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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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774 Liebe verschmäht, daß sie zu einem traurigen, einsamen Leben verdammt wurde. Bewundernd blickte sie an der hohen, schlanken, doch der Fülle nicht entbehrenden Gestalt ihres Lieblings empor, und ihr Auge blieb auf dem goldenen Gelocke haften, welches den schön geformten Kopf umgab. Und erst diese lachenden blauen Augen, über die sich die glatten Brauen wie im Halbkreise wölbten, unv keine abschreckende, unheilverkündende Linie bildeten, wie bei ihr selber. Elise hatte für sich und die Tante eben den Nachmittagskaffee gebracht, und wollte sich nunmehr niedersetzen, um den dufienden Kaffee zu schlürfen. Da läutete eS im Vorzimmer. Elise öffnete die Thüre, durch welche der Briefträger eintrat und einen recomandirten Brief brachte. Während Gundel die Empfangsbestätigung unterschrieb, drehte Elise den Brief von allen Seiten um. Von wem mag das sein, dachte sie; der Poststempel aus Wien, und die Adresse von so ungelenker Hand geschrieben? Es soll nur nichts Trauriges sein? Ich freue mich schon so auf die Ferien, daß ich das gute Tantchen ein bischen hinaus zur Erholung bekomme, und jetzt sollte eine Störung darin kommen! Der Briefträger hatte sich entfernt, und die Lehre rin den Brief erbrochen. Elisens Augen betrachteten gespannt die Miene der Lesenden. Doch statt der gefürchteten Trauermiene huschte ein Lächeln über ihre Züge, das zu Ende des Lesens sich in lautes Lachen verwandelte. „Da lies, Liesel, was mir der Better aus Wien schreibt!" Auch Elise konnte während des Lesens ihre Heiterkeit über diesen sonderbar abgefaßten Brief nicht unterdrücken. Dann aber wurde sie ernst und sprach: „Die Sache ist nicht ganz zu verwerfen, Tante, Du könntest wirklich während der Ferien nach Wien fahren; ich hatte schon früher daran gedacht, daß Du eigentlich auch die Ausstellung sehen solltest, schon Deiner Schülerinnen wegen, denen Du dann so Vieles davon erzählen könntest. Ueberdies fahren fast alle Lehrer, ebenso wie der alte Direktor, zur Ausstellung nach Wien." „Für mich ist der Großstadttrubel nichts mehr," antwortete die Lehrerin, „und wenn ich mich dennoch entschließen würde, ich meine, wenn, — so geschähe es blos Deinetwegen, Liesel, damit Du auch etwas von der Welt zu sehen bekömmst." „Ich," meinte mit tiefem Erröthen das junge Mädchen, „ich bin ja nicht einmal eingeladen worden." „Natürlich," ftel Gundel lachend ein. „der gute Vetter Anton weiß ja nickt, daß Fräulein Kunigunde Barta ein Töchterchen hat, sonst hätte er Dich auch eingeladen. Nun, wir wollen's versuchen. Nach Schulschluß packen wir unsere Koffer und dann: auf nach Wien in die Weltausstellung!" „Aber wird mick Frau Fischer auch entbehren tonnen'^ Sie brauckt mich dringend, denn feit sie augenleidend geworden, kann sie ja die Leihbibliothek nicht allein führen." „Sie muß Dich entbehren, dann soll halt der Moritz sich mehr brauchen lasten. Wir fahren. Basta! Und jetzt keine Einrede mehr, sonst werde ich böse." „O, nur das nicht. Du gutes Tantchen, denn ich freue mick ja so aut Wien und die Ausstellung. Und darf ich der Frau Fischer erzählen, welches Glück mich erwartet?" „Geh' nur, Du Wildsang, Deine Freude ist ohnehin keine vollkommene, so lange Du sie nicht der Frau Fischer mitgetheilt hast'" (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jetositl te mindeste»- zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlmrgen und Postämter nehme» Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch V. j#r. Sleinackrv, Leipzig, Notzplatzjö. — Inserate 25 Pfennig die »ter^efpittten« Petitzeile »der deren Raum. 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Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Betheiltgung der schulpflichtigen jüdischen Kinder am jüdischen Religionsunterricht. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. jPosen. Oesterr.-llngar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland : Mainz. Berlin. Hannover. Posen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Mähren. Frankreich: Paris. England: London. Palästina: Jaffa. — Mittheilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben: Holleschau. Belletristische Beilage: Heimgefunden. Verantwortliche Redactton Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der 3oh. Wirth'fcheu Hofbuchbruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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