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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Da gerade eine Deputation unseres Ordens nach Rom abging, dem Heiligen Vater zu Neujahr zu gratuliren, schloß er sich den Brüdern an." „Welch' teuslichen Einfluß muffen Sie ausgeübt haben," sagte Eli zähneknirschend, „um diesen ehedem strenggläubigen Juden in Ihre —" „Keine Beleidigungen," unterbrach ihn der Mönch mit Stentorstimme. „Wagen Sie es nicht noch einmal, von teuflichem Einfluß zu sprechen, sonst —" „Unverschämter," fiel ihm Eli in's Wort, „Sie, der Sic meinen arglosen Bruder in Ihren Netzen gefangen, wollen mich glauben machen, daß —" „Gar nichts will ich Sie glauben machen," unterbrach der Mönch, „ich fordere Sie vielmehr auf, dieses Haus zu verlassen, und zwar sofort!" „Ich gehe," sagte Eli verächtlich, „da ich es unter meiner Würde halte, mit einem auf Seelenfang ausgehenden Priester Worte zu wechseln." Auf dem Heimwege überlegte Eli, was er thun könne, um den Bruder zu retten, ihn dem Glauben der Väter zu erhalten. Mit Grauen dachte er daran, welch' tief schmerzlichen Eindruck die Nachricht von dem beabsichtigten, oder wohl gar schon vollzogenen Glaubenswechsel Aladar's auf den strenggläubigen Vater machen müsse. Es würde sein Tod sein, sagte er sich, und ich bin verpflichtet, Alles aufzubieten, ja selbst die weite Reise nach Nom zu machen, um Alada in's Gewissen zu reden, daß er dem Glauben der Väter treu bleibe. Durch einen Mönch hatte er nach vielem Hin- und Herfragen in Erfahrung gebracht, daß die nach Rom bestimmte Deputation des Jesuitenklosters sich drei Tage in Wien aufhalten werde. Sofort beschloß er abzureisen, hoffend, den Bruder noch in Wien zu treffen. Nach beendeter Fahrt forschte er, ohne sich Ruhe zu gönnen, beim Bischof, in den Klöstern, hei den Kirchenvorstehern nach; Niemand wollte etwas von einer nach Nom abgegangenen Deputation wissen. Verzweifelt kehrte er nach Pest zurück; offenbar hatte ihn Pater Jeremias nur auf eine falsche Fährte führen wollen. Ungeachtet ernster Nachforschungen auch in Pest keine Spur des Gesuchten. Tief traurig trat er die Heimreise an, um die unterbrochenen Studien zu vollenden. III. Rabbi Lazzlo rüstete sich eben zum Gange nach dem Tempel, als ein Brief Aladars eintraf, indem er ihm schonend und nach langen Umschweifen mittheilte, daß er fest entschlossen sei, eine andere Laufbahn einzuschlagen; er sei jetzt auf dem Wege nach Rom, wolle Welt und Menschen kennen lernen. Die Reisespesen decke ein guter Freund, der geistliche Rath Kerper, dem er sich angeschlossen. Der alte Rabbi las den Brief zwei- und dreimal, dann sagte er wie geistesabwesend: „Nach Rom? Was will Alada in Rom? Und in dieser Gesellschaft?!" Er wagte den Gedanken, der in seiner Seele auftauchte, nicht auszudenken. Zitternd ging er einige Schritte bis zu seinem Lehnsessel vorwärts, dann fiel er lautlos zusammen. So fand ihn Aranka. Bemüht, ihn aufzurichten, sah sie ein zerknülltes Blatt in seiner Hand. Nachdem sie den alten Mann zum Sopha geführt, las sie den Brief. Jetzt war ihr Alles klar. Aladar war auch für sie verloren. Sie sandte zum Arzt. Er kam, untersuchte den fast leblos daliegenden Mann, konstatirte eine Herzlähmung; Aranka's Aufregung schrieb er der Sorge um den alten Rabbi zu. Man solle, meinte er, die Söhne sofort kommen lassen, sie sei zu schwach, die Pflege zu übernehmen.! Dr. Pollak wußte sehr wohl, daß das Leben Rabbi Lazzlo's nur noch nach Tagen zählte. Die Gewißheit, daß sein Sohn sich dem Glauben der Väter abgewendet, hatte den strenggläubigen Mann wie ein tödtlicher Pfeil tief in's Herz getroffen. Gerade an dem Tage, als Eli sein Doktor-Examen gemacht, erhielt er die Kunde, der Vater sei schwer erkrankt, er möge unverzüglich nach Hause kommen. Wie hatte er sich Jahre hindurch auf diesen Tag gefreut und nun diese Nachricht! Das Schlimmste befürchtend, traf er sogleich seine Vorkehrungen zur Reise. Er fand den Vater, als er daheim anlangte, um zehn Jahre gealtert. „Sag' mir die Wahrheit," sprach der alte Mann, den Sohn umarmend, „was weißt Du von Aladar's Wandlung? Ich kann den Zweifel nicht ertragen! Gott wird mir Kraft geben, selbst das Schlimmste mit Fassung hinzunehmen!" Doch Eli hatte nicht das Herz, dem Vater zu sagen, was er wußte; er vertröstete ihn, Aladar werde schon von sich hören lassen, die Reise nach Rom dürfe ihn nicht beunruhigen. Des Sohnes Zuspruch, seine Nähe, seine liebevolle Theilnahme wirkten beruhigend auf den alten Vater; sein Zustand besserte sich von Tag zu Tag; von Gottvertrauen beseelt, fand er Trost und Stärkung im Gebet. Schon glaubte man an eine vollständige Genesung, da trat unerwartet ein Rückfall ein. Rabbi Lazzlo saß in seinem Zimmer und studirte. Im Nebenzimmer war Aranka mit einer Handarbeit beschäftigt, die Thüre stand offen. Der alte Rabbi hörte, wie Ruth Heigel, Aranka's Freundin, eintrat und sie mit den Worten anredete: „Sei nicht traurig, Aranka, Er ist es wirklich nicht werth, daß Du Dich seinetwegen grämst!" „Du hast wahrscheinlich durch Deine Schwester Nachricht?" forschte Aranka, in ihrer Aufregung ganz vergessend, daß die Thüre zum Studirzimmer Rabbi Lazzlo's offen stand und er jedes Wort hören konnte. „Die Schwester schreibt mir," sagte Ruth Heigel, „daß er mit Pater Jeremias nach Rom gereist ist und

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