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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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;«w 785 urtheilungen zu kräftigen Geldstrafen — bis zu 100.000 Frcs. und darüber — haben genügt um den Ton der Pariser Zeitungen wesentlich zu verbessern. Ein paar der schlimmsten Revolverblätter sind schon eingegangen; einige der allerärgsten Ehrabschneider sind verschwunden oder flüchtig geworden; selbst Herr Rochefort schreibt jetzt, wenn es sich um Persönlichkeiten, denen er wohl zutraut, daß sie eventuell auf Geldstrafen, Schadenersatz und Einrückungsgebühren für das Urtheil klagen könnten, ganz wesentlich anders als früher. Das Gleiche ist auch bei der „Libre Parole" der Fall. Herr Drumont hat ein paar kräftige Verurtheilungen hinter sich und die kurze Freude, seinen Lesern die Rothschild's als Mörder von Profession und aus Neigung hingestellt zu haben, kostet ihn jetzt weitere 25,000 Frcs., die zum großen Theile den Pariser Armen zu Gute kommen werden. Natürlich schimpft nun die „Libre Parole" gewaltig, jetzt aber weniger auf die Rothschild's, als auf die Richter, die es gewagt haben, dem ungetautten Juden Rothschild gegen den getauften Juden Drumont Recht zu geben. In ein paar Tagen wird sie auch das lasten und die jüngsten 25,000 Francs Strafgelder werden unter allen Umständen das Gute bringen, daß sie den Zeitungston hier weiter verbessern helfen." Paris«, .30. April. (Die Tracht der algeri s ch e n Juden.) Max Regis, der bekannte antisemitische Maire von Algier, hat folgende Verfügung erlassen: „Die französischen und ausländischen Juden sind verpflichtet, stch nach europäischer Art zu kleiden. Es wird ihnen eine Frist von zwei Monaten gewährt, damit üe sich nach dieser Vorschrift richten können. Nur die Rabbiner dürfen die zu ihrem Amte gehörende Tracht auch fernerhin behalten." In der Begründung dieser Kleiderordnung heißt es, daß die den algerischen Juden von Cremieaur gewährte Gleichberechtigung auch die Gleichförmigkeit der Sitten und vor allem der Tracht erfordere; es müsse verhindert werden, daß die naturalisirten Israeliten dadurch, daß sie sich noch länger more jüdaico kleiden, die Aufmerksamkeit des Pöbels auf sich lenken und sich so selbst in Gefahr begeben. Max Regis als Beschützer der Juden gegen Pöbelangriffe - - das ist entschieden ein ganz vorzüglicher Witz! Die französische Presse macht sich denn auch mit Recht über den Kleiderukas (der übrigens ungesetzlich ist) des Bürgermeisters von Algier lustig. So schreibt das „Journal des Debats": „Der Umstand, daß man französischer Staatsbürger, zwingt einen Gott sei Dank noch nicht, ein besonderes und gleichförmiges Kostüm zu tragen, wie es in den Modewaarenhäusern verkauft wird. Wir haben einen Senator gesehen, der sich bretonisch kleidete. Wir hatten sogar einen arabisch gekleideten Deputirten, was allerdings nach Mummenschanz aussah, aber nur deßhalb, weil der Abgeordnete kein Araber, sondern ein Franzose aus Pontarlier war; trotzdem kam Niemand auf den Gedanken, ihm die arabische Tracht zu verbieten, unter dem Vorwände, daß er verdammt sei, das französische Kostüm zu tragen. Es gibt kein französisches Kostüm. Jeder hat das Recht, sich so zu kleiden, wie er will, vorausgesetzt, daß seine Kleidung decent ist. Das Veste ist, sich nach der Mode zu kleiden, aber wer das nicht will oder nicht kann, braucht es nicht zu thuw" Das „Journal des Debats" fordert schließlich den Gouverneur von Algerien auf, Herrn Max Regis zur Raison zu bringen. England. London. 30. April. (Die Juden in E n g l a n d.) Nichts kennzeichnet den Fortschritt und die Aufklärung Großbritanniens mehr, so schreibt ein Newvorter Blatt, als die Tbatsache, daß die Proklamation. der Thronbesteigung König Eduards von drei sich zum Judenthum bekennenden Männern unterzeichnet wurde, nämlich Lord Pirbright, Sir George Faudel Phillips und Sir Marcus Samuel. Lord Pirbright, rin früheres Mitglied der Tory-Administration, dessen Familienname Worms ist, Unterzeichnete die Proklamation in seiner Eigenschaft als Mitglied des Geheimen Rathes, während seine beiden Glaubensgenossen als Stadtverordnete der City of London zeichneten. Als Königin Victoria den Thron bestieg, war den Juden nicht nur der Eintritt in die Gesellschaft versagt, sondern sie hatten überhaupt keine bürgerlichen Reckte, und es ist eine interessante Erinnerung, daß das Vorurtheil gegen dieselbe so stark war, daß sogar nach der Wahl Eines von ihnen in's Parlament, in den vierziger Jahren, es ein volles Jahr dauerte, ehe ihm gestattet wurde, seinen Sitz im Unterhause einzunehmen. Heutzutage sind alle Barrieren gegen die Juden aufgehoben. Lord P. hat wenigstens zwei Glaubensgenossen im Herrenhaus in den Personen von Lords Rothschild und Wandsworth. Juden lind zu finden auf der Gerichtsbant (Richter) und in der Armee. Einer von ihnen wurde neulich zum Gouverneur einer wichtigen Kolonie ernannt: und hauptsächlich durch den Einfluß des Königs Eduard findet man sie in den Vorderreihen der Gesellschaft. Dieses Verhalten gegen die Juden ist nicht nur hochherzig, sondern auch klug; denn aus irgend einem Grunde hängt die ökonomische Wohlfahrt einer Nation zum großen Theile von ihrer Haltung den Juden gegenüber ab. Die zwei Länder, in denen am wenigsten Voreingenommenheit gegen sie herrscht, und in welchen kein Unterschied zwischen ihnen und anderen Bürgern gemacht wird, sind die Vereinigten Staaten und Großbritannien. welche auch in Bezug auf Wohlstand und ökonomische Entwickelung allen anderen Nationen voraus sind. Spaniens politischer und ökonomischer

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