Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 33 (29.4.1901)
- Date
- 1901-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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'75S Verlangen, und es müßte sich zum Zwecke von Kostenersparniß außerdem eine Kommission in Frankfurt bilden, die die Besorgung billiger Quartiere und Kost in die Hand nimmt. Aber wer soll die 100 Mk. und freie Reise zahlen? Gemeinden wird es wohl wenige geben, die derart opferbereit sind, das ideale Streben ihrer Lehrer dadurch zu unterstützen und zu fördern, daß sie willig in den Säckel greifen. Man lese nur, was manchmal sich so eine Gemeinde an Besoldung des Lehrers leistet. Da schreibt eine Gemeinde ihre vakante Stelle aus mit einem fixen Gehalt von jährlichen 650 Mark. Das macht pro Tag 1,78 Mk.; freilich ist der Betreffende, der die Stelle erhalten soll, noch so glücklich, unentgeltlich wohnen zu dürfen und nach Herzenslust sein Feuer erhalten zu können. Dafür wird aber von ihm verlangt, daß er vor allem tüchtig, dann seminaristisch gebildeter Lehrer sei. Er muß ferner schächten können und, damit die Bezahlung ja nicht umsonst geschieht, einen Chor leiten. Nun muß zwar nicht immer eine Gemeinde für die geringe Bezahlung verantwortlich gemacht werden, denn gar manche steht auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit; aber sie soll auch keinen seminaristisch Gebildeten verlangen, um ihn darben zu lassen, andererseits unterschätzt der sich auf solche Stellen meldende Kollege sich selbst. Doch genug davon. Jedenfalls glaube ich nicht, daß eine Gemeinde Zuschüsie zur Fortbildung gewährt. Wie eine anderweitige Entschädigung geleistet werden könnte, weiß ich thatsächlich nicht. Vielleicht kann ein verehrlicher Kultusvorstand meine Behauptung, daß die Gemeinden, wenn es sich um Gewährung eines Zuschusses für die Lehrer bandelt, nicht gerne in die Taschen greifen, als unwahr zurückweisen; ich würde ihm recht dankbar sein, meinen .Kallegen aber diese Entschädigung von Herzen gönnen. Venningen (Pfalz), 23. April. D. Rosenwald. A m b e r g , 24. April. Wie eine Erlösung aus dem beengenden Gefühl, das mich schon lange bedrückte, wurde mir der Leitartikel in Nr. 31 dieser geschätzten Zeitung: „Ein Wort an den jüdischen Lehrer" von Sallv Geis, Frankfurt. Der Verfasser hat mir und jedenfalls den meisten meiner verehrten Kollegen, welche die Nothwendigkeit der vorgeschlngenen Weiterbildung instinktiv gefühlt, aus der Seele gesprochen. Wem die Interessen des Judenthums am Herzen liegen, dem wird bei allseitiger Erwägung und Beleuchtung dieser Frage zur Gewißheit werden, daß, wenn der Vorschlag greifbare Gestalt annimmt, der Nutzen für bbz ein eklatanter wird, und daß nur so der deutschen Judenheit auf die Füße geholfen werden oder — wie Herr Geis sagt — der Dammrutsch aufgehalten werden kann, besser, als durch alle „Judentage." Es ist dies ein Wort zur rechten Zeit und wir Lehrer haben alle Ursache, diesen Vorschlag sympathisch zu begrüßen. Ich möchte einen weiteren Nutzen erwähnen, der aus einem solchen Ferienkursus erwachsen möge. Nicht allein, daß die Theiluehmer an dem lange entbehrten, frisch pulsirenden jüdischen Leben in der Weltmetropole der deutschen Judenheit sich wieder erwärmen könnten und neue Kraft und frische Begeisterung für ihre edle Sache mit in ihre Wirkungskreise brächten, sondern es kann dadurch auch eineni anderen dringenden Bedürfnisse Abhilfe geschafft werden. Es herrscht — wie schon in diesen Blättern Erwähnung geschehen ist — ein großer Mangel an Mohelim, und ich glaube nicht falsch zu urtheilen, daß der Eine oder der Andere bei dieser Gelegenheit sich für diese heilige Kunst aniniiren läßt und sich eventl. dieselbe aneignet, wozu in Frankfurt ihm leicht die Hand geboten werden kann. Elias Godlewsky. (Vielleicht ist Herr Geis so liebenswürdig, seine so dankbar aufgenommenen Gedanken in's Praktische zu übertragen, getreu dem jüdischen Grundsätze: .nc: 'ib c'iaix nisci ‘rnnan da Red. d. „Jsr.") Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Würzburg, im April. Zu einer Zeit, in der Glaubensstärke und Glaubenstreue, wahrhaftes Durchdrungensein für unsere heilige nnaxi min immer seltener werden u. sich dieses beklagensiverthe Verhältniß besonders bei der jüngeren Generation zeigt, da trifft der Schmerz des Verlustes eines jungen Mannes, der im Gegensatz hierzu voll heiliger Begeisterung für min miayi, voll Hingebung an alles Edle und Erhabene, bei allem Eifer für seinen weltlichen Beruf, mit Festigkeit allen Versuchungen und Schwierigkeiten, die sich dem religiösen Leben entgegenstellen, widerstand, nicht nur den engen Kreis der Familie, sondern alle, die in ihrem Kampfe um die Erhaltung unserer heiligsten Güter mit Bangen in die Zukunft schauen, und ihr Vertrauen nur zum himmlischen Vater haben, der seine heilige Thora nicht vergessen und seine heilige nnax nicht untergehen läßt, a’asratp mnx bv jxpnb w '0 bv* Einen solchen Verlust haben wir mit der schmerzerfüllten, tiefgebeugten Familie. des Herrn Nathan E s ch w e g e, Hauptlehrer an der Präparandenschule zu Höchberg, in dem Hinscheiden ihres geliebten Sohnes, Herrn Simon E s ch w e g e, cand. med., zu beklagen. Am vorletzten Freitag Abend am b'bz hatte der so hoffnungsvolle, strebsame, für nxm naan min wahrhaft begeisterte Jüngling in der Frühreife seiner Jahre, kauni 23 Jahre zählend, seinen kurzen Lebenslauf beendet, um einzugehen in die lichten