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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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hat vor uns hat das Privilegium besonderer deutscher Treue, und selbst eine Los von Rom-Bewegung würde uns nicht hindern, jeden Verrath am Vaterlande, jedes Rütteln am Gesetze, so lange es das göttliche, höhere Gesetz nicht anareifr, auf's Tiefste zu verachten. Nein, Gemeinheit der Gesinnung mögen andere zeigen, bei uns wird man sie, so lange wir treue Katholiken sind, nicht finden. (Bravo!) . . . Das feste und mannhafte 'Auftreten für seinen Glauben erfordert ein ernstes und entschiedenes Zurechtweisen jeder Berkleinerung, jeder Verunglimpfung, jeder Berleumdung, jeder Verlästerung desselben. Ob diese geschieht durch Personen, durch die Presse, durch Bücher und Schriften, das muß uns gleich sein, hier gilt es nicht liebäugeln, hier gilt es für seinen Glauben eintreten. Daß man es wagt, in offener und versteckter Weise uns anzugreifen, das liegt vielfach daran, daß diejenigen, die sich Katholiken nennen, zu schwachherzig sind. Ich gehöre nicht dem politischen Leben au und habe mich fern von demselben gehalten, aber es knirscht doch der innere Mensch, wenn das, was ibm lieb und werth ist, was er über alles hoch hält, wie es heißt, aus politischen Gründen in den Staub getreten wird." Diese vortrefflichen Worte kann auch jeder Jude unterschreiben, denn auch wir Juden leiden unter den elenden Verfolgungen und Machenschaften der Antisemiten; möge nie ein Jude sich an einer religiösen Hetze gegen Andersgläubige betheiligen, namentlich nicht an der Graßmann'schen Agitation gegen die katholischen Geistlichen! Coburg, 6. Mai. (Die Beerdigung des Geheimen Kommerzien-Rathes von M a y e r.) Geh. Kommerzienrath Jacob Freiherr von Mayer ist gestorben. Dessen Vegräbniß verdient, auch im „Israelit" geschildert zu werden. Es fand gestern Vormittag 11 Uhr, von der Leichenhalle aus, auf dem israelitischen Friedhofe statt und legte beredtes Zeugniß davon ab, welcher Verehrung sich der Verblichene in den weitesten Kreisen seiner Mitbürger erfreute. Die Zahl der Theilnehmer ist mit 800 nicht zu gering geschätzt. Nachdem Herr Lehrer und Prediger Oppenheimer die Todtengebete verrichtet hatte, widmete er dem Verblichenen ergreifende Worte des Gedächtnisses. Nun setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Unter Vorantritt eines Trauermarfchalls folgte Herr Export-Disponent für Oesterreich-Ungarn, Hansen, welcher auf einem Kiffen die Orden des Freiherrn trug. Hieran schloffen sich zwei Diener in Gala mit den Kränzen der höchsten Herrschaften. Die Spende Sr. D. des Herrn Regierungsverwesers trug Namenszug und Krone, die Ihrer Hoheit der Frau Herzogin Alexandrine die Inschrift: „Das Andenken des Gerechten bleibt in Ehren." Dem Sarge folgten zu Seiten des Herrn Lehrer und Prediger Oppenheimer die Freiherren Hugo von! Mager und Siegwart von Mayer-Ketschendorf. Se. | D. den Herrn Regierungsverweser vertrat Herr Flügeladjutant von Wangenheim, Ihre Hoheit die Frau Herzogin Wittwe Alexandrine, welche ihrem Schmerz um den dahingeschiedenen Freund des Herzog!. Hauses in einem ergreifenden eigenhändigen Schreiben Ausdruck verliehen hatte, Herr Staatsrath Meßmer, das Gesammtministerium Herr Geh. Regierungsrath Dr. Dietsch von Gotha, die hiesige Ministerial-Abtheilung Se. Excell. Herr Wirkt. Geheimrath von Wittken. Neben den Angehörigen des Verstorbenen nahmen Theil der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, dieselbe selbst, der Magistrat, Stadtverordnete, sämmtliche Beamte der hiesigen Firma und ihre Filialen, Vertretungen der Coburg-Gothaischen Kreditgesellschaft, des Spar- und Hilfsvereins, sowie zahlreiche andere kommerzielle und industrielle Unternehmungen. Ja sogar von Oesterreich waren Freunde des Chefs der Weltfirma herbeigeeilt. Ferner bemerkte man unter den Leidtragenden den amerikanischen Generalkonsul Herrn Dr. Hughes, welcher gestern die Fahne des Konsulats auf Halbmast hatte flaggen lassen, anläßlich der Bedeutung, welche Freiherr von Mayer in der Handelswelt hatte. Auch das Land hatte sich zahlreich betheiligt; so sah man unter andern die Gemeindevertretung von Ketschendorf, geführt von Herrn Schultheiß Gundermann, ferner Creidlitzer, Seidmannsdorfer, Ahorner etc. Von Landtagsabgeordneten sah man Herrn Arnold, die Schulen, denen der Verstorbene so manche Wohlthal erwiesen hatte, vertrat Herr Schulrath Brodführer. Bald hatte der Zug sein Ziel, die der israelitischen Gemeinde bestimmte kleine Abtheilung des allgemeinen Friedhofes erreicht. Langsam senkte sich der Sarg in die Gruft; Herr Lehrer und Prediger Oppenheimer sprach das letzte Gebet. Gar mancher Freund des Verblichenen begab sich nun zum Grabe, um ihm die iiblichen drei Hand voll Erde nachzusenden. So ruht denn einer unserer hervorragendsten Mitbürger nach einem an Erfolgen aber auch an ernster Arbeit reichem Leben für immer aus, ein Mann, der sich des gleichen Ansehens erfreute bei Hoch und Niedrig, an dessen Gruft sich Stadt und Land, Fürstenhaus und Bauer, sowie die Angehörigen jeder Konfession zusammenfanden, um ihn zu ehren und sich selbst. Er ruhe in Frieden! Die Freiherrliche Familie hält die „Schiwwe" streng inne und wird bei ihr täglich „Minjan" gemacht. Redakteur Mahler. Niedenstein, im Mai. Hierorts sind zwei strengkonfessionell geschiedene öffentliche Volksschulen, eine israelitische und eine evangelische. An letzterer ist seit Ostern d. I. der Lehrer erkrankt. Damit der Unterricht in dessen Schule nicht leidet, hat auf Anregung des Königlichen Kreisschulinspektors, Herrn Metropolitan Braunhof zu Gudensberg, die Königliche Regierung zu Kassel angeordnet, daß der Königliche Lo-

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