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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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abzustellen, und das Krankenhaus in einem den modernen Anschauungen entsprechenden Umfange zu erweitern, in völliger Uebereinstimmung mit der geehrten Versammlung, können jedoch die aus einer solchen Reorganisation sich ergebende bedeutende Mehrbelastung des Gemeinde-Etats — es handelt sich um eine Erhöhung des Aufwandes von 60,000 Mk. auf ca. 160,000 Mark jährlich — nicht verantworten, so lange nicht die Garantie geboten ist, daß den Gemeindebehörden hinsichtlich der Verwaltung des Krankenhauses ein maßgebender Einfluß Zusteht und daß seine Beschlüffe auch thatsächlich Zur Ausführung gelangen." Bei Punkt 3, Vorlage betr. das Schulgeld in den Religionsschulen, entsteht eine sehr erregte Debatte. Während der Vorstand für eine Ermäßigung eintritt, und jedem Antrag auf gänzliche Befreiung einzelner Schüler Folge geben will, sind die Repräsentanten für völligen Erlaß und sehen ihre Meinung mit geringer Minorirät durch. Wer die eigenthümlichen Berliner Verhältnisse kennt, muß auf Seite des Vorstandes stehen. — Bei der Auslassung der Repräsentantenstellvertreter trifft das Loos die Herren Oscar Berlin und Sanitätsrath Josiwitz, welche am 31. Dezember 1901 ihr Amt niederzulegen haben. Um 12 Uhr feind die Amtseinführung des zum Aeltesten-Stellvertreter gewählten Herrn Landgerichtsrath E. Löwe statt. Herr Bernhard Sachs begrüßte denselben mit herzlichen Worten, für welche der Gewählte dankte. — Von Subventionen sind bewilligt worden: 3) dem Religionsverein Beth Zion 1000 Mk. auf drei Jahre, 2) Ahawas Scholaum 1600 Mk. auf ein Jahr. 3) Lippmann Tauß 1600 Mk. auf ein Jahr, 4) Steglitz 1000 Mk. auf drei Jahre, 5) Westen 6500 Mark auf drei Jahre, 6) Schochare hatow und Vne brith 3200 Mk. auf drei Jahre, 7) dem Verein für jüdische Geschichte und Litteratur 800 Mk. auf drei Jahre, 8) der Erziehungsanstalt in Ahlem 600 auf drei Jahre, 9) dem israelitischen Volks-Kindergarten und Hort 300 Mk. auf drei Jahre. E. R. Berlin, 30. April. Eine wunderliche Erbschaft ist der hiesigen Gemeinde zugefallen. Der verstorbene Bauunternehmer Hermann Hirschberg hatte dieselbe in seinem Testamente zur Erbin seines Vermögens in der Höhe von 150,000 Mk. eingesetzt, während er seine nächsten Angehörigen, seine Frau und drei Kinder, mit ihrem Pflichttheil abspeiste. Da ein Erbschaftsprozeß unvermeidlich schien, ließ der Gemeindevorstand eine genaue Aufstellung des Nachlaßes machen, wobei sich zur allgemeinen Ueberraschung herausstellte, daß die gesummte Hinterlassenschaft blos 8200 Mk. betrug. Außerdem entdeckte man, daß der sonderbare „Wohlthäter" Jahre lang Unterstützungen von einem Humanitären Verein bezogen hatte, der nun gleichfalls seine Ansprüche auf Rückzahlung des durch falsche Angaben erschlichenen Geldes geltend machte. Unter solchen Umständen beschloß der Gemeindevorstand, auf das fragwürdige Legat ganz zu verzichten. Hamburg, 30. April. Antisemitischer Gewerbebetrieb im Umherziehen sind die sogenannten „Burenkundgebungen," die jetzt in den Städten der Provinz Schleswig-Holstein veranstaltet werden und bei denen nach der Reklameankündigung im Stile der „goldenen Neun" ein angeblicher Neffe des Burengenerals Dewet reden soll. Nachdem die Dummen, die nicht alle werden, eine Mark Entree bezahlt haben, wird ihnen mitgetheilt, daß nicht Herr Dewet, der zur Zeit in Hannover herumreist und dort das Feld abgrast, reden wird, wohl aber Herr Fritz Raab aus Hamburg, Graf Reventlow, Pfarrer Schowalter aus Ludwigshafen, oder wer sonst gerade von den antisemitischen Häuptlingen zur Stelle ist. So ging es bereits in Kiel, Flensburg u. s. w Wenn ein jüdischer Händler Halbleinen als Lakenleinen anpreist, schreien die antisemitischen Zionswächter Zeter und Mordio, aber ihr Dewet-Hausirhandel ist doch der ärgste „unlautere Wettbewerb," lediglich auf Täuschung des dummen Publikums berechnet. Posen, 30. April. (Verurtheilung eines antisemitischen Redakteurs.) Das Reichsgericht bestätigte das Urtheil des Posener Landgerichtes, wodurch der Redakteur des polnisch-antisemitischen Blattes „Postemp", Stanislaus Kaczmarek, wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft zu zwei Wochen Gefängniß verurtheilt worden ist. Neuenahr. Nach dem Rechenschaftsbericht des Vereins „Israelitisches Krankenheim" hier für die Jahre 1899 und 1900 betrugen am 22. November 1899 die Bruttoeinnahmen Mk. 4908.83, bei einem Bestand von 94 Mitgliedern, welche an Beiträgen Mk. 746.45 geleistet hatten. Im Sommer 1899 konnten 8 Patienten: 6 Frauen und 2 Männer, an 180 Pflegetagen verpflegt werden, mit einem Kostenaufwand von Mk. 862.45, im Sommer 1900 12 Patienten: 5 Frauen und 7 Männer, mit einem Gesammtkostenaufwand von Mk. 1156.85. Allendorf (a. d. M.-W.-Bahn), 30. April. In einer Versammlung, die der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel dieser Tage Hierselbst abhielt, äußerte er sich u. a. auch über seine ihm vorgehaltene Verbindung mit dem „jüdischen Journalisten Hamburger." Diese für ihn so heikle Affaire suchte er dadurch abzuthun, daß er seinen Zuhörern erzählte, er muffe als Schriftsteller froh sein, wenn er einen Zeitungsartikel los werden könne und könne nicht erst danach fragen, ob ein Jude sein Abnehmer sei, ebensowenig wie ein Gastwirth, der an einen Juden ein Glas Bier verkaufe. Dazu bemerkt die „Hessische Landeszeitung": „Böckel hat sich mit feinen Aeußerungen selbst moralisch vollständig preisgegeben. Er stellt sich als Politiker ganz auf den Sandpunkt des Bierwirths, der

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