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Der Israelit · 1901-05-06 · Heft 35 (6.5.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 35 (6.5.1901)
Date
1901-05-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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798 ben, zunächst aus Hessen, die sich ausbilden wollen und denen die Gelegenheit hierzu in ihren Heimathsorten fehlt, ein Heim zu bieten. Mit zwölf Zöglingen ist die Anstalt eröffnet worden. Von diesen sollen bürgermeister Dr. Ebeling und Stadtverordnetenvorsteher Justizrath Dr. Döring in die Wohnung der Frau Baronin und überreichte ihr den künstlerisch ausgeführten Ehrenbürgerbrief, dessen Ausstattung nachstehend geschildert sei: Die Urkunde ist vom Hoslithographen L. Frenzel auf Pergament gemalt und in Schrift und Ornamentirung im graziösen und farbenprächtigen Stil der Renaissance gehalten. Auf der oberen Hälfte des Blattes, zur linken Seite, erblickt man zunächst, vor einer Marmorbalustrade stehend, die Gestalt der Dessavia, zu ihren Füßen liegend, das blonde Haar mit Schilf umkränzt, eine zweite anmuthige Gestalt, die Mulde darstellend. Rechts von dieser Gruppe ist eine Votivtafel angebracht, auf welcher in pietätvoller und sinniger Weise das alte Stammhaus der Familie in der Kavalierstraße, sowie Namen, Geburts- und Sterbetage des Vaters und Großvaters unserer Ehrenbürgerin angebracht sind. Ein davor liegender Eichenkranz mit rothgelben Schleifen und ein goldener Kandelaber mit lohenden Flammen bilden eine weitere Huldigung für dieselbe. Oberhalb der Votivtafel ist, vom dunkelgrünen Hintergrund einer Voskettwand von Lorbeer und dunklen Rosen sich wirksam abhebend, das freiherrliche Wappen unserer Ehrenbücgerin, gehalten durch eine reizende kleine Engelsgestalt, in subtilster Malerei angebracht. Ueber der Balustrade hinweg in duftiger Persvektive zeigt sich das neue Rathhaus und die Kavalierstraße weit nach Süden bin in die Stadttheile der Fabriken und gewerblichen Etablissements verschwimmend. Ein Fries in leichter gefälliger Ornamentirung, in dem sieben kleine Wappenschilder mit den Emblemen der Künste und Wissenschaften, der Industrie, des Handels und Handwerks angebracht sind, schließt nach oben bin den oberen Theil des Blattes ab. Die zweite untere Hälfte der Urkunde iss für den Text bestimmt und zeigt aus pergamentartig gerollter Flache, durch schwere goldene Schnuren und Quasten verziert, denselben in überaus reich ausgeführter altdeutscher Renaissanceschrist. Der Wortlaut ist: Der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt Desiau beurkundet hiermit, daß Frau Baronin von Cohn-Oppenheim kraft einstimmigen Beschlußes des Gemeinderathes, nach 8? 55 und 58 Rr. P der Gemeindeordnung, in Anerkennung ihrer in wahrhaft großherziger Weise durch Schenkunaen und Stiftungen für die Stadt Dessau bethätigten Liebe zu ihrer Vaterstadt, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Dessau verliehen ist. Unter der Stadt Jnssegel und Unterschrift. Dessau, den 00. April 1001. Der Magistrat der Stadt Dessau Dr. Ernst Ebeling, Oberbürgermeister. Die Mappe, welche in harmonischer Weise das Kunstblatt umschließt und welche aus der K. K. Hofbuchbinderei von Collin in Berlin hervorgegangen ist, wurde aus dunkelrothem Leder mit breit eingelegter, in getriebener Arbeit ausgeführter Bordüre aus dunkelbraunem Leder gefertigt. Das große Mittelschild zeigt, vertieft liegend und umgeben von reichster Ornamentirung, das in Silber gravirte, theilweise vergoldete und farbig ausgelegte Stadtwappen. Roth und goldene Schnüre verbinden die Urkunde mit der Mappe und der daran hängenden Siegelkapsel, in dem sich ein Abdruck unseres ältesten Stadtsiegels befindet, zu einem untrennbaren Ganzen. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Lemberg. Dem Rechenschaftsbericht des Vereins „Chanoch Lanaar" für das Jahr 1900 entnehmen wir: Im Oktober 1899 ins^ribirten sich 91 Schüler; im Mai 1900 SS. Als ziffernmäßiges Resultat der bisherigen Arbeit erscheint die Thatsache, daß im laufenden Wintersemester die zwei höchsten Klassen, von zusammen 20 Schülern, von denen 15 ihre eigentliche Ausbildung der Chanoch lanaar verdanken, im Stande sind, die ganze Bibel im Urtexte mit Verständniß zu lesen, ein leichtes Hebräisch sprechen, neuhebräische Werke zu lesen, einen Ueberblick über die jüdische Geschichte haben und die Fähigkeit besitzen, talmudischem Anfangsunterricht zu folgen. Noch ist die Schule Chanoch lanaar in der Entwickelung, es ist ein weiter und schwieriger Weg, den sie noch zu wandeln hat. Wir sind aber fest überzeugt, daß üe stetig mehr sich als Nothwendigkeit und Vedürsniß im Volke einbürgern wird. Wir bieten der Jugend den alten bekannten Inhalt unserer erhabenen Lehre und die alte, ehrwürdige Sprache unserer Bibel in anderer Gestalt, in einer Form, die unsere Jugend in Schule und Leben lieb gewonnen. Mag aus unserem Schüler nachher werden, was immer: er wird stets die Achtung vor seinen Glaubensgenossen und ihren Heiligthümern bewahren. Und umgekehrt, mag er noch so fromm und gottessürchtig sein ferneres Leben einrichten, er wird stets ein tüchtiger, gediegener, pflichttreuer Diener seines Berufes und ein beliebter Gast in den Salons der Edlen sein. Unsere Schule will den Abfall von religiösen Idealen zu hemmen versuchen, zugleich aber macht sie Propaganda für Verbreitung der Bildung unter unseren Glaubensgenossen. England. London. In der letzten Monatssitzung der „Anglo- Jewish-Assoeiation voin 14. April beantragte Dr. Gasser, die Gesellschaft möge der türkischen Regierung wegen ihres prompten Eingreifens gelegentlich der Judenkrawalle in SmwmcE9 im Namen des englischen Judenthums ihren Dank aussprechen. Die „Anglo- Jewish-Association" — so führte der bekannte Chacham in der Motivirnng seines Antrages aus — darf die •) Stehe,, Korrespondenz Smyrna.

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