Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1901)
- Date
- 1901-05-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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829 lalschulinspektor, Ortsgeistlicher Herr Pfarrer Eisenberg, wöchentlich drei Stunden Religionsunterricht für den erkrankten Lebrer zu ertheilen habe, während die weltlichen Unterrichtsfächer, als Deutsch, Realien, Rechnen, Turnen etc., dem israelitischen Lehrer, Herrn Heiser, zu übertragen sind, was übrigens bei einer Vakanz vom 1. Februar bis 15. April 1884 schon einmal der Fall war. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Wien. (C h e w r a K a d i s ch a.) Einer mehrseitigen Anregung folgend, hat der Verein „Chewra Kadischa" eine Neueinrichtung getroffen, die überall sympathisch ausgenommen werden dürfte. Es wurde ut den letzten Jahren die bedauerliche Wahrnehmung gemacht, daß auch bei jüdischen Leichenbegängnissen, entgegen den Traditionen, welche die einfache prunklose Bestattung gebieten, die Widmungen von Kranz- und Blumen.spenden überhandnehmen. Die „Chewra Kaoischa" hat nun veranlaßt, daß — ohne der freien Entschließung jedes Einzelnen vorgreifen zu wollen — in jedem Trauerhause ein würdig ausgestattetes Buch aufgelegt wird, worin die Freunde der Familie an Stelle der Kranz- und Blumenspenden den äquivalenten Betrag für wohlthätige Zwecke einschreiben können. Noch vor 80 Jahren bat man in Wien, auch bei christlichen Leichenbegängniffen es abgelehnt, diese aus Frankreich importierte Sitte, besser Unsitte des Kranzspendens, einzubürgern. Als vor Jahren sich eine Agitation entwickelte, lieber die nothleivenden Vereine zu unterstützen, als die kaum den Tag überdauernden Blumen zu gebrauchen, da war es nur die Genossenschaft der Ziergärtner, die mit aller Macht dagegen demonstrirte. Allen human gesinnten Glaubensbrüdern und -Schwestern bleibt es überlaffen, dieser Anregung im gegebenen Falle zu entsprechen, und für dieselbe Propaganda zu machen. Budapest, 8. Mai. (Eine angebliche Enthüllung über die Affäre von Tisza-Eszlar.) Die ehemalige Erzieherin Katharina Dürrisch wurde kürzlich hier in Folge einer Anzeige des früheren Reichsraths-Abgeordneten Geza Onody wegen Verbrechens gegen den Familienstand zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurtheilt. Die Dürisch hatte mit Onody durch Jahre ein Berhältniß unterhalten, gleichzeitig aber auch Beziehungen zu einem Regimentsarzte gehabt, dem sie die Vaterschaft eines Kindes zuschob, das sie von armen Eltern erworben. Nun hat die Dürrisch aus dem Gefängniß an ihren Vertheidiger Karl Eötvös ein Schreiben gerichtet, in dem es unter Anderm heißt: „Ich bin wie wahnsinnig. Seitdem man mir mein Kind genommen, fühle ich erst eine wie schwere Strafe das Gefängniß ist. Ich bitte Sie, Herr Vertheidiger, um Ihren Rath. Ich möchte ein Geständniß ablegen; ich möchte gestehen, daß ich das Kind, das man mir abtrat, erwürgt habe. Das Kind, das man mir jetzt nahm, ist mein eigenes. Lieber soll man mich wegen Kindestödtung verurtheilen, doch soll man mir, wenn ich frei werde, mein Kind zurückgeben. Derselbe Onody, dem ich mein Ungliick verdanke, wird übrigens noch der Held eines gerichtlichen Dramas sein. Ich werde weiters gestehen, daß Geza Onody es war, der im Jahre 1888 die Esther Solymossi aus Tisza-Eszlar verschwinden ließ. Ich bitte Sie wiederholt um Ihren Rath." Man glaubt hier allgemein, daß dieser Brief ein Rache-Akt der Dürrisch gegen Onody sei, sieht aber dem Fortgang der Affäre immerhin doch mit einer gewissen Spannung entgegen. Lember»r, 5. Mai. Die durch die Nothlage der Bauarbeiter hier erzeugten Ausschreitungen sind durch das energische Einschreiten von Militär- und Wachmannschaft vorläufig eingedämmt worden. Im Gebäude des Platzkommandos haben Excedenten fast sämmtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Im Innern der Stadt wurden mehrere tausend Fensterscheiben eingeschlagen, viele Personen haben durch Steinwürse Verletzungen davongetragen. Auch die Fensterscheiben der großen städtischen Synagoge und der iiidischen Knabenschule gingen gelegentlich der Exceffe in Scherben. In der jüdischen Schule wurden mehrere Knaben durch herabfallende Steine und Glasscheiben verwundet. Die Freiwillige Rettungsgesellschaft hatte alle Hände voll zu thun. Der gerade durch die Straße reitende Major Niemeczek vom 80. Infanterieregiment wurde von der Menge attaquirt und vom Pferde geschleudert. Der Offizier zog den Säbel und hieb auf die Menge ein. Eine alte Frau starb vor Schreck vom Herzschläge gerührt. Der Schaden, der angerichtet ist, wird auf 40,000 Mk. geschätzt. vermischtes. Berlin, 4. Mai. Aus si o n i t; wird gemeldet: Das Schöffengericht verurteilte den Spnagogendiener Noszek wegen Beleidigung des Flei'chermeisters Holtmann und dessen Tochter Anna zu einem Monat Gefängniß. Noszek hatte geäußert, Hofsmann sei der Mörder Winters, man wolle ihn und feine Tochter einttecken. Frankfurt a. M., 1. Mai. Im ..Verein für jüdische Geschichte und Literatur" wurden im verflossenen Semester zehn Vorträge gehalten Da - Jahr schloß mit einem Fehlbetrag ab. der vom Kassier vorgelegt werden mußte. Die Mitgliederzahl hat si-ch auf der ungefähren Höhe von 2.10 gehalten. Schrimm. Für die rituelle Verpflegung der drei jüd. Insassen des Landarmevhauses Hierselbst pro 1000 gingen M 787 ein, von denen ist- 775 allsgegeben wurden. Soolbad iiunlmrij, Parkhaus. Neues vornehmes Ponsionshaus 1. Kaufes unter Aufsicht .Sr. Ehr» iinlen Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, mit Genehmigung' Sr. Ehr»'. Herrn Eamlrabbiner Dr. Riilf, Braunsclnveig. Streng rituelles Etablissement. Am Walde an schiinst, staubfreier Lage, 40 Salons mit Balkons der Xenzeit elegant eingerichtet. Bekannt aussergewiihnlich gute H liehe. Dieners und ä la carte zu jeder Zeit, volle Pension mit. extra guter Verpflegung incl. Wohnung von 6,50 >Ik. an. Jeden Samstag Gottesdienst in eigener von Herrn Professor Geb, Hannover, erbauten Synagoge im Parke des Hotels. [3489 Geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. Besitzer: Max Hecht,