Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1901)
- Date
- 1901-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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814 (Gewerbeschulen, Baugewerbeschule, Kunstgewerbeschule, technische Hochschule) nicht oder nur in unzureichendem Maße gewähren. Die Errichtung von Lehrlingshorten, Mädchenheimen, Haushaltungsschulen u. dergl. konnte bis jetzt nicht ernstlich in's Auge gefaßt werden. Sodann ist für die Förderung des Zuganges unserer Glaubensgenosten zur Bodenkultur, obgleich einzelne Zweige derselben (z. B. Garten- und Obstbau. Futterbau in Verbindung mit Viehzüchterei) bei moderner Betriebsweise besonderen Erfolg versprechen, bei uns noch wenig geschehen. Des weiteren nimmt der Aufruf eine zweckmäßige Zentralisation der Armenfürsorge in Aussicht, „beson^rs wäre (durch die Errichtung von Arbeitsnachweis-Bureaus, Arbeitsstätten u. dergl.) aus möglichste Beseitigung des verderblichen und nach jeder Richtung entsittlichenden Wanderbettels — auch wenn derselbe im Gewände des Hausiererthums erscheint --im Zusammenwirken mit den in anderen Theilen Deutschlands dem gleichen Ziele zustrebenden Vereinigungen hinzuarbeiten." Vorerst gilt es, die nöthigen Geldmittel zu beschaffen, und es wird von vornherein darauf hingewiesen, daß nur große Geldsummen hier Abhilfe und Ruhen bringen können, und daß es sich um eine Organisation handelt, die nicht von heute auf morgen in's Leben treten könne: „Erst sehen, dann zahlen." Der Aufruf svricht die Hoffnung aus, daß jeder Israelit in Baden Mitglied des Landesverbandes werde, und fordert zunächst zur Zeichnung einmaliger Beiträge für den Grundfonds auf. Königsdorff-Jaftrzemb, 2. Mai. (Israel. K i n d e r h e i l st ä t t e.) Die in dem Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete „Jsr. Kinderheilstätte" soll nunmehr am 16. Mai d. I. zum zwölften Male eröffnet werden. Diese Anstalt, die sich in weiten Kreisen des besten Rufes erfreut, zeichnet sich durch ihre Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt; ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Verhältnisten bemestenen Satz Aufnahme finden. In der verflostenen Saison 1900 hat die Anstalt 106 Kinder in liebevoller Weise beherbergt. Das segensreiche Werk wird durch milde Beiträge erhalten, und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ertheilt gern der Vorsitzende der Anstalt, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. Strastburg (Elsaß), 0. Mai. Es wurde bisher hier angenommen, daß Prof. Sackur, der vor einigen Wochen freiwillig aus dem Leben schied, durch Furcht vor Erblindung — er war von einem Augenleiden befallen worden — zur Selbsivernichtung veranlaßt worden sei. Die „Frkf. Ztg." fügt hinzu, daß Sackur schon seit vielen Jahren mit Schwermuthsanfällen zu kämpfen gehabt, die namentlich im vorigen Jahre schon einmal eine Katastrophe befürchten ließen. Dazu seien verschiedene schwere Kränkungen gekommen, die der Verstorbene erfahren habe. Professor Nödelke habe als Dekan der Universität am Grabe von „jämmerlichen Vorurtheilen" gesprochen, unter denen Sackur zu leiden hatte. Sackur, der zweifellos einer der hervorragendsten unter den jüngeren Historikern gewesen, sei trotzdem vom preußischen Kultusministerium, als er von der Universität Halle an erster Stelle für eine Professur vorgeschlagen wurde, schroff abgelehnt worden, offenbar nur, weil er früher, bis vor einigen Jahren, Jude gewesen sei. Das Taufen, die Verleugnung des einzigeinen Gottes um des Avancements willen, nützte also nichts. O e si e r r. - U n g. Monarchie. Wien. Eines der hervorragendsten Mitglieder der türkisch-israelitischen Gemeinde hier ist am 16. v. Monats, nach längerer Krankheit, im 60. Lebensjahre verschieden. Herr Heinrich M. Elias, Mitchef des in weitesten Kreisen bekannten Großhandlungshauses A. H. Elias, Verwaltungsrath mehrerer Institute, war durch sein liebenswürdiges Wesen, durch seinen seltenen Eharakter und seinen vielbethätigten Wohlthätigkeits- . sinn eine allgemein geachtete und verehrte Persönlichkeit. Die türkisch-israelitische Gemeinde verliert an dem Dahingeschiedenen einen warmen Förderer. Die Familie A. H. Elias hält noch strenge an den alten Sitten und Gebräuchen der jüdischen Religion. Der frühere Senior des Hanfes, Herr Menachem H. Elias s. A., welcher vor ca. zehn Jahren im hohen Alter gestorben ist, machte viele namhafte großherzige Stiftungen und widmete ein Haus, in welchem die Beamten der Gemeinde unentgeltliche Wohnungen haben. Ferner gründete er ein Beth-Hamidrasch und ließ Wohnungen einrichten für fremde, zugereiste, orientalische Israeliten. Das Leichenbegängniß des Verschiedenen gestaltete sich zu einer allgemeinen Trauerkundgebung. Schweiz. DavoS-Torf, Ende April. Aus Homburg v. d. H. gelangt zu uns eine erschütternde Kunde, die sicherlich nicht verfehlen wird, in vielen jüdischen Kreisen die tiefste Trauer hervorzurusen. Frau Bertha A p e l t, geb. Jakobsohn, Gattin des Herrn M. Apelt, Chefs der Firma D. H. Apelt u. Sohn in Halle a. d. S., ist am 4. d. M. nach langem Leiden in Homburg v. d. H., wohin sie sich nach einem kurzen Aufenthalt im hiesigen israelitischen Sanatorium begeben hat, verschieden. Wer die Ehre hatte, zu dem Bekanntenkreise der Verblichenen zu gehören, wird wohl wissen, welchen Verlust für das orthodoxe Judenthum der Tod derselben involvirt. An der Gründung von orthodoxen Institutionen in Halle und an zahlreichen, edlen und wohltätigen Werken, die der Firma Apelt zum ewigen