Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 35 (6.5.1901)
- Date
- 1901-05-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42. Jahrgang. Aeikage zu M 35 des „Israelit". Literarisches. Direktor Dr. Mendel Hirsch. Gedächtnisrede bei der Trauerfeier in der Aula der Realschule der Israelit. Religionsgesellschaft am Mai 1900, gehalten von Oberlehrer Adolf W e y l. Frankfurt a. M. Verlag von A. I. H c f m a n n 1901. Var Jahresfrist gerade war es, als ich Ihnen von der -^hebenden Trauerfeier berichtete, die die Schulgemeinde der israelitischen Religionsgesellschaft um ihren Heimgegangenen, unvergeßlichen Direktor Dr. Rien^el Hirsch s. A. veranstaltete. Damals sprach ich nm Ende meines Referates, in welchem ich in Kürze auf die herrliche, inhaltlich und formell in gleicher Weise hervorragende Gedächtnißrede des Herrn Oberlehrer A. Wevl, eines Rhetorikers ersten Ranges, hinwies, den Wunsch anses möchte diese wahrhaft oratorische Leistung einem weiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Heute möchte ich — ich glaube damit im Namen eines großen Kreises zu sprechen — Herrn Oberlehrer Wevl, der sich, auf vielfache Anregung hin, endlich doch noch zur Drucklegung derselben entschlossen hat. herzlichen Dank abstatten, gleichzeitig aber auch alle diefenigen, welche ein völlig objektiv gehaltenes Lebensbild von Mendel Hirsch, dem „großen Sohne eines großen Raters," gewinnen wollen, auf die Broschüre Hinweisen. Letzt-we ist keine wörtlich schriftliche Firicung jener oben erwähnten Gedächtnißrede; diese hat vielmehr in manchen Punkten eine wesentliche Umänderung, beziehungsw. Erweiterung erfahren. So. ist namentlich der Studiengang des großen, an Erfolgen reich aestgueteu Schulmannes genau skizzirt. Wir erfahren. daß derselbe 1861 das akademische Gymnasium zu Hamburg mit Zeugnissen „rühmender Anerkennung feine3 Fleißes, seiner Kenntnisse und seines wissenschastlichen Eifers" absolvierte, daß der „ehrwürdige und kenntnißreiche, nunmehr 90jährige Hamburger Stistsrabbiner Lob Adler, ein Mann von vielseitiger Gelehrsamkeit und gründlichem talmudischem Wissen," noch viele Jahrzehnte später dem Redner gegenüber Mendel Hirsch's „reiches und eindringendes Verständniß für die talmn.dischen Diseiplinen gerühmt, daß des Jünalings Brust aber, bei aller Begeisterung für die jüdische Gottesgellbrsamkeit, von dem Gedanken erfüllt;var, lstb das Lehrfach für den künftigen Beruf zu wählen. Aus der Thatsache. daß sich Hirsch auf der Universität schon mit einer ungewöhnlich großen Reihe von Disziplinen eingehendst beschäftigte, wird der ebent so richtige wie interessante Schluß gezogen, daß der mit ' hervorragenden Geistesgaben ausgestattete Mann schon als Jüngling von jener seltenen Begeisterung erfüllt war, die ihn, der als „echter und rechter Hohepriester wirkte," in seinem späteren Berufe ganz durchglühte. Ron seinen Bonner und Berliner Lehrern werden uns gefeierte Namen: die Philosophen Brandis, Bernays, „der glaubenstreue Sohn des früheren Hamburger Oberrabbiners," der Aristoteliker Trendlenburg, der berühmte Psychologe Beneke, der große Philologe und Altertbumsforscher Boeckh und der Begründer der neuen historischen Forschungsmethode, Leopold v. Ranke, genant. So hat sich beispielsweise Mendel Hirsch, wie aus einem höchst anerkennenswerthen Zeugnisse Thilos, des Schwiegersohnes von Diesterweg, hervorgeht, eifrig bemüht, an dem jenen: unterstellten königlichen Seminar >ür Stadtschulen in Berlin pädagogisch und didaktisch auszubildeu, und besonders auch dem Unterrichte Thilos in Pädagogik und Methodik beigewohnt; bei Strauß hat er ein Kolleg über Homiletik gehört. Daß er auch auf der Hochschule die talmudischen Studien nicht brach liegen ließ, folgert der Berfasser aus der Thatsache, daß ihm am 19. Adar II 6619 (März 1869) sein Rater, und im darauffolgenden Monat Rabbi Gerschon Ascher, Rabbiner in Prenzlau, seine Fähigkeiten rind Kenntnisse rühmende Rabbinatsdiplome ausstellten. Es hieße die ganze, ziemlich umfangreiche Broschüre wiedergeben, wollte ich alle die höchst ansprechenden Stellen herausgreifen, an denen diese Biographie so reich ist. Auch die äußere Ausstattung derselben, die im Hofmann'schen Verlage zu Frankfurt a. M. erschienen und für 69 Pfg. käuflich ist, läßt nichts zu wänstben übrig. Möchten nie Gebildeten unseres Volkes, namentlich die Lehrer und alle die, welche für Schule und Erziehung Interesse haben, nicht versäumen, das Merkchen ihrer Bibliothek einzuverleiben; die Lektüre desselben wird ihnen reiche Befriedigung gewähren. Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Dortmund. Der hiesigen jüdischen Schulgemeinde gehören 2180 Seelen an, die Zahl der Hausväter ist 907, die der Schulkinder 166, die Zugehörigen besaßen 91 Häilser. An der Schule sind vier Lehrer und eine Hülfshandarbeitslehrerin thätig. Die Ausgabe an Gehältern beträgt 7980 Ml., zur Ruhegehaltskasse etc. sind 8898 Mk. beizutragen; zu Bauzwecken sind 9079 Marken den Etat eingestellt, der mit 24;100 MW abschließt.