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Der Israelit · 1901-05-06 · Heft 35 (6.5.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 35 (6.5.1901)
Date
1901-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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797 handenen Bedürfniß nach Erweiterung der Anstalt durch Errichtung eines Neubaues abzuhelfen und dem starken Anspruch von Kranken aller Stände Genüge zu leisten. Mechernich, 13. Jjar. Die jüngst im „Israelit" gebrachten Artikel „Vorbereitungen für das Peßachfest" habe ich mit großem Interesse gelesen. Der religiöse Verfall, von welchem in der Nummer vom 25. März gesprochen wird, ist schon seit langen Jahren in hiesiger Gegend zu bemerken, ohne daß auch nur ein Mensch den Muth hätte, dagegen zu protestiren, bezw. die Sache zu untersuchen und an's Tageslicht zu bringen. Im Regierungsbezirk Köln hat man zwei große Mazzenbüllereien — in Euskirchen, Waldorf, Station Sechtern der Köln-Barmer Eisenbahnstr. — welche wohl, ich möchte sagen, fast den ganzen Bezirk Köln und Aachen mit Mazzes versehen. Aber wie sieht es in diesen Mazzesbäckereien aus? Wie geht es dort bei dem Backen zu, da die meisten Arbeiter und Hülfskräfte aus Nichtjuden bestehen? Darüber schweigen alle Flöten. Wie sieht es überhaupt in religiöser Beziehung auf dem Lande aus? Schrecklich anzusehen für denjenigen, der noch treu zur Fahne hält. Kein Schabbos, kein Jomtos, Metzger, Schochtim zugleich, die am Schabbes und Jomtos ihr Geschäft wie an Wochentagen betreiben. Sollen nun diese traurigen Zustände noch weiter einreißen, ohne daß irgend etwas dagegen unternommen werden könnte? Könnte nicht zu dem Zwecke, zur Aufrechterhaltung unserer heiligen Religion und dem weiteren Verfall der deutschen Judenheit vorzubeugen, ein Verband sämmtlicher orthodoxer Juden Deutschlands, mit den Herren Rabbinen an der Spitze, gegründet werden, der dann auch wieder seine Zweigvereine hätte? Dieser Verband hätte die Aufgabe, die geeigneten Mittel bereit zu stellen, um überallhin verbeffernd und belehrend einzuwirken. Diejenigen Mazzebäckereien, welche sich einer strengen Aufsicht nicht unterwerfen wollten, ebenso die Schochtim und Metzger, bei welchen man kein Fleisch nehmen dürfte, müßten unnachsichtlich bekannt gemacht werden, aber in einer Weise, daß jeder Glaubensgenosse, er möge auch in dem abgelegensten Winkel wohnen, davon Kenntniß bekommen könnte. Die von ihnen so oft und so viel gerühmten Vereinigungen wie der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen in Westphalen" und die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums," haben sich unserer Gegend gegenüber seither ohne Wirkung gezeigt. Es ist mehr als je an der Zeit, daß alle gesetzestreuen Kreise fick die Frage stellen, was zu thun ist, um die besonders auf dem Lande so sehr eingerissene Gleichgiltigkeit in Sachen unserer Thauroß enu hakdauscho erfolgreich bekämpfen zu können. H. I. Ka u f m a n n. Marburg, Z. Mai. Am 16. April ist hier ein „Israelitisches Schüler- und Lehrlingsheim" eröffnet V worden. Das Institut hat den Zweck, jüdischen Knazwei Handwerker werden, die übrigen höhere Lehranstalten besuchen. An der Spitze des Vorstandes steht Herr Prof. Dr. Cohen; die Leitung hat Herr Bergel, der die Prüfung pro facultate docendi gemacht hat und seit Jahren im mittleren und höheren Schuldienste thätig ist. Die Räume des Hauses entsprechen in hygienischer und schultechnischer Hinsicht den Anforderungen der Neuzeit. Die Zöglinge erhalten gegen sehr mäßige Pension, Unbemittelte ohne jede Vergütung, alles im Heim, was für ihre körperliche und geistige Entwickelung erforderlich ist. Au«t Westphalen. Herr Rabbiner Dr. Bamb e r g e r , seither Rabbiner in Schildberg, wurde zum Rabbiner des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen in Westphalen," mit dem Sitz in Marburg, als Nachfolger des nach Frankfurt berufenen Dr. Lange gewählt. Dessau, 30. April. (Eine Jüdin als Ehrenbiirgerin einer deutschen Residenz st a d t.) Heute, am Tage nach der siebzigsten Geburtsfeier unseres erlauchten Landesherrn Herzogs Friedrich und am ersten Jahrzeitstage des sel. Barons von Cohn, spielte sich in der sonst so stillen Residenzstadt ein Ereigniß ab, das größere Kreise gewiß interessiren würde, denn es war ein a^n trrtp der sich dort gezeigt: Eine Jüdin wurde „E h r e n b ü r g e r i n" der Stadt — eine THatsache, die man bisher in den Geschichtsbüchern der deutschen Städte vergeblich gesucht hat und wol auch suchen wird. Die jüngste deutsche Ehrenbürgerin hat nicht allein von ihrem Vater, dessen Persönlichkeit s. Z. in diesen Blättern gewürdigt wurde, den guten Namen und den großen Reichthum geerbt, sondern sie versteht es auch, als treue Tochter unseres Volkes, von den Gütern, die nur zeitlichen Werth haben, auch für alle Zeiten Gutes zu stiften und so die Erinnerung an den Vater und sich stets festzuhalten. Es war der Wunsch der edlen Spenderin, ihrer Vaterstadt eine gemeinnützige Einrichtung zu schaffen, welche der Stadtverwaltung Gelegenheit geben sollte, die Noth der leidenden Mitmenschen zu lindern. Schöner konnte diese Absicht nicht erfüllt werden, als durch die Stiftung eines Armenhauses, mit dem doppelten Zweck, einmal den Armen in ihrem Elend ein gesundes, freundliches Heim zu gewähren und sodann eine Arbeitsstätte zu bieten, wo der Arbeitsscheue, der sich der Unterstützung seiner Familie freventlich oder aus Leichtsinn entzieht, den Segen der Arbeit wieder erlernen soll. Auch bei Wohnungsnoth sollten Obdachlose eine Zufluchtsstätte in den einfachen, aber gesunden Räumen finden. Am letztep n;trn trxn dem Geburtstage ihres Vaters, überreichte nun Frau Baronin von Cohn der Stadt eine namhafte Summe zur Errichtung eines genannten Zwecken dienenden Hauses, und heute, am e r st e n Jahrzeitstage, begaben sich die Herren Ober-

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