Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1901)
- Date
- 1901-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 34. i Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlyum. Begründet von Dr. in Donnerstag, den 2. Mai 5661 (1961). Leitender Artikel. Aaphael Wormser y"X Mainz, 1. Mai. Einen großen Verlust hat die mit jugendlicher Friscke stets aufstrebende-, rastlos um den weiteren Ausbau ihrer Institutionen bemühte Religionsgesellschaft in Karlsruhe erlitten. Einer der besten Männer, einer der hingebungsvollsten Arbeiter ist nach Gottes unerforschlichen Rathschlutz jäh aus ihrer Mitte herausgerissen worden. Als man am Sabbat den immer wieder auf's Reue ergreifenden Einleitungsvers zu den Gesetzen des Versöhnungstages las: „Und Gott sprach zu Moscheh nach dem Tode der beiden Söhne Arons, als sie hintraien zu Gott und starben", als die Karlsruher altjüdische Gemeinde in ihrer herrlichen Synagoge andachtsvoll der Verlesung dieses ernsten Anfangs der Sidra lauschte, stand Rafael Wormser in der Mitte seiner Brüder, die stolz und freudig ihn zu den Ihrigen rechneten. Und vierundzwanzig Stunden waren kaum vorübergegangen, da erfüllte Wehgeschrei die Stadt, Rafael Wormser war hingetreten vor Gott, um priestergleich eine Mizwoh zu erfüllen, und kaum war er hingetreten, die Mizwoh war eben ausgeführt, da hatte der Allgütige sich geheiligt durch Einen, der Ihm nahe stand, hat Er einen Brand entzündet, den ganz Israel beweinen soll. Die Freude in der Erfüllung göttlicher Gebote war das höchste Lebensglück des Mannes, um den wir heute klagen; und die Mizwoh, auf die der Schriftvers "jircx bv '?:x w besonders Anwendung findet, die Mizwas Miloh, fand in ihm einen reinen, edlen Priester. Festlich hergerichtet war am Sonntag Morgen Rafael Wormser's Wohnung: ein fremdes Kind wollte der Hausherr einführen in den Bund Abrahams. Laut und kräftig sprach er die Brochoh, mit gewohnter Meisterschaft vollzog er dir Miloh, die Mizwoh war eben vollendet, da stürzte er zusammen, Gott hatte ihn zu sich genommen. An seinen drei letzten Lebenstagen, Freitag, Schabbos und Sonntag durste er noch an drei Knaben den Bund der Beschneidung ausführen, besonders viele Gemeindeangelegenheiten, wie von einer Ahnung getrieben, mit seinem treuen Freunde und Genoffen, den Gott uns noch lange erhalten möge, besprechen und ordnen; unb als am ersten Wochentage die Sonne ihren Hochstand noch nicht erreicht hatte, da wurde er zu Denen gezählt, von denen stolz verkündet werden kann craipn :r'ü" bx sie traten zu Gott hin und — starben. Was unser dahingeschiedener Bruder seiner Familie war, was die Armen und Kranken an ihm verloren, seine emsige Thätigkeit, seine unbestechliche Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe, all das zu schildern ist überflüssig; bei einem Manne mit dem jüdischen Pflichtgefühl, mit der jüdischen Menschenfreundlichkeit, bei einem Jehudi, wie Rafael Wormser es war, svricht man davon nicht. Wir wollen nur von den Pflichten sprechen, die er freiwillig auf sich genommen, durch die er seinen Pflichtenlreis nach eigener Wahl erweitert hatte und die er beispielgebend mit Umsicht, Ausdauer und Opferfreudigkeit lange Jahre hindurch mit stets regem Eifer erfüllte. Da war vor Allem die Religionsgesellschaft, die sein Vater, der unvergeßliche BaruchWormser s. A., unter schweren Kämpfen und unglaublichen Schwierigkeiten vor drei Jahrzehnten hat gründen helfen. Cs ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, nächst seiner Familie war die Religionsgesellschaft der Gegenstand seiner größten Sorge und seiner immerwährenden Hingebung. Wenn ein Freund und Gesinnungsgenoffe bei ihm zu Besuch weilte, so verlies die Zeit in anregendem, belehrenden Gespräch. Mit besonderem Stolze wies er dann auf die Fortschritte