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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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771 „Im aktiven Offizierkorps der galizischen Regimenter gibt es nur sehr wenig Juden, etwa zwei Prozent. Anders sieht es schon bei den Aerzten aus. In 18 Infanterie-Regimentern finden wir 72 Aerzte im Aktivstand?, darunter 22 Juden (30,4 Proz.), in der Landwehr sogar unter 20 Aerzten 12 Juden, das ist 40 Proz. Wir wollten aber von den Reserveoffizieren sprechen. In den galizischen Freiwilligen-Abtheilungen fehlen die Angehörigen des Bürgerstandes. Dort dienen die Söhne der Schlachta und der Beamtenschaft und — der Juden, Betrachten wir nunmehr die einzelnen Regimenter, so sind im Ganzen bei sämmtlichen galizischen Jnfanterieregimentern 1479 Reserveoffiziere, davon 228, gleich 10 Proz., Juden. Das Landwehrinfanterieregiment Krakau zählt 430 christliche und 117 jüdische uichtaktive Osfiziere. Das Regiment Rzeszow zähls 323 und 98, das Regiment Przemysl 360 und 04, Lemberg 210 und 40, Stanislau 186 und 49, Czernowitz 187 und 39, Zloezow 104 und 04, Kolomea 100 und 42, das ist zusammen 2010 nichtaktive Offiziere, davon 008, gleich 21 Proz., Juden. Ferner haben die galizischen Landwehrregimenter zusammen 294 nichtaktive Aerzte, hiervon 148, oder 00,3 Proz., Juden inr Stande, Soweit der Bericht eines Fachmannes aus Galizien." Die Resultate dieser Statistik ärgern die Antisemiten — uns nicht! England. London. (Tie Juden von Johannesb u r g.) Wie den, „Jetvish Ehronicle" aus Johannesburg gemeldet ivird, haben sich die Zustände daselbst seit der erfolgten Besetzung der Stadt durch die Engländer noch wesentlich verschlimmert. Die Aussichten auf eine endliche Wiederkehr geordneter Zustände sind jetzt geringer noch, als vor einem Jahre, da die Schlacht bei Paadersberg geschlagen ward. Die Frauen und Kinder haben die Stadt verlassen müssen und leben jetzt, fern von ihren Glatten und Vätern, in den Hafenstädten, In Johannesburg sind die Lebensmittel ebenso unerschwinglich theuer wie schlecht und dürfen überdies nur auf ausdrückliche Erlaubnis) der englischen Behörden — welche diele Erlaubnis; nur mürrisch und sehr ungern crtheilen — gekauft werden. Aus diesen Gründen dauert die Auswanderung aus Johannesburg, welche mit dem Ausbruch des Krieges ihren Anfang nahm, auch jetzt noch fort, und die Regierung sucht dieselbe noch zu ermuntern, indem sie für jeden Auswanderer die ganze Reise bis nach Europa bezahlt. Unter solchen Umständen ist die jüdische Gemeinde in Johannesburg sehr zusammengeschmolzen. Dennoch sind die zurückgebliebenen Juden bemüht, den alten Ruf, den die jüdische Gemeinde von Johannesburg sich erworben hat nach Möglichkeit zu erhalten. Das „Board of Guardians" hat die armen Juden des Randes mit Mazzoth versehen und die Chewrah-Kaddischa, welche trotz den schlechten Zeiten es sich nicht nehmen ließ, den siebenten Adar in alter Weise zu feiern, hat 200 Pfd. zur Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge aus dem Rand nach Kapstadt und Durban geschickt. Diese armen Leute, welche vor zwei Jahren in Johannesburg in glänzenden Verhältnissen gelebt haben, werden jetzt in den Hafenstädten Kapstadt. Durban und Port-Elisabeth, als Sündenböcke angesehen, auf welche die ganze Schuld an diesem für England so unglückseligen Krieg gewälzt Ivird. Leider wird das allgemeine Vorurtheil gegen die Johanuesburaer auch von den Juden getheilt und auf ihre aus dem Rande geflüchteten eigenen Glaubensgenosien übertragen. T. London. (König Eduard VII. und das j ü d i s ch e Kranken- und Waisenhaus.) Baronet Sir George Fandet Phillips hat in diesen Tagen vom Privatsekretär des Königs von England dem General Sir Dighton Probpn ein „Bukingham Palaee. den 1. April 1901" datirtes Schreiben erhalten, in dem mitgetheilt wird, daß der König das Protektorat über das jüdische Hospital und Waisenhaus zu Rorwood, welches er als Prime os Wales übernommen hat, als Könia Eduard VH. fortführen will. Das Waisenhaus hatte sich von jeher des Schutzes des englischen Königshauses erfreut. Die Königin Adelaide, die Herzogin von Kent, sowie die Herzöge von Suffex und Cambridge haben nacheinander das Patronat über diese Anstalt ausgeübr, Es ist aber das erste Mal, daß ein regierender König von England das Protektorat über dasselbe übernimmt. Das Kranken- und Waisenhaus ist übrigens die erste englische Wohlthätigkeit.institution, welch? König Eduard VIT. seit seiner Thronbesteigung unter seinen Schutz genommen bat. T. Rußland. Kiew. Die Ausrvanderung der Juden aus dem südrussischen Rothllandsgebiet, sowie dessen weitern 'Umkreise nimmt trotz dringender Warnung immer grössere Dimensionen an. Die Stimme der Vernunft verhallt ungehört. wenn der Hunger mitzusprechen beginnt. So wandern allein aus Mohilew (Podol) täglich Dutzende von Familien aus. Eine noch stärkere Emigration findet aus den kleinen Städtchen des Gouvernements Bessarabien statt, wie das Beispiel des Städtchens Ataki lehrt, aus welchem in einer einzigen Woche 200 Familien ausgewandert sind. Tie Emigration dürste noch weit grössere Dimensionen annehmen und sich noch „zu einer Kalamität für das gesammte Judenthum gestalten," Ivenn den gegenwärtig in Südrussland hungernden 20,000 Juden nicht schleunigste Hilf? gebracht wird. Leider wird durch die verstärkte Emigration nicht einmal der Erfolg erzielt, daß durch dieselbe die Lage der Zurückgebliebenen erleichtert wird, Die relativ Aermsten, welche jetzt schon bittere Roth leiden. besitzen zur Auswanderung nicht mehr die nöthigen Mittel, und es wandern nur die verhältnismäßig Wohl-

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