Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1901)
- Date
- 1901-05-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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tu;;-* _42. Jahrgang._ Iweite Aeilage zu M 34 des „Israelit^. Zeitungsnachrichten nnd Earrespondenzen. Deutschland. Mainz, .10. April. Im Anzeigetheil unseres Blartes befand sich vor einiger Zeit die Empfehlung einer Berliner Darmschleimerei von Meyer Levi jr. Wie uns nun von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird steht das genannte Geschäft nicht, wie in der Anzeige angegeben, unter Aufsicht des Rabbinats. Es sei deßhalb vor Bezügen von der betreffenden Firma hiermit gewarnr. Berlin, im April. Die Hintertreppen-Dramen- Litteratur bat sich, wie der „Berl. Börsen-Cour." mittheilt, jetzt auch des Konitzer Mordes bemächtigt. Das Barrensteiner Theater veröffentlichte folgende pomphafte Antiindigung: Einmaliges Gastspiel von Mitgliedern des Apollo- Tbeaters in Königsberg in Pr. > ÜRovität!! Zum ersten Male: ÜSensationell!! Wer w a r ' s? oder Das Geheimniß von Könitz! Aktuelles Zeitstiick in vier Akten von R. Jablonowsty. 1. Akt: Schlechte Gesellschaft verdirbt gute Sitten. 2. Akt: Der eifersüchtige Fleischer. 3. Akt: Die Verhaftung. 4. Akt: Vor dem Untersuchungsrichter. Die Polizei hat diese Spekulation auf den schlechten Geschmack des Publikums kurz vor der Aufführung verboten. Berlin, 30. April. (M o m m f e n und S ch w e n i n g e r über den R i t u a l m o r d.) Die Fälle von Polna und Könitz, in denen Juden beschuldigt wurden, Christen ermordet zu haben, um sich j ihres Blutes zu rituellen Zwecken zu bedienen, haben j den Schriftsteller Wilhelm Eckfeld zu einer Rundfrage! über den Ritualmord veranlaßt. Auf die Frage, was I er von dem sogenannten Blutmärchen halte und wie | eventl. besten Verbreitung entgegengewirkt werden lönne, gibt Theodor Mommsen folgende Antwort: „Wozu die Mohrenwäsche- Die Volksbetrüger werden nicht alle und die Betrogenen auch nicht. Mommsen." Reben dem berühmten Geschichtsschreiber äußert sich auch der Leibarzt Bickmarcks, Geheimrath Professor Ernst Schweninger. Er schreibt: „Ich halte die Annahme eines „Ritualmordes" seitens der Juden für einen Unsinn, der nur in dummen und gemeinen Gehirnen ausgeheckt, weiter gepflegt und zu bestimmten Zwecken ausgebeutet wird. Kommt der Mord von! Christen seitens Juden vor, was für mich auch nicht anders als andere Morde anzunehmen ist, so würde ich ihn nichr auf rituelle Gepflogenheiten beziehen, sondern ähnlich deuten wie die Urchristenmorde von Seite der Römer oder die Morde an christlichen Missionaren seitens der Chinesen etc. Als wirksamstes Mittel zur Bekämpfung der durch nichts als durch wild gemachte Phantasie erklärlichen Fabel vom Ritualmorde gilt mir neben Aufklärung und Bekämpfung des unwürdigen Antisemitismus vor allem die Forderung der allgemein menschlichen, nicht bloß christlichen Toleranz." Schließlich sei aus den auf die Rundfrage eingelaufenen Antworten auch die Aeußerung eines hervorragenden Mitgliedes der hiesigen juridischen Fakultät erwähnt. Professor Ludwig Aegidi ist von.der Grundlosigkeit der Beschuldigung des Ritualmordes überzeugt, und meint, „das beste Mittel zur Bekämpfung dieser Beschuldigung sei das gute Gewissen aller Juden." Hannover. Dem einundzwanzigsten Jahresbericht des „Vereins zur Unterstützung der Schüler der Bildunasanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover" entnehmen wir: Die Ansprüche, welche an unfern Verein gestellt tverden. wachsen von allen Seiten. Durch das Steigen der Lebensmitlelvreise, ebenso durch sonstige nothwendige Unterstützungen, Hausreparaturen etc., gehen unsere Ausgaben in dic Höbe, »nährend wir das von unseren Einnahmen leider nicht sagen können. Im Gegentheil, dieselben sind zurückgegangen. Es kostet uns große Mühe und Anstrengung, unsere Beiträge einzubekommen, so daß uns die herzliche Bitte sehr nahe liegt: unsere bisherigen Mitglieder möchten uns doch auch für die Folge nicht nur selber treu bleiben, sondern auch uns Helsen, neue Freunde anzuwerben. Untere Absichten sind doch die besten: wir möchten so gern die unserer Pflege anvertrauten Schiller der jüdischen Lehrerbildungsanstalt, die meist weniger wohlhabenden oder gar bedürftigen Familien entstaminen, wenn es sich nur irgend machen ließe, mit den denkbar geringsten — und am liebsten ganz ohne — Unterhaltsznschüsse vom Hanse anfnehmen. Das ist aber nur möglich, wenn uns von allen unseren Freunden nnd Gönnern thätig geholfen wird. In Arier Zeit wie der heutigen, bedarf es sicher nicht erst der Erklärung dafür, daß es zur Heranbildung unserer Jugend tüchtiger Lehrer bedarf; und tüchtige Lehrer zu erziehen, ist der Zweck der hiesigen, im Jahre 1848 begründeten „Bildungsanstalt für jüd. Lehrer"; deren Zöglingen aber während ihres hiesigen 6—6jcihrigen Studiums den nöthigen Lebensunterhalt zu bieten, ist die Aufgabe unseres Vereins. Bon den Schülern der „Lehrerbildungsanstalt" wurden im Berichtsjahre 43 in unserem Internat verpflegt. — An Beiträgen und Geschenken gingen von 336 hiesigen und 470 auswärtigen Mitgliedern im Ganzen