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Der Israelit · 1901-05-02 · Heft 34 (2.5.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 34 (2.5.1901)
Date
1901-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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768 und neuen Errungenschaften der Religionsgefellschaft hin, und gar oft konnte er erzählen von großen Dingen, die da verbessert und verschönert oder neugeschaffen waren. Ihn gerade mußte die aufsteigende Geschichte seiner Gemeinde mit besonderer Genugthuung erfüllen, denn im Verein mit treuen, gleichstrebenden Genossen führte er die Angelegenheiten der gesetzestreuen Juden in Badens Hauptstadt von Erfolg zu Erfolg, zu neuen, unerhofften Siegen. Als gestern die zahlreichen Freunde und Verehrer des uns zu früh Entrissenen hinausgeeilt waren zum Friedhof der Religionsgesellschaft, um, was sterblich war an ihm, der Erde zu übergeben, da wurden an der Stätte der Wehmuth viele Worte der Anerkennung den musterhaften Einrichtungen der Karlsruher Religionsgesellschaft gewidmet, man war erstaunt, auch an der Art der Gebäulichkeiten und der Anlage des Friedhofs zu erkennen, in welch vollkommener Weis? eine kleine Schaar überzeugungstreuer, opferbereiter Männer all das in's Leben zu rufen verstanden hat, was unser heiliges Gesetz von einer Gemeinde verlangt. O Lobesworte für seine Religionsgesellschaft, wie freute es Rafael Wormser stets, wenn er bei Lebzeiten solche von aufrichtigen Freunden hören durfte! Gestern hörten wir aus dem Lobe der Karlsruher Religionsgesellschaft das Lob des Mannes heraus, der unermüdlich daran gearbeitet hatte, die Erfolge der Religionsgesellschaft möglich zu machen und dessen entseelte Hülle man jetzt dem heiligen Boden übergab, den er sich zur Grabesstätte ausersehen. In Karlsruhe wird viel Thora gelernt; viele Geschäftsleute dort glauben mit Recht die Stunden der Muße nichts Besserem widmen zu können, als dem Studium un^ es heiligen Gesetzes. Unter die Ersten, die dort mit Begeisterung und angestrengtem Denken Thora lernten und lehrten, wird Rafael Wormser gezählt. In der Religionsschule der Religionsgesellschast wirken neben dem hochverehrten Rabbiner Dr. Schiffer eine Reihe tüchtiger Lehrkräfte, die es verstehen, in die Herzen der Kinder die Saat reichsten Segens zu legen. Auch an diesen Erfolgen hat unser theuerer Freund, als umsichtiger, sorgender Schulvorsteher, unablässig mitgearbeitet. Die zahlreichen Wohlthätigkeitsvereine, die ihm ihre Verwaltung anveriraute, die Chebra Kadischa, deren Vorsteher er war, die Lernvereine und Klausstiftungen, die Grmeindebibliothek, die Kaschruseinrichtungen, die seiner Fürsorge unterstanden. Alles hat er wohlgeordnet in blühendem Zustand seinen Nachfolgern hinterlassen. Ein Parnes und ein Manhig ist mit ihm dahingegangen, den man den Großen aus Israels Vergangenheit zur Seite stellen darf. Wie nicht anders zu erwarten, war die Betheiligung an dem Leichenbegängniß eine außergewöhnlich große; nicht nur die Zahl der Theilnehmer, sondern mehr noch die aufrichtige Theilnahme, der lebhafte Schmerz, der sich auf dem Gesichte der zahlreichen Leidtragenden, besonders bei allen Karlsruher zeigte, verkündete laut und eindringlich, daß hier eine ganze Gemeinschaft einmüthia einen herben Verlust beklagt. Die vier ergreifenden Reden, die an der Bahre gesprochen wurden, gaben diesen Gefühlen lauten Ausdruck. Zuerst sprach tiefbewegt und alle Herzen bewegend Herr Rabbiner Dr. Schiffer. Er vor Allem war berufen, auf die Lücke hinzuweisen, die durch den Verlust eines solchen Mitgliedes in seiner Gemeinde klafft. Der Schwager des Dahingeschiedenen, Herr Rabbiner Wagenaar aus Arnheim in Holland, folgte als Redner; kein Auge blieb bei den beredten Worten dieses liebevollen Verwandten thränenleer. Ein weiterer Schwager, Herr Benjamin Hirsch aus Halberstadt, sowie ein Freund und Kollege in der Gemeindeverwaltung, Herr Samuel Straus aus Karlsruhe, verstanden es, in meisterhaften Reden den großen Verdiensten des Vielbetrauerten gerecht zu werden. Viele Nachbargemeinden hatten Vertretungen zum Leichenbegängnisse geschickt, besonders nennen wir die Religionsgesellschaften von Frankfurt, Darmstadt und Mainz. Außer den genannten Herren Rabbinern waren noch zugegen die HH. Rb. A p e l l u. P o s n e r —Karlsruhe, Bamberger — Schildberg, Bondi —Mainz, Buttenwiese r—Straßburg, Löwenst e i n — Mosbach, Marx — Darmstadt, Unna — Mannheim. Anwesend waren auch der Geheime Regierungsrath Meyer und der Synagogenrath Fritz Me her. Im Trauerhause widmete Herr Stiftsrabbiner Dr. Blumenarund dem treuen Freunde einen tiefempfundenen Nachruf. Einer der Trauerredner hatte mit Hinweis auf den Schlüssel des Heiligthums, den der Hohepriester bei der Zerstörung des Tempels zum Himmel reichte, ausgeführt, daß mit dem letzten Hauche Rafael Wormser's der ihm anvertraut gewesene Schlüssel des Heiligthums zu Boden fiel. Dem Wunsche des Redners, daß treue Hände diesen Schlüssel aufheben und führen mögen, schließen wir uns mit der sicheren Ueberzeugung an, daß das große Beisviel in Karlsruhe Nacheiferung finden wird und daß man dort wetteifern wird, dahin zu arbeiten, daß der große Riß möglichst wenig fühlbar werde. Der Allgütigc möge Trost senden der schwergeprüften Familie, Segen der ganzen wackeren Karlsruher Religionsgesellschast. n"ns»n. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. April. (Repräsentanten- Versammlung.) Der Gemeindevorstand hat an die Versammlung ein Antwortschreiben betr. die Beseitigung der im Krankenhause vorhandenen baulichen Mißstände gerichtet. In diesem heißt es: „Wir wissen uns in Bezug auf den Wunsch, die bezeichneten Mängel

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