Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449179--53247-2503889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

778 Berlin. Professor Dr. I. B a r t h, der an der hiesigen Hochschule das Fach der semitischen Philologie vertritt, feierte gestern sein 26jähriges Jubiläum als llniversitätslehrer. Barth ist auch ebensolange Docent am Hildesheimer'schen Rabbinerseminar und einer der beliebtesten Lehrer. vrwtin vir -p*r n. Posen. Die in Nr. 30 des „Israelit" enthaltenen, aus einer Schrift von M. Steinhard entnommenen Ansichten über den Stand des Religionsunterrichts könnte man bis auf das Tüpfelchen über dem i unterschreiben. C:est tous coinme cliez nous. Der Ver- , sasser sagt richtig, die Religionsschule gelte nur als ein nothwendiges Uebel. Sie ist aber auch der Sündenbock oder der Prügelknabe. Kommt der Schüler in der öffentlichen Schule nicht weiter, so ist selbstverständlich nicht der Schüler, auch nicht die Schule daran schuld, sondern einzig und allein die Religionsschule, die zu viel Zeit erfordert und — der Schüler wird herausgenommen u. allenfalls einem homöopathischen Privatunterricht anvertraut oder bleibt überhaupt ohne Unterricht. Wird seitens der Schulleitung den Eltern mitgetheilt, die Kinder sollten nicht zu viel Nebenbeschäftigung haben, so werden — nicht etwa Nachhülfestunden, Musikstunden, sondern sofort die Religionsstunden verkürzt. Ein Tadel, den der Schüler in der öffentlichen Schule erhält, ist geeignet, das ganze Nervensystem der Eltern zu erschüttern; über einen Tadel in der Religionsschulc geht man mit vornehmer Jgnorirung hinweg; man bleibt kühl bis an's Herz hinan. Was aber das Bemerkenswertheste dabei ist — dies geschieht nicht etwa nur seitens irreligiöser Familien, sondern auch seitens sogenannter Frommen. Hierdurch aber muß, wie ja nicht anders zu erwarten ist, nicht nur der Unterricht von nur geringem Erfolge bleiben, sondern die Kinder, die die Geringschätzung erkennen, mit der die Eltern der Religionsschule begegnen, verlieren auch ihrerseits die Achtung vor derselben, und als unmittelbare Folge auch die Achtung vor der Religion. Dann finden sich die Eltern, wenn diese Folgen hervortreten, mit einem tiefen Seufzer über die Berderbniß der Jetztzeit ab. bedenken aber nicht oder mögen es nicht zugeben, daß sie selbst Stein für Stein von dem Gebäude des Judenthums abgetragen haben. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. Doch die Mahnung des Verfassers, jüdische Volksschulen zu errichten, ist, wenn auch beachtenswerth, doch wohl im großen Ganzen unausführbar, jetzt noch weniger, als in früheren Jahren, da die meisten kleinen und mittleren Gemeinden nicht mehr leistungsfähig sind. Viele solcher Gemeinden, in denen ehemals ein blühendes Gemeinwesen pulsirte, die einen Rabbiner oder doch einen p-rit m*o unterhalten konnten, tonnen1 jetzt, da die vermögenderen Mitglieder allmählich nach größeren Städten ziehen, kaum die Mittel für einen Chasan und Schochet ausbringen. Das Mittel zur Hebung der Religion ist einfacher: i „Laßt uns besser werden, gleich wird's besser sein." I Aber so lange die Eltern selbst sich nicht zum Bessern aufrafsen, so lange sie ihren Kindern nicht Achtung und Liebe zur Thora einflößen und so viel erwirken, daß sie den Religionsunterricht mindestens eben so hoch schätzen,wie die profanen Unterrichtsfächer, wird es nicht besser werden. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, 1. Mai. Die hiesigen Blätter sind darin einig, daß mit der aus formalen Gründen verworfenen Nichtigkeitsbeschwerde des Leopold Hilsner dessen Drama noch nicht beendet ist. Sowie die Affaire Dreysus mit dessen Verurtheilung nicht beendet war, schreibt das „Jüd. Volksblatt", so wird auch die Affaire Hilsner mit dem Urtheil des Eassationshofes erst ihren eigentlichen Anfang nehmen. Die Wahrheit zu suchen bleibt eben Jedem unbenommen. Da ich von dem Wahrzeichen des österreichischen Judenhasses auf das des französischen gekommen bin, nämlich von Hilsner auf Dreysus, so kann ick die Bemerkung nicht unterdrücken, daß nicht nur in frommen, ja sogar nicht nur in iüdischen Kreisen es sehr bemerkt worden ist, daß in den eben erschienenen Briefen Alfred Dreysus' von der Teuselsinsel nirgendswo ein Apell an ein höheres Wesen zu finden ist, im größten Elende, in der höchsten Verzweiflung hat Derjenige, der der allwaltenden Vorsehung so unendlich viel zu verdanken, nur lästerliche und gottesleugnerische Reden zur Verfügung, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich will die Gedanken, zu denen diese Bemerkungen anregen, hier nicht weiter ausführen, nur das Eine möchte ich sagen: Das französische Judenthum möge sich doch recht bald wieder seines Gottes erinnern. *) Die Mahnung dcsl ’NDi p pni’ p“i an seine Schüler ist bekannt ,D"I1 ItCO NTIDD DD^J? D’Dff N“0D NiTff pn TT I’NPm "idn?"inv {Oi ,v noN Vermischtes Marburg Eine erfreuliche Thatsache läßt sich von hier mittheilen. Der bewährte Kanzelredner Herr Dr. Nobel, der früher in Köln und Königsberg amtirte und sich jetzt studienhalber hieraufhält, hat sich entschlossen vor jüdischen Studenten an jedem rütr halachische Vorträge zu halten. S. Briefkasten der Redaetion. M. L. 75: Uns nickt bekannt. Ploui Almoni: Nicht recht geeignet. Herzl. Gruß &nM Hmbirg. PuHm». Neues vornehmes Pensionshaus I. Runges unter Aufsicht Sr. Khrwiirden Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, mit Genehmigung Sr. Ehrw. Herrn I.andrabbiner Dr. Riilf, Braunselnveig. Streng rituelles Etablissement. Am Walde an schünst. staubfreier Lage, 4G Salons mit Balkons der Neuzeit elegant eingerichtet. Bekannt aussergewiihhlich gute Küche. Dieners und k Ia carte zu jeder Zeit, volle Pension mit extra guter Verpflegung incl. Wohnung von 6,50 Mk.' an. Jeden Samstag Gottesdienst in eigener von Herrn Professor Geb, Hannover, erbauten Synagoge iin Parke des Hotels. [3489 Geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. Besitzer: Hax Hecht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.