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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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820 allen späteren Ausgaben ganz eliminirt hatte. Weiters ist hervorzuheben: „Sefer Ha-Othioth" des Saadias Gaon, ein sehr altes in Quadratschrift geschriebenes, seidenartiges Manuskript, aus Sana in Jemen stammend, so wie ganz besonders das Manuskript „Sefer Noah," welche? Viele für das „Sefer Rasiel" oder „Sefer Ha-Rasim" hielten, während es eines der frühesten selbstständigen kabbalistischen Werke bildet und daher für die Geschichte der „Kabbalah" von Wichtigkeit ist. Der „Tafssir" von Saadias ist die arabische Uebersetzung der Thora. Von großem bibliothekarischem Werthe ist die „Editio princeps" des Jalkut aus Salonik vom Jahre 1527, sowie die erste Ausgabe des „Sefer Ha-nizzaehon" aus Soncino u. die erste Ausgabe der „Mechilta" aus Constantinopel 1516. Eine der größten Seltenheiten jedoch ist das berühmte Werk: „Sefer Hoil Moscheh" in 12 Bänden, wovon selbst das British Museum, welches sich sonst des größten Besitzes an hebräischen Werken rühmen darf, kein vollständiges Exemplar, sondern nur einzelne Theile aufzuweisen hat, und müssen wir nicht ohne Neid und aufrichtiges Bedauern die Mittheilung machen, daß es gerade in den letzten Tagen von der „kaiserlich-asiatischen Akademie in St. Petersburg" käuflich erworben und bereits dahin versendet wurde. Mit derartigen Kaufkräften kann ein Privatgelehrter freilich nicht in die Schranken treten, aber immerhin bietet die Deinard'sche Sammlung noch genug der Bücher und Werke, welche für die Lehranstalten und Bibliotheken unserer jüdischen Gemeinden und deren Vereine sehr leicht erreichbar sind. So gehört noch der Traktat „Kidduschin" von der berühmten Sabionetta-Ausgabe zu den allergrößten Seltenheiten. Darin ist jede einzelne Mischna mit Punktation und „Taame ha-neginoth" versehen. Durch die damals erfolgte Verbrennung des Talmuds blieb die weitere Ausgabe unterbrochen und existirt auch nur dieser eine Theil. Auch „Sefer ha-Galuth ve-ha-Peduth" ist als Gefchichtsquellen-Werk hervorzuheben, mit dessen deutscher Uebertragung der Schreiber dieser Zeilen demnächst betraut rverden wird. Außer den litterarischen Sachen hat Deinard auch sein Augenmerk auf die Erwerbung von Kunst- und Musealgegenstände jüdischen Charakters gelenkt und verschiedene Steine, Geräthe, Inschriften, Tafeln, Lampen, Holzplatten mit hebräischen Texten u. dgl. gesammelt, die für die Anlegung eines „jüdischen Museums in Amerika" bestimmt sein sollen und worüber wir demnächst berichten wollen. Wien, Jßru-chag Pessach 6661. I. Bernh. Straffer, Lehrer der deutschen, französischen, englischen und hebräischen Litteratur in Wien. (II. Miesbachgasse 8.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 8. Mai. Der Aufsatz unseres Mitarbeiters, Herrn Saly Geis: „Ein Wort an den jüdischen Lehrer." welcher in religiösen Lehrer- und Laienkreisen einen lebhaften Wiederhall gefunden hat, erfährt in der Hamburger Zeitschrift „Israelitisches Familienblatt" eine Kritik, die alles weniger, als gründlich und sachlich ist. Es wundert uns ja nicht, daß das Familienblatt lein Verständniß für die auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums wurzelnden Auffassungen des Verfassers hat und mit ängstlicher Scheu dessen von einer klaren Beurtheilung der „wahren" jüdischen Interessen zeugenden Worte übergeht. Uns scheint aber, daß das Hamburger Blatt auch der pädagogischen Litteratur ziemlich fremd gegenübersteht, denn sonst müßte es wissen, daß von „berufenen" Pädagogen immer und immer wieder über die „Halbbildung" der Seminar- Abiturienten geklagt wird. Uebrigens hat es sich garnicht um Ganz- oder Halbbildung im Allgemeinen, sondern im jüdischen Sinne gehandelt. Für uns verlangt eine jüdische Bildung, die keine halbe bleiben will, das Nertrautsein mit den Geistesschätzen des Judenthums, ganz besonders mit dem Talmud; und daß es damit trotz aller „Lehrerversammlungen," „Litteraturvereine" und „Logen" sehr schlimm aussieht, wird wohl auch das Familienblatt nicht in Abrede stellen können. Es wird gar Manches auf den Seminarien gelernt, aber wenig „gelernt." Wir glauben hiermit einem Blatte, das sich das Vergnügen macht, uns in gehässiger Art u. Weise unter die Lupe einer subjektiven, voreingenommenen Kritik zu nehmen, schon zu viel geantwortet zu haben. Häln, 6. Mai. Am 9. v. Mts. tagte in hier eine „Katholiken-Versammlung zur Abwehr der neuesten lirchenfeindlichen Angriffe." Herr Dompropst Dr. Berlage führte aus: Wir sind Katholiken. Als solche greift man uns an und sagt von uns und hat von uns gesagt, wir seien nicht wahre Staatsbürger des Landes, zu denen wir gehören. Uns deutsche, wahrhaft gläubige Katholiken, nennt man gern ultramontan. Ich für meine Person bekenne es offen, daß ich mit Herz und Seele meinem katholischen Glauben angehöre, aber ich weise jeden als niederträchtigen Verleumder zurück, der mich um dessentwillen undeutsch nennen will. Ihr Katholiken alle, die Ihr hier zugegen seid, und die Ihr treu zu Eurer Kirche haltet, werdet das mit ihr thun. Zu Kaiser. König und Reich halten wir, von der Lehre unserer Kirche durchdrungen, fest und treu, und wenn die Stunde der Gefahr kommt, dann ist der Katholik auf seinem Platze, so gut wie jeder andere, mag er ein deutscher Protestant oder deutscher Israelit sein. Keiner

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