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Der Israelit · 1901-05-06 · Heft 35 (6.5.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 35 (6.5.1901)
Date
1901-05-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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799 günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lasten, ohne durch ihren Dank an die türkische Regierung den Ländern, welche sich so hoch erhaben über der Türkei dünken, zu zeigen, wie schnell und energisch in der „wilden Türkei" eine Blutbeschuldigung unterdrückt werde. Der Antrag stieß jedoch auf unerwarteten Widerstand, da einige Herren nicht genau wußten, was die Antisemiten dazu sagen werden. Die Majorität der Versammlung war jedoch der Ansicht, daß man nie genau wissen könne, was die Herren Antisemiten zu irgend einem jüdischen Beschlüsse sagen werden, und daß die Antisemiten bei ihrem Treiben niemals danach fragen, was wohl die Juden dazu sagen werden. Der Antrag Dr. Gaster's wurde daher gegen eine Minorität von zwei Stimmen mit der Beschränkung angenommen, daß das Dankesvotum nicht der türkischen Regierung übermittelt, sondern nur zu Protokoll genommen und außerdem in der „Jewish Chronicle" veröffentlicht werde. Wilna. (Kassation des Urtheils gegen Blond es.) Gegen das nach siebentägiger Verhandlung gegen den Perrückenmacher Blondes am 1. Januar dieses Jahres gefällte Urtheil wurde bekanntlich sowohl von Seiten der Staatsanwaltschaft, als namentlich auch von der Verteidigung, beim Senat Berufung eingelegt. Der Senat, welcher diese Angelegenheit nunmehr berathen hat, beschloß, das Urtheil zu verwerfen und die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung an den Gerichtshof von Wilna zu verweisen. Die Aufhebung des Urtheils erfolgte' hauptsächlich in Rücksicht aus die von der Vertheidigung vorgcbrachten Gründe. Die nähere Begründung der Senatsentscheidung wird in den nächsten Tagen bekannt gemacht. T. Odessa. Seit einiger Zeit wenden die hiesigen untergeordneten Polizeiorgane einen neuen Tric an, um die Juden gründlich zu chikaniren. Juden, welche in Petersburg, Kiew, Moskau und sonstigen Plätzen des weiten Czarenreiches, wo dem gewöhnlichen Juden der Eintritt verboten ist, sich kurze Zeit aufgehalten haben, werden nämlich seit einigen Monaten nach ihrer Rückkehr in Odessa deßwegen vor Gericht gestellt. Run eristirt aber im russischen Gesetze nirgends die Bestimmung, welche den Aufenthalt von Juden außerhalb des Ansiedelungsrapons „unter Strafe stellt." Es ist eben Sache der Polizei, solche Juden, welche sich an einem ihnen verbotenen Platze aufhalten wollen, auszuweisen, der Versuch selbst ist aber nicht strafbar. Nichts destoweniger läßt die Odessaer Polizei solche Juden unter Anklage stellen, und der gefällige Odessaer Friedensrichter. vor den die in Rußland hochmögende Polizei die jüdischen Uebelthäter stellt, ist stets so freundlich, die Angeklagten zu kleinen Geldstrafen von 1—10 Rubel zu verurtheilen. Es wäre hohe Zeit, daß die Berurtheilten an den Senat appelliren, damit dieser höchste russische Gerichtshof der Odessaer Polizei endlich das : Handwerk legt. T. j Mscbiniew. (I u d e n k r a w a l l.) Trotz der in Südrußland herrschenden Hungersnoth, welche ohne Unterschied der Konfession Christen und Juden mit gleicher Wucht trifft, hat der Pöbel in Kischiniew am ersten russischen Ostertag sich nicht versagen können, einen kleinen „Judenkrawall" zu veranstalten. Der niedrige christliche Pöbel, welcher an diesem Tage durch starken Zuzug von Bauern aus den umliegenden Dör- I fern ansehnliche Verstärkung erhielt, versammelte sich in; den Vorstädten, kaufte sich Schnaps und zog, nachdem er \ sich voll und toll getrunken, gegen den mitten in der - Stadt belegenen ausschließlich von Juden bewohnten s Neuen Bazar. Die wenigen unterwegs angetroffenen! Polizeikräfte wurden von der trunkenen Menge über den Haufen gerannt und die Juden, die sich blicken! ließen, arg geprügelt. An dem Bazar angelangt, bej gann der Pöbel unter Johlen und Pfeifen sofort die i Fenster einzuwerfen. Gleichzeitig versuchten die Turbulenten, in die von den jüdischen Besitzern inzwischen verbarrikatirten Wohnungen einzudringen. Inzwischen kamen jedoch aus den entlegenen Polizeirevieren berittene Schutzleute herbei, denen es bald gelang, die Menge zu zerstreuen und die Ordnung wieder herzustellen. T. T ü r k e i. Tmhrna. (I u d e n k r a w a l l e.) Es wird berichtet: Am 20. März verbreitete sich hier das Gerücht, daß, ein sechzehnjähriger Grieche, der im Handelshause l'enophonas u. Comp, augestellt und bereits seit mehreren Tagen abgängig war, von den Juden zu rituellen Zwecken gemordet worden sei. Tags darauf begannen überall Massenansammlungen, und von mehreren Seiten wurden an armen Juden verübte Thätlichkeiten gemeldet. Dank dem energischen Eingreifen des General- Gouverneurs Kiamil Pascha und des Polizei-Präsidenten wurde ein Ueberfall des Judenviertels seitens der griechischen Elemente verhindert. Das griechische und das Judenviertel wurden militärisch besetzt, starke Militärpatrouillen unter Anführung von Polizei-Kommissären durchstreiften alle Straßen der Stadt, und alle Geschäfte mußten schon Nachmittags geschlossen werden. Am 28. stieg die Aufregung und die Griechen erstürmten die griechische St. Photineekirche, erkletterten den Glockenthurm und begannen Sturm zu läuten. In Folge dessen strömte von allen Seiten bewaffnetes Volk zusammen, und das türkische Militär, welches die ganze Zeit hindurch eine musterhafte Haltung eingenommen hatte, schritt mit aufgepflanztem Bajonnet energisch ein, bei welcher Gelegenheit fünfzehn Griechen verwundet wurden, von denen einer gestorben ist. Die erregte Menge begann gegen den griechischen Erzbischof Drohungen und Schimpfworte auszustoßen, weil er nicht energisch genug gegen die Juden vorgegangen sei, und zwangen ihn, den jungen Mann beim General-

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