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Der Israelit · 1901-05-09 · Heft 36 (9.5.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 36 (9.5.1901)
Date
1901-05-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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817 Segen der Schule und der Kultusgemeinde wirken zu können. mim I. H. in M. Labifchin, 6. Mai. Vor einigen Tagen feierte der erste Lehrer an der jüdischen Schule, Herr Jakobs o b n , sein 25jähriges Amtsjubiläum Vom jüdischen Schulvorstande wurde ihm ein silberner Pokal als Jubiläumsgeschenk überreicht. Auch der hiesige freie Lehrerverein ließ dem Jubilar ein Angebinde überreichen. vermischtes Aus Böhmen. DieMonatsschrift. „Jüdische Chronik", herausgcgeben von RabbinerDr. Adolf tturrein, Teplitz, hat ih:- Erscheinen eingestellt. Als Ursache gibt der Herausgeber den Mangel einer geschäftlichen Hilfe an. Feuilleton. Wine gebildete Mrau. Von 'Ncrbette Ivred. 12j In ihr Schlafzimmer gekommen, begannen Gundel und Elise ein eifriges Gespräch, das nicht so den Eindruck, den Wien auf sie gemacht hatte, behandelte, als vielmehr ihre Gastgeber und die Aufnahme, welche sie bei ihnen gefunden. Elise beklagte sich über die Hausfrau. „Weißt Du, liebe Tante, diese Frau Margreth' kömmt mir so vor, als hätte sie das lange Lineal, womit Du Dir den Katalog registrirst, verschluckt und sie sich deßhalb nicht umbiegen könne." ,,Du Spötterin," rügte Gundel, „laß die Frau Barta nur hübsch sein: sie ist die einzige in der Familie, welche aufrichtig und wahrhaft so spricht, wie sie denkt, nämlich herzlich wenig. Die Andern aber sind falsch, das sieht man auf den ersten Blick. Mit meinem Vetter, dem Anton, ist eine sehr nachtheilige Veränderung vorgegangen. Die Großstadt hat ihn ganz verdorben. Sein schlichter Brief mit der naiven Renommage hatte mir damals so gut gefallen und schien mir das Zeichen eines einfachen, biederen Charakters zu sein, aber jetzt sehe ich, daß all' dies nur schlaue Berechnung gewesen ist. Zu welchem Zwecke, das ist mir noch nicht klar geworden, aber ich muß während meiner kurzen Anwesenheit im Hause die Augen recht offen behalten." „Kurze Anwesenheit?" unterbrach sie Elise; „wir haben ja so viel zu sehen, und Du versprachst mir ja, recht lange in Wien bleiben zu wollen." „In Wien wohl, mein Kind, aber hier im Hause nicht. Wir werden eben unter irgend einem Vorwände in einem Hotel Wohnung nehmen." Hatte die Aufnahme, welche die Damen im Bartaschen Hause gefunden, diesen eine Enttäuschung bereitet, so war die Enttäuschung, welche ste selber dem Fabrikanten bereiteten, eine viel größere. Daß seine kluge Muhme so ein Madel von der Gasse aufgelesen und als eigen angenommen hatte, drohte feine Absicht zu vereiteln. Viel war keinesfalls aus ihr herauszuziehen, und das Wenige noch fraglich. Doch versuchen wollte er's, und indeffen soll der Poldi dem Dirndl Süßholz vorrasveln, io wird doch was zu erlangen sein. In der Früh nahm er eine Loge zur Abendvorstellung in'S Karltheater. Nach dem Gabelfrühstück fuhren die beiden Herren mit den Gästen in die Ausstellung, und unterwegs waren sie bemüht, den ihr Erstaunen nicht verleugnenden Damen die Herrlichkeiten der großen Kaiserstadt zu zeigen. „'S gibt nur a Kaiserstadt, 'S gibt nur a Wien," war der Refrain des Lobliedes, das Poldi in leicht begreiflichem Lokalpatriotismus zu Ehren seiner Vaterstadt anstimmte. Den ersten Ausstellungstag wollten die Damen in der Kunsthalle zubringen, doch gaben sie dem Rathe ihrer Führer nach, vorerst eine allgemeine Uebersicht des Ganzen zu gewinnen, und erst beim zweiten und den folgenden Besuchen Spezielles in Augenschein zu nehmen. Als sie gegen Abend nach Hause kamen, um Toilette zum Theaterbesuch zu machen, mußten sie sich sehr beeilen, um rechtzeitig fertig zu sein. Ein Fiaker hielt vor dem Hause, um sie binzufahren. „Warum solche Auslagen?" rügte die wirthschaftliche Lehrerin. „Ist denn keine Tramwayverbindung mit dem Theater?" „Pah," meinte Barta lachend, „wer wird so knausern. man hat nit alle Tag so rare Gäst', wie Ihr seid!" Elise sowie auch die ernste Gundel waren von der Vorstellung ganz hingerissen. Das Komikertrio hatte wirklich Unglaubliches geleistet und die Maschinerie so gut geklappt, daß man in Wirklichkeit die Ausrüstung eines in See gehenden Schiffes vor sich zu sehen vermeinte. Poldi wurde ganz stolz über das eingeheimste Lob, welches seinem guten Geschmack galt. Er hatte eS ja bisher selber nicht gewußt, daß er von dem Theaterwesen so viel verstehe. Sich ganz dem Eindrücke überlastend, den die Vorstellung auf Elise hervorrief, war es ihr nicht eingefallen, auf das übrige Publikum zu achten, oder einen Blick in das Parterre und andere Logen zu lverfen. Sie hätte sonst bemerken wüsten, wie in einer ihr schräg gegenüberliegenden Loge mehrere Herren saßen, welche unausgesetzt ihre Operngucker nach ihr richteten. Da nicht anzunehmen war, daß die Mitinsaffen dieser Loge, die alternde Tante oder die beiden Herren diese Aufmerksamkeit eregten, so mußte die Aufmerksamkeit dieser Herren, allem Anschein« nach Stu-

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