Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449181--53290-2503934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

42. Jahrgang. Erste Anlage zu M 36 des „Israelit". Leitender Artikel. MiM-HW ciliiilif in Htblliita. Etz wird die Leser des „Israelit" mit großer Befriedigung erfüllen zu erfahren, daß es den Bemühungen des gelehrten Bibliographen Ephraim D e i n a r d aus Newport, dessen Name in den jüdischen Gelehrten- und Buchhändlerkreisen der ganzen Welt durch mannigfachste Publikationen schon längst einen wohlbegründeten Ruf genießt, neuerdings gelungen ist, in fremden Landen werthvolle Schätze der jüdischen Litteratur aufzufinden und zu erwerben. Als ein vorziiglicher Kenner der talmudischen, poetischen, philosophischen und historischen Gesammtlitteratur des Judenthums, begab sich Deinard nach Italien und Nordafrika, und hatte daselbst durch sechs Monate ununterbrochen alle jene größere und kleinere Orte ausgesucht, wo er mit Recht noch viele Druckwerke des jüdischen Schriftthums vermuthen konnte. Bekanntlich ist Italien von jeher das ergiebigste Ouellengebiet für die ältesten Ausgaben jüdischer Werke aller Art gewesen, und es gibt beinahe keinen italenischen Ort, wo nicht große zum Theil sehr berühmt gewesene jüdische Buchdruckereien vorhanden waren. So in Livorno, Reggio, Padova, Mantova, Florenz, Rom, Casale, Pesaro, Ferara, Venedig, Cremona, Sabionetto, Soncino, Ancona, Biterbo u. s. w. Die Ausbeute, die Deinard gemacht hat, ist in der That eine quantitativ und qualitativ gleich große und werthvolle geworden. Bücher, die bis an die erste Periode nach der Erfindung des Buchdruckes zurückreichen, seltene Pergament-Manuskripte von mehr als sechshundertjährigem Alter, Dokumente, Jncunnabeln, Skripta und Werke der Editio princeps hat Deinard aus dem Schutt kängstvergangener Zeiten hervorgezogen und vor dem gänzlichen Untergange gerettet. Heute liegt nun die Menge der durch ihn zu Stande gebrachten Werke wohlgeborgen lind gesammelt vor, und die Gelelwtenwelt wird im Namen der jüdischen Bibliographie dem unermüdlichen Eifer dieses ihrem Dienste sich so völlig hingebenden Mannes nur einstimmigen Dank und Anerkennung zollen müssen. Der Katalog zählt mehr als 1170 Nummern und enthält zunächst viele Biicher, die aus dem Nachlasse des verstorbenen Pros. David K au f m a n n herrühren. Dieselben waren ursprünglich mit der Mortara'schen Bibliothek nach Ferrara gekommen, von wo i sie Deinard aus dem Besitze des Rabbiners Prof. Jare! hierher geholt hat. Es sind aber in denselben Katalog auch noch die meisten jener Bücher ausgenommen, die Deinard an Ort und Stelle in Italien und in Tunis selbst erworben hat. Wir können uns hier auf die vollständige Wiedergabe des umfangreichen Verzeichnisses nicht einlassen und verweisen aus den durch Herrn Deinard selbst iWien, II. Rembrandtstr. 30) erhältlichen Katalog. Beispielsweise erwähnen wir nur weniges: Das in schöner O.uadratschrist vorhandene Manuskript „Schir haschirim l'Salomo di Rossi" (min „Ha-Edomim") „über Gesang und Musik beim Gottesdienste," zu welcher Arbeit die hervorragendsten Rabbiner jener Zeit, darunter auch „Elia di Modena," ihre Approbationen gaben. Ein historisch merkwürdiges Pergament-Dokument der Juden Ancona's vom Jahre 1636, die Bittschrift an den Papst enthaltend, sie gegen die Uebergrisfe der Beamten zu schützen. Merkwürdigerweise hat Stern in seinem Dokumenten-Verzeichniß von diesem seltenen Schriftstück nichts gewußt. Unter dem Titel „Maasse Nissim" ist eine geschichtliche Darstellung der zur Zeit der Kriege Napoleons in Italien gegen die Juden ausgebrochenen Verleumdungen und Anschuldigungen gegeben und deren Schutz und Rettung durch Napoleon geschildert, der die Juden Anconas zu Richtern und Beamten beförderte. Gleich interessant ist das „Statutenbuch der jüdischen Gemeinde in Padova" auf Peraamentquart, das die Namen der während dreihundert Jahren berühmt gewesenen ersten Capazitäten und gelehrten Männer umfaßt. Sehr viele, höchst wertbvolle Manustripte enthalten religiöse Streitschriften und Kritiken über das Ehristenthum, darunter das von „Sckem tob ben Schem tob," welcher das Evangelium Mattheus in's Hebräische übersetzte, mit einer jedes Kapitel begleitenden Disputation. Der Verfasser bindet die Uebersetzung seines Werkes ausdrücklich an die Bedingung einer gleichzeitigen Uebersetzung seiner Kritiken. Derartiger Streitschriften besitzt Deinard ungefähr zwanzig. Für die Paläographie und Geschichte der Schrift wichtig sind ferner Thora- und Megilloth-Rollen auf dickem, schwarzen Leder, von ungefähr 600jäbrigem Alter; die Buchstaben des einen Sefer-Thora stnd ungewöhnlich langgezogen. Ein altes Manuskript unter dem Titel „Debasch ve-Cha labh" enthält einige Bücher der Apokryphen in reines Hebräisch übersetzt, nebst einer Kritik. Unbekannt bis beute ist ferner „Sefer Elijahu s. l." gewesen, worüber nur sehr vage Hypothesen aufgestellt wurden. Nickt unerwähnt darf auch die aus dem 16. Jahrhundert stammende Handschrift eines „Jkarim" bleiben, mit dem vollständigen Abschnitt 26, den die Censvr aus der Soncino-Ausgabe vom Jahre 1486, bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.