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Der Israelit · 1901-05-06 · Heft 35 (6.5.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 35 (6.5.1901)
Date
1901-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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804 'Ans Baden. Von Herrn Bezirksrabbiner Dr. S ch l e ß i n g e r in Breiten, der sich aus dem Gebiete der Kanzelberedsamkeit erhebliche Verdienste erworben hot und dessen 28 Festpredigten weite Verbreitung gesunden haben, ill eine neue Sammlung von homiletischen Vorträgen unter der Presse, welche durch die Buchhandlungen bald beziehbar sein wird. Die Sammlung wird außer den Sabbatpredigten mehrere für Bestach, Schobuot, zehn Sukkotvorträge, für 7^' r:rz ,r* rrm und rr etc. enthalten. Sehr zu begrüßen sind die Vorträge für r'zz mz für Kaisers- und Groß Herzogs-Geburtstage, für die die Litteratur nur wenige aufzuweisen hat. Wir haben von einigen gedruckten Bogen Einsicht genommen und können dadurch bezeugen, daß der Inhalt auf acht jüdischer Basis beruht. Bibel, Talmud, Midrasch und religiöse Philosophie sind Hauptmomente der Vorträge. Möchten die Predigten weitere Verbreitung finden. H. Mosenbcrg, 3. Mai. Vor der Strafkammer hatte iich vor einigen Tagen der Kultusbeamte Lewithan aus Riesenburg zu verantworten, der beschuldigt war, dadurch öffentliches Aergerpiß erregt zu haben, daß er bei seinen Amtshandlungen, insbesondere bei Begräbnissen, einen Talar trug, der in Schnitt und Aussehen dem eines evangelischen Pfarrers ähnlich war. Er war deßhalb in eine Polizeistrase genommen worden, gegen die er jedoch Widerspruch erhoben hatte. Das Schöffengericht zu Riesenburg hatte ihn freigesprochcn, doch batte die Amtsanwaltschaft gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfung der Berufung. In der Urtheilsbegrllndung wurde hervorgehoben, daß Geistliche als Beamte im Sinne des Gesetzes nicht angesehen werden können, und daß mithin bei ihnen von einer Amtstracht im gesetzlichen Sinnenicht gesprochen werden kann. Aus einer königlichen Verordnung vom 23. November 1864 geht hervor, daß von den evangelischen Geistlichen ein Talar mit Stehkragen getragen werden soll. Wie jedoch ein als Zeuge vorgeladener evangelischer Pfarrer bekundete, wird von den meisten evangelischen Geistlichen der Provinz ein Talar mit Klappkragen getragen. Es könne somit dem Angeklagten nicht der Vorwurf gemacht werden, daß er absichtlich einen Talar getragen habe, der dem des evangelischen Geistlichen ähnlich sehe. Auch bekundete der Angeklagte, daß er den Talar nicht etwa aus einem Geschäfte als den eines evangelischen Geistlichen gekauft habe, sondern daß der Talar nach einem besonderen Muster gearbeitet sei. Wie aus einigen vorgelegten Photogravbien ersichtlich ist, wird über dem Talar noch ein Gebetsmantel getragen. Wenn auch das Barett mit dem eines evangelischen Geistlichen übereinstimmt, so fehlen doch an dem Talar wiederum als charakteristisches Merkmal die sogenannten Bäffchen. Aus den angeführten Gründen kam der Gerichtshof zu der Ueberzeugung, daß eine Verwechslung der beiden Amtstrachten wobl ausgeschlossen ist. Der Staatsanwalt selbst kam zu oer Ueberzeugung, daß das Gericht nach Lage der Sache zur Freisprechung kommen müsse. Die Sache ist natürlich von prinzipieller Bedeutung. Delle r r. - U n g. M o n a r ch i e. Kascha«. Der hiesige Bischof, Sigmund von Bubics, feierte vor .Kurzem seinen 80. Geburtstag. Unter den zahlreichen Glückwünschen, welche dem greisen Kirchenfürsten aus diesem Anlasse zukamen, befand sich auch ein Gratulationsschreiben der Kaschauer Judengemellide. Der Bischof beantwortete dasselbe mit folgenden bemerkenswerthen Ausführungen: „Ich that nichts anderes, als daß ich, so weit es in ineiner Macht lag, mich treulich bestrebt habe, meine Million zu erfüllen. Zu derselben gehört auch die Pflege der Liebe und Toleranz auch denjenigen gegenüber, die Gott, unseren gemeinsamen Vater und Beschützer, in anderer Weise verehren, als wir. Ich achte daher auch Ihre religiöse Ueberzeugung, denn es ist nicht nothwendig, erst zu betonen, daß der mosaische Glaube, der sich durch seine Reinheit vor allen Religionen des Alterthums auszeichnet, als der von Gott und Seinen Propheten verkündete Glaube das Vorbild und der Vorgänger unseres Glaubens war, den Gott gelehrt und verkündet hat. Die Heiligen des alten Testamentes und ja auch die unserigen, und die Propheten des Alten Testamentes sind auch unsere Propheten. Wenn auch mit dem Abschlüsse des alten Bundes unsere Wege auseinandergehen, so wird uns das nicht daran hindern, daß die brüderliche Liebe, die Liebe der Kinder Gottes, uns gegenseitig beseelt." England. London. (Die Fremden von East- London.) Anläßlich der am 31. März in ganz England stattgehabten Volkszählung hat Sir Walter Besant unter dem Titel „East London" ein aus einer Reihe von Skizzen bestehendes Buch veröffentlicht, in dem auch den eingewanderten Juden ein Kapitel gewidmct ist. Das hochherzige England hat schon öfter seine gastlichen Thore den verfolgten Fremden geöffnet. So den Hugenotten, den vertriebenen Protestanten aus der Pfalz im Jahre 1709, den französischen Emigranten während der großen Revolution, den fliehenden Polen nach der Niederwerfung des Aufstandes im Jahre 1831, und endlich auch den Juden, welche vor der unmenschlichen Verfolgung einer bornirten und despotischen Regierung geflohen sind. Während jedoch alle anderen Einwanderer in dem neuen Vaterland die Traditionen ihrer früheren Heimath für Generationen hindurch aufrecht zu erhalten gesucht haben, während die französische Fronde in London gegen Frankreich konspirirt und England in internationale Verwickelungen gestürzt hat, während endlich die polnischen Schlachziz in England als Schnorrer gelebt und auf die Mildthätigkeit der

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