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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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m habenderen auS, welche öffentliche Hilfe bisher nicht in Anspruch genommen haben. T. Rumänien. Bukarest, 30. April. Mit dem Rücktritt des Ministeriums Carp ist auch die Hoffnung auf eine gesetzliche Regelung der „Rechtsverhältnisse der fremden Religions-Genostenschaften" und damit die Aussicht geschwunden, daß den rumänischen Israeliten durch die Organisation vom Staate anerkannter Schul- und Kirchengemeinden ein Ersatz für ihre wenn auch nicht gesetzliche, so doch tatsächliche Ausschließung von den Staatsschulen geboten werde. Da sich nun außerdem die Geschäftsverhältniste im Lande seit dem letzten Frühling keineswegs gebeffert haben, so ist es nicht zu verwundern, daß trotz aller im Vorjahre gemachten schlechten Erfahrungen von der großen Menge der rumänischen Israeliten die Auswanderung als der einzige Weg zur Rettung aus ihrem Elend angesehen wird. Glücklicherweise hat sich aber in diesem Jahre die „Jewish Kolonisation Association" der Sache angenommen und unter Erörterung der hierfür erforderlichen Geldmittel die rumänische Auswanderungsbewegung in eine zweckentsprechende Bahn geleitet. Im Laufe dieses Jahres soll eine größere Anzahl von 200 bis 300 Köpfe starken Auswanderergruppen in Kanada angesiedelt werden. Zwei solche Gruppen sind bereits in aller Stille und ohne jedwedes Aufsehen aus der Moldau nach Amerika abgegangen; eine dritte Gruppe solgt dieser Tage nach und glaubt man, noch im Laufe dieses Jahres rür 5000 bis 6000 rumänische Israeliten jenseits des großen Masters eine neue Heimath gründen zu können. Und zwar sind es ausschließlich jüngere, zumeist unverheirathete Männer, welche als Kolonisationspionire abgeschick^ werden, um das Feld für den späteren Zuzug ihrer Familienangehörigen vorzubereiten. Angesichts dieses von der „Jewish-Kolonisation-Astociation" mit großer Umsicht und den entsprechenden Geldmitteln gemachten praktischen Versuches, der israelitischen Uebervölkerung namentlich der Moldau allmählich abzuhelfen und den in Rumänien rechtlos in Bildungsarmuth und Schmutz verkommenden israelitischen Proletariern fruchtbringende Arbeit als Kolonisten zu verschaffen, hat die hier früher viele Anhänger besitzende zionistische Bewegung sehr an Einfluß verloren. Dies mit um so größerem Rechte, als sich die Pfortenregierung gegenüber der Einwanderung rumänischer Israeliten nach Palästina ablehnend verhält und von der Anlage neuer israelitischer Kolonien in jener Gegend keine Rede sein kann. — Bulgarien. Sofia, 30. April. Die „Agence Bulgare" giebt folgende Darstellung der am Sonntag in Küstendil vorgekommenen Ruhestörungen. In Folge einer Rauferei zwischen einigen Knaben, wobei ein bulgarischer Knabe in die Synagoge geschleppt wurde, kam es am Sonntag während der Abwesenheit des Präfekten zu einer Bewegung gegen die jüdischen Einwohner, von denen einige mißhandelt wurden. Die Hauptschuldigen wurden verhaftet. Feuilleton. Mine gebildete Mrcni. Von Wabettt» Iried. io] Seine Frau verfügte wohl über ein ziemliches Privatvermögen; doch der Angstschweiß trat ihm auf die Stirne, wenn er nur daran dachte, sie um Herausgabe eines Theiles davon anzugehen. Nicht etwa, daß der Meister ein sog. Siemandl gewesen wäre, beileibe nicht, aber seine Frau hatte so etwas an sich, das ihn vor einer Erklärung, wie sie in einem solchen Falle nöthig gewesen wäre, zurückbeben ließ. Als ihm vor mehreren Jahren die unerwartete Erbschaft in den Schoß gefallen war, hatte die bedächtige Frau Margreth dringend gerathen, das Geld nicht anzufaffen, sondern als Aushilfe anzulegen für Zeiten des Bedarfes, die komnien könnten. Auch Muhme Gundel hatte seiner Frau beigestimmt, als er mit ihr den Nachlaß des gemeinsamen in der Fremde gestorbenen und verdorbenen Vetters getheilt hatte, dessen einzige, wenn auch weitläufige Verwandte sie beide waren. Aber er hatte seine Frau eine dumme Gretl und seine Muhme eine unpraktische, verschrobene Lehrerin geheißen, und die ganze Erbschaft in die vier Mauern seiner neuerbauten Fabrik gesteckt. Jetzt hatte er die Fabrik stehen, aber auch das Geschäft stand still. Die Wiener Bevölkerung war durch den Börsenkrach außer Rand und Band gerathen und dachte an nichts weniger, als an Einkauf von Möbeln, besonders, da bei den zahlreichen Executivverkäufen, die tagtäglich stattfanden, das Möblement ganzer fürstlich eingerichteter Wohnungen zu einem Spottpreis abgegeben wurde. Poldi, Bartcsts Stiefsohn, verbrachte wohl den ganzen Tag in der Ausstellung, wo er eine kunstvoll ausgeführte Kollektion feiner Arbeit ausgestellt hatte, doch war es ihm bisher nicht geglückt, Aufträge zu erhalten, oder gar neue Geschäftsverbindungen anzuknüpfen, so anerkennend sich auch die Besucher sowohl, als die Jury darüber aussprachen, — und mit der goldenen Medaille, die Barta erwartete, konnte er seine Zahlungen nicht decken, sein Geschäft nicht weiter führen. Was wohl Gundel mit ihrer Hälfte der Erbschaft angefangen? fragte sich öfter Barta im Stillen. Ver-

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