Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1901)
- Date
- 1901-05-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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42. Jahrgang. Hrke Aeilage zu M 34 des „Israelit". Leitender Artikel. K BkthtiliWW her sAWichtigeii ji. Sinkt am jiii'dcn Siclinioitöimtmidit. 8. Berlin, 23. April. Zur gleichen Zeit wie im Vorjahre hat wiederum das König!. Provinzialschulkollegium dem hiesigen Gemeindevorstand zwei Tabellen zugehen lasten, und zwar eine Uebersicht über die schulpflichtigen jüdischen Kinder in Berlin, welche ergangener Aufforderung ungeachtet weder den von der Synagogengemeinde eingerichteten, noch anderen Religionsunterricht erhalten, und ferner eine vergleichende Tabelle zwischen den Jahren 1900 bis 1901, welche an den Stichtagen: 1. Oktober 1897 und 1900 ausgenommen worden ist. Die erste Tabelle ist nach Schulklassen in zwei Gruppen getrennt am 1. Oktober 1900 aufgestellt; der jüngste Jahrgang umfaßt die drei untersten Klassen der Gemeindeschulen, der Vorschulen und der höheren Lehranstalten und etwa vier Klassen der höheren Mädchenschulen. Die Zahl der an den höheren Lehranstalten und dem Prinz Heinrich-Gymnasium in Schöneberg befindlichen jüdischen Knaben betrug in den älteren Jahrgängen 2077, in den jüngsten drei Jahrgängen 896, die Zahl derer ohne Unterricht sür die erste Kategorie 26 (gleich 1,20 pZt.), für die zweite 35 (gleich 3,91 pZt.). Im Vergleich zum Vorjahre ergibt sich, daß die Zahl sür die älteren Jahrgänge eine höhere ist und unter diesen die Zahl derer ohne Unterricht abgenommen hat. Dagegen ist die Zahl der in den jüngsten Jahrgängen befindlichen Knaben eine geringere geworden und Zahl und Prozentsatz der Knaben ohne Unterricht gestiegen. Der Grund hierfür — wie folgen hierbei den in der letzten Repräsentantenversammlung von Herrn Professor Blaschke in einem sehr eingehenden Referate gegebenen Erläuterungen — läßt sich aus den Tabellen nicht ersehen. Möglicherweise ist die Theilnahme der jüngeren Kinder am Unterrichte noch nicht von den Eltern gewünscht worden; vielleicht ist auch im Stundenplan eine Schwierigkeit gefunden worden, daß die jungen Kinder entweder eine Stunde früher hätten zur Schule gehen oder eine Stunde später aus der Schule kommen müssen. In den öffentlichen höheren Mädchenschulen betheiligten sich unter 983 Schülerinnen in den älteren Jahrgängen 14 (gleich 1,42 pZt.), unter 677 Schülerinnen in den jüngsten drei Jahrgängen 6 (gleich 1,04 pZt.) nicht am jüdischen Religionsunterricht. Recht ausfällig erscheint, daß die Zahl der in diesen Schulen befindlichen jüdischen Schülerinnen gegen das Vorjahr, das noch 1709 Schülerinnen aufwies, erheblich abgenommen hat; es sind in diesem Jahr nur 1660. Es ist kaum anzunehmen, daß die jüdischen Eltern in geringerem Maße ihre Kinder in diese Art Schulen schicken, wenngleich auch der Verwaltungsbericht, welchen die Stadt Berlin herausgegeben hat. eine allgemeine Abnahme der Zahl der in den höheren Knaben- und Mädchenschulen befindlichen Zöglinge hat konstatiren können. Es bleibt jedoch die Möglichkeit offen, daß die Mädchen in die privaten Töchterschulen in größerer Zahl übergeführt oder aber daß die Kinder dem christlichen Glauben zugeführt worden sind. Eine fernere Möglichkeit besteht endlich darin, daß die Zahl der jüdischen Mädchen vielleicht eine geringere geworden ist, damit würde natürlich auch die Zahl der eingeschulten Mädchen eine Abnahme erfahren. Es kann uns jedoch die Thatsache Beruhigung gewähren, daß auch die Zahl der ohne Unterricht befindlichen Mädchen im entsprechenden Verhältniß und zwar in beiden Alterskategorien abgenommen hat. Für die städtischen Gemeindeschulen ergiebt sich das erfreuliche Resultat, daß die Frequenz sowohl unter den Knaben wie unter den Mädchen gegen das Vorjahr eine höhere geworden ist. und es sollte das Bestreben mehr und mehr gefördert werden, die jüdischen Kinder in größerer Zahl als bisher diesen Schulen zuzuführen. Dementsprechend ist auch die Zahl der ohne Unterricht befindlichen Zöglinge gestiegen. Unter 791 Knaben in den älteren Jahrgängen erhielten 23 (gleich 2,90 pZt.), unter 1110 in den jüngsten 3 Jahrgängen 66 (gleich 6,86 pZt.), unter 838 Mädchen in den älteren Jahrgängen 26 (gleich 2,98 PZt.), unter 986 in den jüngsten drei Jahrgängen 44 (gleich 4,47 pZt.) keinen Religionsunterricht. Daß die Zahl für die jüngsten Jahrgänge bezüglich der Nichtbetheiligung am jüdischen Religionsunterricht gestiegen sind, hat wohl darin seinen Grund, daß die Kinder der untersten Klassen leider noch häufig am christlichen Unterrichte Theil nehmen und recht oft auch nach Absolvirung der unteren Klassen in die höheren Schulen übergeführt werden. In den jüdischen Schulen ist gegen das Vorjahr die Besuchsziffer unter den Knaben eine nur unwesentlich geringere, unter den Mädchen ist eine kleine Zunahme eingetreten. Es wurden gezählt an Knaben in den ^älteren Jahrgängen 791, in den drei jüngsten Jahrgängen 1110, an Mädchen entsprechend 263 und 161. Die jüdischen Schulen haben sich nach dem letzten