Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449179--53255-2503897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

WWWMMWMWMMM WWMMUWMVMWW^ 786 Niedergang datirt seit der Ausweisung der Juden. Rußland hat schmerzlich gelitten im ökonomischen, und deßbalb also auch im politischen Sinne, durch seine rauhe Bebandlnng und Verfolgung der Juden, und es kann-wohl Niemand leugnen, daß Frankreich geschädigt worden ist, politisch, ökonomisch und im Prestige dadurch, daß es erlaubt hat, daß der Antisemitismus eine brennende Tagesfrage geworden ist. P a l ä st i n a. Jaffa. (Ein neues Experiment der „I. K. A.") Der paffive Widerstand, welchen die jüdischen Kolonisten in Palästina den neuen ihnen unbequemen Maßregeln der jüdischen Kolonisationsgesellschaft entgegengesetzt haben, hat letztere zu einem wichtigen Verbuch veranlaßt, der, wenn er von Erfolg gekrönt sein sollte, für die Kolonisation Palästinas von großer Bedeutung werden dürste. Die Kolonisten behaupten nämlich, daß der geringe Erfolg, den das Produkt ihrer Arbeit, der Palästinawein, trotz seiner auf mehreren Ausstellungen anerkannten Vorzüge, bisher aus dem Weltmarkt zu erzielen vermocht hat, der ungeschickten Geschäftsführung der bisherigen Administration zuzuschreiben sei und forderten daher seit einigen Jahren zur direkten Betheiligung beim Wein- , verkauf zugelassen zu werden. Die „I. K. A." bat nun beschlossen, einen Versuch in die'er Richtung zu machen und hat den Verkauf der Weine in ..Palästina selbst" den Kolonisten von Richonl'-Zwn übertragen. Darob herrscht nun großer Jubel in den Kolonien, da die Kolonisten mit gutem Recht bokfen, daß, falls sie mit ihrem Weine in Palästina selbst renssiren, ihnen bald auch der Weinverkaus im gesummten Orient üb«"lragen werden dürfte. T. WlltyellUMN aus Den iiii. Arweuvereineli und fflr dieselben. (GLrnmtliche jüd. Wandervettelvereine uns -rauen für Durchreisende find gebeten, uns Miltheilungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer THLtiakeit machen, zukommen zu lassen.) .Hottcfchan. (W a r n u n g.) Seit einiger Zeit werden wohlthätige Glaubensgenossen von einem Schwindler ausgebeutet, der mit großem Raffinement zu Werte geht. Der junge Mann, mittelgroß, mit schwarzem Bärtchen, versteht es vortrefflich, da er sprachkundig ist und fließend französisch, englisch, italienisch, polnisch etc. spricht und lateinische Anreden geläufig hersagt, sich gut einzuführen. Vor vier Jahren machte er mir seine Aufwartung und stellte sich als Privatdocent für Qrientalia an der Universität Krakau vor. Als ich einige sachwissenschaftliche Fragen mit ihm besprechen wollte und ihm endlich entsprechende Texte vorlegte, trat er schleunigst den Rückzug an. Seine Angaben, daß er alle seine Kenntnisse während seines mehrjährigen Aufenthaltes in einem Kloster zu Livorno sich erworben, insbesondere die vorgezeigten Empfehlungen von Prälaten und Domherren aus den Kreisen des höheren Klerus in Olmütz, ließen seine Zugehörigkeit zum Judenthume verdächtig erscheinen. Am andern Morgen verschwand er — ohne die Hotelrechnung beglichen zu haben. Leider waren die benachbarten Gemeinden von dem Schwindler schon gebrandschatzt worben. Im August 1900 tauchte er mit einem Male unter dem Namen Dr. phil. N. Rottenburg in Köln auf, wo er um die Hand eines Mädchens aus anständigem Hause anhielt. Dort gab er sich als der Sohn des Rabbiners Israel Rottenburg in Pilitza (österr. Schlesien) aus, der mehrere Jahre hindurch das Rabbinat in Holleschau bekleidet hätte, bis ihn die am 22. Oktober 1899 stattgefundenen Ausschreitungen gegen die Juden gezwungen hätten, das Amt niederzulegen und all' sein Hab und Gut zurückzulassen. In Köln jedoch und ebenso in Frankfurt a. M. wurde der Schwindel von meinen Verwandten und Bekannten rechtzeitig ausgeoeckt, der Schwindler aber bewies Ausdauer und Unerschrockenheit: denn er besaß die Kühnheit, in Bauern seine Betrügereien ruhig fortzusetzen. Im Oktober 1900 hat er in Kitzingen erst die Jsraelitengemeinde geprellt, dann aber auch beim Pfarramte um eine Unterstützung anaesucht, unter dem Vorgeben, demnächst zur römisch-katholischen Kirche überzutreten. Neuerdings hat er Holland zum Schauplatze seiner betrügerischen Thatigkeit erkoren. Seine Visitenkarte lautet jetzt: Dr. S. Tischler, Rabbiner, Holleschau. Da er auch dort aus meine Bekannten stieß, griff er zur Ausflucht, bei den böhmisch sprechenden Juden angestellt gewesen zu sein, in Folge der Unruhen aber hätte er die Stelle verlassen müssen, nachdem seine Braut, die Tochter des Vorstehers, bei den Excessen umgekommen wäre. All' diese Erzählungen jedoch beruhen auf Unwahrweit, denn einen zweiten Rabbiner gibt es in der ganzen Bezirkshauptmannschaft Holleschau nicht, ich aber bin bei l-nen Unruhen im Jahre 1899 vollständig verschont geblieben und habe keinerlei Schaden erlitten. Unter den Gemeindemitgliedern wiederum hat kein einziger zum Bettelstäbe greisen müssen, da wir alle diejenigen, die unter den Excessen und dem Boycott gelitten, in ausreichender Weise unterstützen konnten. Es handelt sich also im gegebenen Falle um einen recht plumpen Schwindel, der chronisch zu werden droht. Ich erachte es daher als meine Pflicht — um weiteren Betrügereien vorzubeugen — diese Warnung mit der Bitte zu veröffentlichen, den internationalen und interkonfessionellen Erzschelm im Betretungsfalle sestnehmen zu lassen. Rabbiner Dr. Friedmann, Feldprediger und Bezirks - Schulrath. Verantwortliche Nedaction: Oscar Lehmann in Main;. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. W irth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.