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Der Israelit · 1901-05-06 · Heft 35 (6.5.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 35 (6.5.1901)
Date
1901-05-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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WW mm mm 800 Gouverneur zu reklamiren. Bei vielen jüdischen Vokabeln, welche im Frantenviertel und am Kai wohnen, wurden die Fenster eingeschlagen. Die Polizei hat viele Verhaftungen vorgenommen, zumeist Fleischhauergesellen und sonst verdächtige Bursche. Da gelang es Mittags der Polizei, den Jungen in Gesellschaft eines seiner Freunde in einem Vororte ausfindig zu machen. Er gab an, nach einem Streite mit seinem Bruder den Entschluß gefaßt zu haben, sieb einige vergnügte Tage zu bereiten. Die Mutter, die davon Kenntniß hatte, verschwieg dies und streute das Gerücht aus, die Juden hätten ihr Kind umgebracht. Man schätzte die Zahl der angesammelt gewesenen Menge, welche beschlossen hatte, das Judenviertel zu. stürmen, auf 10,000. Sprechsaal. Zu dem Aufsatze: „Antisemitische Stimmen aus dem klastischen Alterthum," von Rabbiner Dr. Beermann, seien folgende Bemerkungen gestattet: 1) Juvenal VI 611 ff. beziehen sich nicht auf die Juden, sondern auf den Kultus der Bellona und der Göttermutter, deren Priester Selbstverstümmelungen Vornahmen. 2) Eine zusagende Erklärung für die Entstehung der Beschuldigung, daß die Juden in ihrem Tempel einen Esel verehrten, hat Grätz vor vielen Jahren in einem Aussatze der Frankel'schen Monatsschrift gegeben. Das griechische Wort ovo§(Esel) hat auch die Bedeutung „Träger", und man bezeichnete damit den Stein, aus dem die Bundeslade stand. Da diese im zweiten Tempel fehlte und nur jener Stein im Allerheiligsten zurückgeblieben war, so wurde das Wort ovog falsch verstanden und in seiner Hauptbedeutung genommen. Tacitus gibt nur eine ätiologische Erklärung in judenfeindlichem Sinne. 8) Daß man im Alterthum glaubte, der Sabbat sei ein Fasttag, findet seinen Grund darin, daß die Juden an diesem Tage nicht kochen dürfen. 4) Horaz nannte, wie alle Römer, jede fremde Religion 8Up6v8titiv. ein Wort, das sich durchaus nicht mit unserem deutschen „Aberglauben" deckt. B. (Ferienkurs.) Die Ausführungen meines Freundes Rosenwald (in Rr. 33 des „Jsr.") kann man im Großen und Ganzen unterschreiben. Daher will ich mich nur zu zwei Punkten seines Artikels äußern. Rach meiner Ansicht sind die Monate September und Oktober für die Abhaltung des Kurses schlecht geeignet. Denn nachdem für dessen Anberaumung lediglich die maßgebend sein sollen, wird er gar manchmal in das Ende oder den Anfang des Schul- " Wahres-verlegt werden müssen^ In. beiden Fällen dürfte für den Elementarlehrer nur schwer ein Urlaub zu erlangen sein. Wichtiger scheint mir indeß der Umstand, daß der Kurs in der „Hochsaison" der Schochtim stattfinden würde. So leicht, wie sich's Herr R. denkt, dürste denn doch kein Gemeindegewaltiger seinem Beamten gerade für diese Periode eine mehrwöchentliche Abwesenheit gestatten. sWehe ihm sonst -- dem Gewaltigen nämlich — wenn am Sabbat der Frauenverein seine Sitzung abhält!) Ganz abgesehen ferner davon, daß dadurch den Stadtschullehrern die Betheiligung mindestens sehr erschwert wird. Daher halte ich die Ernteferien für die Abhaltung des Kurses am besten geeignet. Sie bedeuten für die Religionslehrer und Schochtim, die in Folge ihres Prozentsatzes unbedingt in erster Linie in Betracht zu ziehen sind, eine stille Zeit. Die Stadtschulen haben in der Regel bereits geschlossen und auch den Elementarlehrern ist in ihrer Mehrzahl ein Abkommen möglich. Zur finanziellen Sicherung der Kurse sollte meines Erachtens ein selbstständiger Fond geschaffen werden; sie darf keine „Filiale" eines Vereins bilden. Die Ferienkurse stellen eine derartige Nothwendigkeit dar, ihr Zweck ist ein so edler, so sehr das jüd. Allgemeinwohl bedingender, daß ste sich sicherlich allen gemeinnützigen Einrichtungen anreihen dürfen. Sollten nicht verschiedene größere Vereinigungen in der Lage sein, das Zustandekommen derselben für die erste Zeit zu ermöglichen^ Hei mann, Hof. Feuilleton. ui ine gebildete Wrau Von Mcrbelte Irreü. ♦ Auch im Fischer'schen Hause hatte sich in den letzten Jahren ein wohlthäiiger Umschwung vollzogen. Der dem Ehepaar von der Lehrerin zur Verfügung gestellte Geldbetrag hatte nicht nur die drückende Schuldenlall des Meisters vollständig getilgt, sondern auch bingereicht, das Geschäftchen zu heben und zu stärken, so daß sein Ertrag!veit bedeutender wurde, als ehedem. Auch der Einfluß des humanen Pfarrers, welcher den keinen Unterschied des Glaubens und der Nationalität kennenden Wohlthätigkeitssinn des Fischerschen Ehepaares achtete, hatte dem Unternehmen dadurch eine Einnahme zugeführt, daß er in seiner Eigenschaft als Katechet veranlaßt, daß sowohl das Lehrpersonal, als auch die Schüler der städtischen Institute ihren Bedarf an Schreibmaterialien und Büchern daselbst deckren. So kam es, daß FischeEs Kräfte sich dem immer aufstrebenden Geschäfte als unzulänglich erwiesen und er zur Aushilfe und zur Buchführung seinen Sohn

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