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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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770 da sagt: „Geschäft ist Geschäft, wer mein Bier haben will, bekommt es." Jedenfalls ein höchst idealer Standpunkt! Aber in den Ausführungen Böckels steckt noch mehr als das Zugeständnis ein reiner Geschäftspolitiker zu sein. Es handelt sich bei dem Geschäft Böckel- Hamburger nicht darum, daß Böckel etwa Artikel schreibt, für die er dann Abnehmer sucht. Nein, umgekehrt: er hat erst eine Vereinbarung mit Dr. Hamburger getroffen auf Lieferung von Artikeln (bester gesagt, von große, geistige Arbeit nicht erfordernden Kommistionsberichten) und dann, diesem Abkommen entsprechend, die „Artikel" geliefert. Böckel befindet sich also nicht in der Lage des unglücklichen Schriftstellers, der irgendetwas geistig produzirt hat und nun herumsuchen muß, wo er es verwerthen kann, sondern er ist ein von vornherein fest firirtes litterarisches Verhältniß eingegangen." Kihirigen. (Unlieb verspätet.) Zwei Trauernachrichten sind es, die ich heute zu berichten habe. Am 9. April nve pmx bw tr* my wurde Frau Helene Stern, nachdem solche das stattliche Alter von 80 Jahren erreicht hatte, beerdigt. Die Verstorbene, welche trotz ihres Reichthums eine sehr bescheidene, gegen Jedermann liebenswürdige und gefällige Frau gewesen, hatte sich durch lebhafte Wohlthätigkeit, Menschenfreundlichkeit und Frömmigkeit ausgezeichnet. Obwohl wegen rm eine Trauerrede nicht stattfinden konnte, ließ es sich Se. Ehrw. Herr Diftr.-Rabb. Adler nicht nehmen, einige Worte an der Bahre der selig Entschlafenen zu svrechen, anknüpfend an die Worte unserer Weisen: „Und wenn das Alter hoch wird, währt es achtzig Jahre," besonders hervorhebend, daß die Verschiedene ibr langes Leben nur zur Ausübung von guten Thaten verwendete. Zur Beerdigung waren Leidtragende aus allen Konfestionen und Ständen erschienen, und war eine solch' große Betheiligung noch selten hier gesehen worden. Am Grabe auf dem jüdischen Zentralfriedhofe in Rödelsee gedachte Herr Lehrer Frank von dorten ebenfalls durch einige von Herzen kommende und zu Herzen gehende Worte der Tugenden der Entschlafenen. Der vor ca. 10 Jahren bereits im Tode vorausgegangene Ehegatte der Verstorbenen war viele Jahre erster Kultusvorstand der Israelitischen Gemeinde und Mitglied des Gemeinde-Kollegiums der politischen Gemeinde. Nach besten Tod erhielt der ältere Sohn, Herr Benjamin Stern, das erstere Ehrenamt, während das letztere auf den zweiten Sohn, Herrn Sigmund Stern, überging. Beide Herren sind noch zur Zeit im Besitze der betreffenden Ehrenämter, ein Beweis der Tüchtigkeit derselben und der Beliebtheit der Familie. Der zweite Trauersall ereignete sich in unserer Nachbargemieude Kleinlangheim, woselbst nach dem gesegneten Alter von fast 101 Jahren Frau Wiesengrund verschied, die am 12. April res beerdigt wurde. Gelegentlich deren hundertstem Geburtstage brachte bereits der „Israelit" eine kurze Beschreibung ihres Lebens und Wirkens, weßhalb heute eine nochmalige Wiederholung nicht nöthig erachte. Burqpreppach, 28. Avril. Am 22. d. Mts. hielt unser neuer Rabbiner und Direktor der Talmud-Thora- Schule, Herr Dr. Cohn aus Hamburg, dahier seinen Einzug. Dessen Amtsvorgänger. Herr Rabbiner Dr. Bamberger-Hanau, der durch seine hervorragende Thätigkeit und eminent liebenswürdiges, freundliches Wesen ein Plätzchen in den Herzen Aller sich gesichert, hatte sich eigens zu seiner Begrüßung und Einweisung eingefunden. Den Ruf großer Gelehrsamkeit, der unserem neuen Rabbiner vorausgeht, scheint derselbe auch vollauf zu rechtfertigen. Seine in der Talmud-Thora- Schule gehaltene Ansprache, wie auch insbesondere seine heutige Antrittsvredigt, der Form wie dem Inhalte nach gleich meisterhaft und festelnd, zeugen von ehrlichem Streben, redlichem Wollen und gediegenem Wisten, io daß er sich die Herzen seiner Zuhörer, Sturm erobert hat. Am verflossenen Sabbat fand in der hiesigen Synagoge die feierliche Installation des Herrn Distriltsrabbiners statt. Zu dieser Feier waren auch der katholische Geistliche, die Lehrer, sowie andere Mitglieder der christlichen Gemeinde erschienen. Nach einem einleitenden, wirkungsvollen Gesänge bestieg Herr Dr. Cohn die Kanzel und hielt eine inhaltsreiche Antrittsvredigt, die ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht versagte und volle Befriedigung bei den Festtheilnehmern hervorrief. Er entwickelte an der Hand des Vibelverses: mp b~ -tyz: t.'z -ereilt Programm seiner künftigen Thätigkeit im neuen Wirkungskreise. Ein stimmungsvolles Gebet für den König und das erlauchte Herrscherhaus schloß die erhebende Feier. Möge seine Amtsthätigkeit, der hier so reiches Feld geboten, gleich der seiner bewährten Herren Vorgänger, eine Gottgesegnete sein, möge insbesondere unsere Talmud-Thora-Schulc, das Werk unseres unvergeßlichen verlebten Rabb. Hirsch s. A.. sich unter seiner Leitung immer weiter entwickeln und gedeihen. Unsere besten Wünsche geleiten ihn und in diesem Sinne rufen wir dem neuen Führer ein fröhliche? Glück ans und herzliches Willkommen zu. K. O e st e r r. - 1l n g. M o n a r ch i e. Wien, im April. lD i e Juden in der A r m e e.) Stellen die Juden ein geringes Contingent zu den Aruteen der Völler, so sind sie feig, ist der Prozentsatz jüdischer Soldaten aber ein großer, so sind sie vordringlich und eine „Gefahr" für das betreffende Land; der letztere Vorwurf wird jetzt in Oesterreich gegen die galizischen Juden erhoben, weil die Anzahl der jüdischen Offiziere im Reservestand der galizischen Regimenter eine verhältnißmäßig große ist. Ein antisemitisches Blatt berichtet darüber:

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