu rechtfertigen, wenn Gemeinheit und —" „Keine Ausfälle," unterbrach der Richter mit Stentorstimme, „Sie haben hier nur Auskunft zu geben, ob —" „Ich verweigere jede Auskunft über Fragen, die mich wohl gar des Mordes zeihen," sagte Dr. Eli entrüstet; „mein Leben liegt wie ein offenes Buch vor Allen, die mich zu beurtheilen haben. Ich möchte Demjenigen Aua' in Aug' gegenübergestellt werden, der eS wagen kann, mich einer unehrenhaften Handlung zu zeihen!" „Genug der pathetischen Reden," sagte der Richter barsch, „ich verlange kraft meines Amtes Auskunft darüber, was Sie am 14. April im Keller Ihres Hauses thaten!?"