Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1901)
- Date
- 1901-05-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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777 45 nm christlichen l!nternd)t, diesmal 65 gegenüber 69, welche gar keinen Unterricht haben. In den Privatschulen ist die Zahl der Knaben mit christlichem Unterricht nur um 2 gegen das Vorjahr gestiegen, dagegen die 'stahl der Mädchen von 50 auf 115. Die letztere, aus den ersten Blick sehr betrübend erscheinende Zunahme findet eine einfache Erklärung darin, daß der vorjährige Bericht sehr lückenhaft war und mehrere dort fortgelastenen Schulen diesmal ihre Zahlen angegeben haben. Die Tabellen ergeben im Großen und Ganzen eine erfreuliche Besterung gegen die Vorjahre, aber sie lehren doch gleichzeitig, daß der Gemeindevorstand noch weit mehr es sich angelegen sein laben muß, die Theilnahme der jüdischen Kinder am Religionsunterricht anzuregen und zu fördern. Unseren Lesern ist es ja bekannt, daß der Gemeindevorstand auf Grund einer namentlichen Liste, welche ihm vom Volizeipräsidium zugeht, die Eltern an ihre Pflicht mahnt, ihre Kinder dem Religionsunterrichte zuzuführen. Auf die letzterlastenen Schreiben — etwa 600—700 — sind 138 Antworten einaegangen. In 68 Fällen hatten die Kinder anderweitigen jüdischen Unterricht, in 21 Fällen wurde Abhilfe zugesagt, in 14 Fällen hatten die Kinder bereits das schulpflichtige Alter überschritten, in 1 Falle war das .Kind nur vorübergehend in Berlin, in 23 Fällen waren die Kinder zu jung und zu schwächlich, in 7 Fällen nahmen die Kinder am christlichen Unterrichte Theil, in 3 Fällen waren die Kinder getauft und in 1 Falle war das Kind bereits verstorben. Wenn auch die Zahl der eingetroffenen Antworten nur ein kleine ist, so darf doch der Gemeindevorstand wegen der bisherigen geringen Erfolge diesen Weg zur Abhilfe nicht wieder aufgeben. Allerdings ausreichend erscheint er in keinem Falle. Bor allen Dingen sollte der Vorstand baldigst mit den Leitern der Privatschulen entweder auf schriftlichem Wege, oder besser noch in Form einer Konferenz in Verbindung treten, um diesen klar zu legen, daß ihnen durch die Einrichtung eines jüdischen Religionsunterrichtes weder Mühen noch irgendwelche Kosten bereitet werden. Ferner sollte auch der Gemeindevorstand den Zeitpunkt der Aufforderung zur diesjährigen Nepräsentantenwahl nicht unbenutzt vorübergehen lassen und sämmtliche Gemeindemitglieder zu ihrer Pflicht in der eigenen Familie aufrufen und zur Förderung dieser wichtigen religiösen Frage in ihren Freundeskreisen anregen. Ilm eine größere Vetheiligung der Mädchen am Religionsunterrichte zu erzielen, empfiehlt es sich, die seelsorgerische Mitbülfe in Anspruch zu nehmen. Die Rabbiner müßten sich mit den Müttern der ihnen namentlich bekannt zu gebenden Kinder in persönliche Verbindung sehen und diesen die großen Nachtheile für das Kind, das Haus und ganze Familie klar legen, wenn die fernere Theilnahme des Kindes am christlichen Religionsunterrichte verstattet wird. Nachdem es erst neuerdings nicht ohne große Mühen gelungen ist, die Ertheilung von jüdischem Religionsunterricht auch an den öffentlichen höheren Töchterschulen zu erzielen, darf auch kein Mittel unversucht gelassen werden, dem Unterrichte auch eine größere Theilnahme der Kinder zu sichern. Bei unablässigem Eifer des Gemeindevorstandes wird der Erfolg sicher nicht ausbleiben, und es werden sich bald Zahlen für die ohne Unterricht befindlichen oder am christlichen Religionsunterricht Theil nehmenden jüdischen Kinder ergeben, welche zur Zahl der Gesa,nmtheit der schulpflichtigen jüdischen Kinder gar nicht in Betracht kommen. Denn zweifellos wird in dieser außerordentlich wichtigen Frage seitens der Eltern und Erzieher mehr aus Nachlässigkeit, Unkenntniß und Kurzsichtigkeit gefehlt, als aus voller Absicht. Zeilurrgsrrachrichte« und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Mai. Gottlob, das Jitdenthmn hat noch Freunde. Herr Dr. Fr. Frank, kaihokischcr Pfarrer in Westhofen i. Gr. Unterfranken, ehern, deutscher Reichstags- und bayr .Landtagsabgeordneter, hat Vei der Verlagsanstalt M a n z in Rcgensburg ein Buch veröffentlicht, in welchem die schändliche Lüge des Ritualmordes „vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit" aetenmäßig uck udsui ckum geführt ist. Jeder, nicht durch Aberglaube und Haß Verblendete, dem nur ein Einblick in das Buch gewährt ist, wird rasch von der Richtigkeit des darin Gesagten überzeugt sein. Wir behaltenuns vor, auf den Inhalt des Buches eingebend zurückzukommen, heute wollen wir nur dem hochw. Herrn Verfasser unseren tiefgesühltesten Dank für sein unsterbliches Werk zu Füßen legen, mit dem Wunsche, daß ihm der Allgütige die Kraft verleihen möge, bis in's späteste Alter der Wahrheit und Gerechtigkeit seine Dienste zu widmen. Herr Dr. Frank ist uns kein Unbekannter. Bereits im Jahre 1802, während der Hochfluth der antisemitischen Wogen, hat er durch sein treffliches Werk „Die Kirche und die Juden" viel zur Beruhigung der Gemiither in den katholischen .Kreisen beigetragen. Auch im bayrischen Landtage hak er s. Z. die Angriffe gegen das Schächten glänzend zurückgewiesen und ist später in einer Broschüre für das Schächten eingetreten. Er war es auch, der an dem Kongreß der Thierschutzvereine in der Schweiz theilnahm, um seine gewichtige Stimme für das Schächten zu erheben. Solange es Juden auf dem Erdboden geben, wird, deß sind wir gewiß, der Name des Herrn Dr. Frank stets mit Dankbarkeit und Hochachtung genannt werden.