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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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784 ein Mk. 6989 (im Vorjahre Mk. 7173). An Zuschüssen für die Unterhaltung unserer Zöglinge erhielten wir Ml. 9807. Posen, im April. Dem Konitzer sog. „Aufklärungskomitee" gibt die „Ostd. Tagesztg." mit Bezug auf dessen Petition folgende treffende Antwort: „Was wird der Reichskanzler nun wohl sagen? — Wird er nickt achselzuckend sagen — wenn er überhaupt eine Antwort ertheilt —: „Ich weiß den Grund leider nicht! Wie kann ich auch in jedem Falle, in dem ein Mordenicht ermittelt wird, wissen, warum er nicht gefunden wird? Soll ich etwa für all' die in Berlin nickt gefundenen Mörder verantwortlich gemacht werden. ferner für oen Mörder des Fleischermeisters im Posen'schen Anno 1899 und den Mörder eines DachdeckergeHilfen in Bromberg u. s. w., die alle entwischt sind?" — Lasciate ojnri speranza! Die Hoffnung geben Sie nur ruhig aut!" Und was meinen Sie denn mit dem „ausreichenden Material," das sich „aufgehäuft" haben soll, um gegen bestimmte Personen wegen Vetheiligung am Morddie Anklage erheben zu können? — Wißen Sie mehr als unter Erster Staatsanwalt Herr Schweigger, der da '"agt: „Das Material ist nicht ausreichend?" Wollen Sie unserer, ihres schweren Amtes nach bestem Gewissen waltenden Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Lässigkeit macken? Nun gut, vielleicht kommt die Staatsanwaltschaft Ihnen entgegen und fetzt alle irgendwie auch nur einigermaßen der Theilnahme verdächtigen Leute in Untersuchungshaft, Alle — Juden und Christen, natürlich Alle, die irgend etwas „verwirrt" haben, von dem Erften, der in Könitz durch das Märchen vom „Ritualmord" die Leute von der Verfolgung des wirklicken Mörders abgelenkt und die Gemüther „verwirrt" hat, bis auf den Letzten, der etwa heute oder morgen „Verdunkelung" dadurch herbeiführt, daß er schlankweg behauptet, der Mörder muß ein Jude sein, eine größere Anzahl von Konitzern (d. h. Juden!) muß um den Mord wisse:: und wer weiß was noch!" Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Mähren. Dieser Tage fand die diesjährige Generalversammlung des „Mährisch-jüdischen Waisenhilfsvereins" unter dem Vorsitz des Herrn kaiserlich. Rathes D. Mandl statt. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das abgelausene Jahr beklagt die geringe Theilnahme, welche dieser so überaus segensreich wirkende Verein unter den hiesigen und auswärtigen Glaubensgenossen finde, ohne welche derselbe nicht im Stande fei, trotz des namhaften Fonderträgnisses, allen an ibn herantretenden Anforderungen zu entsprechen. Insbesondere durch die immer zunehmende Nöthigung, die Dauer der Verleihung der Erziehungsbeiträge den Waisen weit über das 14. Lebensjahr hinaus zu verlängern. ist der Vorstand in vielen Fällen gezwungen, die Aufnahme neuer Waisen in die Vereinsobsorge aus einen späteren Zeitpunkt hinauszuschieben, was von diesen, respektive ihren Ernährern, hart empfunden wird. Der Vorstand wiederholt daher seinen alljährlich erneuerten Appell an die Mitglieder der hiesigen, wie aller mährischen Gemeinden, sowie deren Vorstände, dem Vereine mit ergiebigen Jahresbeiträgen beizutreten und der armen, verlassenen Waisen auch durch milde Spenden in Freud' und Leid eingedenk zu sein. Die Jahresbeiträge betrugen blos 2141 K. 20 H., die Spenden nur 461 K. (gegen 1394 K. im Vorjahre) — Beträge, die gegenüber den entsprechenden Zuflüssen anderer hiesiger wohlthätiger Vereine, deren Thätigkeit sich lediglich auf Brünn erstreckt, während dieser Verein vorwiegend seine wohlthätige Wirkung auf's flache Land erftreckt, verschwindend gering sind. Für die Waisenpflege wurden 22,935 K. 60 H. verausgabt und standen im letzten Halbjahre in der Vereinspflege 149 Kinder, und zwar 30 in Brünn und 119 auf dem Lande, die in der Regel einen Erziehungsbeitrag von 80 K. (bei zwei oder mehreren Geschwistern 60 K.) halbjährlich beziehen. Die Aufsicht über Pflege und Erziehung der Waisen, die. soweit thunlich, bei ihren Müttern, beziehungsweise nächsten Angehörigen untergebracht sind, führt in Brünn neben den Pslegepersonen der Vorstand, in auswärtigen Gemeinden werden hierzu Waisenväter durch die Kultusvorstände designirt. Ohne Sckulfrequenz-Bestätigung wird kein Erziebungsbeitrag ausbezahlt, und besuchen sämmtliche Waisen die Volks-, Bürger-, Mittel- oder Fachschulen, einige sind als Lehrlinge bei Handwerkern untergebracht. Die über den Bericht eröffnete Debatte, an der sich die Herren I. Jellinek, Emil Sorer, S. Königsgarten, Perlhestcr und L. Low Beer betheiligen, beschäftigt sich mit den Mitteln zur Heranziehung neuer Mitglieder, wofür insbesondere eine größere Publizität der Kundgebungen des Vereines, die Errichtung eines Waisenhauses u. A. angeführt wird. Der ThätigkeitSbericht, sowie der vom Gastier Herrn L. Löw Beer vorgetragene Rechnungsabschluß werden sodann genehmigt, die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Jul. Ritter von Gomperz und Alois Witrofskv, in den Vorstand für drei Jahre wieder gewählt, ebenso die Revisoren die Herren Gustav Landler und Ignaz Schulz. Hierauf wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Frankreich. Paris, im April. Das energische Vorgehen der französischen Justizbehörden gegen die nationalistischen und antisemitischen Hetzer hat bereits günstige Wirkungen gezeitigt. Die „Münchener Allg. Zeitg." schreibt: „Die Richter haben sich darauf besonnen, daß in dem Gesetzeskoder eine ganze Menge Paragraphen vorhanden sind, die die friedlichen und anständigen Leute gegen die Preßbanditen schützen: einige Dutzend Ver-

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