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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Mrthodoxe Muderrthun^ lRr. 9. 2. Mai 1991/1 MWSSMMlÄ eimgefunden. Novelle von Ida Barber—Wien. -fOd»i- (3. Fortsetzung.) Er betrat Aladars Zimmer; zufällig gewahrte er, daß sein Schlüsse! auch zu Aladar's Schreibtisch paßte. Er mußte klar sehen. Den Schreibtisch öffnend, fand er zahlreiche Briefe mit der Unterschrift „Jeremias." Was er las, machte ihm das Blut in den Adern erstarren. Aladar schien sich dem Jesuiten mit Leib und Seele verschrieben zu haben. Ein Passus in einem Briese des Mönches lautete: „Jedenfalls mußt Du, lieber Bruder, Deine Studien beenden. Du giltst dann in Rom mehr, wenn Du als Prediger, denn als Laie hinkommst. Mache der guten Sache zu liebe den Hokus- Pokus noch ein Jahr lang mit. Der Doktor-Titel wird Dir ein ganz anderes Ansehen verleihen; ich halte es für unbedingt nöthig, daß Du, ehe Du in den Orden eintrittst, den Doktorgrad erreicht hast. Deine Skrupel bezüglich Deines Vaters kann ich sehr wohl verstehen; doch Du bist ein Mann; Du mußt lernen, Dich beherrschen, überwinden. Bedenke, welch' herrliches Ziel Dir winkt! In der heiligen Roma, im ehrwürdigen Dom zu St. Peter, wirst Du zu Füßen des Heiligen Vaters Dein Gelübde ablegen! Eine neue Welt wird sich Dir eröffnen! Sei stark im Glauben, im Vertrauen auf den Stifter unserer Religion, der, wie Du, von jüdischen Eltern erzogen, das Heil in der neuen Lehre erkannte und sie der Welt als die allein seligmachende verkündet hat!" Eli faltete den Brief zusammen, steckte ihn zu sich, schloß die Lade ab und verließ das Zimmer. Er wollte die Lutt nicht athmen, in der der Jesuit das Herz des Bruders dem Judenthume entfremdet hatte. Jetzt erst wußte sich Eli gar Vieles zu erklären, das er früher der Eigenart Aladar's zugeschrieben; zu spät sah er ein, daß der Bruder, von finsteren Mächten umgarnt, nicht anders bandeln konnte. Der Jesuit hatte eine Gewalt über ihn erlangt, die jeden anderen Einfluß lahm legte. Das war ihm klar, dennoch wollte er versuchen, auf das Herz des Bethörten einzuwirken. Seine Füße waren ihm wie gelähmt; er mußte einen Wagen nehmen, um nach dem nahegelegenen Jesuitenilosler zu gelangen. Auf seine Frage, ob Dr. Lazzlo in der Kranken-Abtheilung Aufnahme gefunden, erhielt er eine verneinende Antwort. Er fragte nach Pater Jeremias. Man ließ ihn in einem der großen, altersgrauen Klostersäle warten. Endlich erschien ein in Weiß gekleideter Mönch, dessen fahles Gesicht und stechende Augen ihm wenig Vertrauen einflößten. „Ich komme, mich nach dem Schicksal meines Bruders Aladar zu erkundigen," sagte Eli. „Schicksal?" fragte der Mönch nach einigem Ueberlegen. „Er ist mit seinem Schicksal sehr zufrieden und seit gestern auf dem Wege nach Rom." „Unmöglich," sagte Eli, „was hat er in Rom zu suchen?" „Darüber," erwiederte der Mönch, „kann ich Ihnen nicht Rede und Antwort stehen; nur so viel will ich Ihnen mittheilen: Ihr Bruder kam vor einigen Wochen gebrochen an Leib und Seele zu mir; ich sah, daß ein hitziges Fieber im Anzuge war, behielt ihn bei mir, pflegte ihn, und als er sich wohler fühlte, sprach er den Wunsch aus, den Winter im Süden zu verbringen.

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