Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 33 (29.4.1901)
- Date
- 1901-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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42. Jahrgang. Krste Aeikage zu ja 33 des „Israelit". Leitender Artikel. Zmii AkschlliStKs Hnr« Äl» Gtis-ßr«»kf>lrt erhalten wir eine Reihe zustimmender Schreiben, aus denen wir die folgenden zum Abdruck bringen: In Nr. 31 Ihres geschätzten Blattes brachte Herr Saly Geis unter der Marke: „Ein Wort an den jüdischen Lehrer" eine Idee Zur Kenntniß, die ganz sicher schon in manchem Lehrerherzen Wurzeln geschlagen, und nur wegen der Aussichtslosigkeit einer Verwirklichung wieder nieoergekämpft wurde; mir ging es wenigstens so, und da nun Herr Kollege Geis (ich darf wohl annehmen, daß Herr Geis Lehrer ist) den Weg zur eventl. doch möglichen Erreichung des Zieles: Erweiterung des jüdischen Wissens anbahnt, glaube ich ihm meine Anerkennung nicht versagen zu dürfen. Jedenfalls würde sich Herr Geis, falls der Plan zur Verwirklichung gelangen konnte, viele Lehrer zu Dank verpflichten. Ein „Ferienkurs für jüdische Lehrer" erscheint wirklich als ein dringendes Muß. Wenn man in Betracht zieht, wie in verschiedenen deutschen Staaten die Universitäten den Lehrern ihre Thore öffnen (bei uns in Badern z. B. sollen nach der „Bayer. Lehrerzeitung" diesjährig in Würzburg und Erlangen solche Kurse abgehalten werden), damit die Kollegen ihr Wissen in den verschiedensten profanen Gegenständen erweitern und vertiefen können, so ist diese Thatsache wirklich dazu angethan. uns jüdische Lehrer zu mahnen, auch unsererseits an den Bildungsbestrebungen der Zeit theilzunehmen und insbesondere uns in unseren jüdischen Religionsgegenständen, in welchen ja eine unerschöpfliche Fülle von allseitigem Wissen geboten wird, zu vervollkommneo und zu veredeln. Zeigen wir, daß wir keine Flachsmänner sein wollen, denen der Beruf nur ein Handwerk ist; zeigen wir, daß wir Ideale haben, jüdische Lehrerideale, die in dem unergründlichen Born jüdischer Wissenschaft ihre stärkende Nahrung saugen! Freilich derart, wie Herr G. sich das Zustandekomrnen eines solchen Ferienkurses denkt, glaube ich nicht an eine Möglichkeit weil meines Erachtens verschiedene Hindernisse im Wege stehen. Das steht fest, daß Frankfurt a. M., als die Metropole des Judenthums — um den Ausdruck beizubehalten - einerseits und für seine uns Süddeutschen zu Gute kommende günstige geographische Lage andererseits, die geeignetste Stadt für Abhaltung des Kurses ist. Etwas anderes aber ist die Dauer desselben. Herr G. schlägt vier Wochen vor; ich glaube, daß d i e Zeit zu lange ist. Man verstehe mich nicht falsch; es soll etwa damit nicht ausgedrückt sein, daß in vier Wochen zu viel gelernt würde, im Gegentheil: das Beste wäre, wenn die Fortbildung in diesen Kursen sich durch mehrere Jahre ziehen würde. Aber vier Wochen auf einmal, das erlauben die dienstlichen Verpflichtungen nicht, wenigstens bei uns Elementarlehrern in Bayern. Es müßte denn sein, daß diese vier Wochen in die Ferien fallen würden, die in den bayerischen Landschulen in den Monaten September und Oktober sind (und die meisten Kollegen sind ja an Landschulen). Das ist nun, wie Herr G. richtig bemerkt, wegen der in diese Zeit fallenden o'e» 2'2 :2 nicht möglich. Auch bezweifle ich (selbstredend habe ich nur bäuerische Berhältnisse im Auge), daß eine Kreisregierung im Anfänge des Winterhalbjahres, also bald nach Beginn der Winterschule, Urlaub ertheilt, und insbesondere auf die Dauer von vier Wochen. Nun könnte ja diese Zeit an den Ferien gekürzt werden, ob dieses Verfahren genehmigt würde, bezweifle ich wieder. Zudem sind die Schulkinder in der Zeit der Ferien in Gegenden mit landwirthschaftlichem Betriebe im Feld und Weinberg recht nützlich beschäftigt. Bei Religionslehrern ist das Verhältniß wesentlich anders. Wenn dieselben einen Vertreter als Schochet und Chasan staden {y&> )i%i den Schachet zuerst, weil viele Gemeinden einen Schochet suchen, der zugleich Kantor ist und nebenbei auch Religionslehrer sein soll!), so wird es ihnen leicht sein, abkommen zu können, da sie ihren Unterricht vor- oder nachhalten, im Kantor- und Schächterdiensi aber durch einen Nachbarskollegen oder frommen Privatmann in der Gemeinde vertreten werden können. Im Interesse der Allgemeinheit müßte die Zeit des Kurses eine bewegliche sein, d. h. mit Rücksicht auf die Jomtofim in einem Jahre im September, wenn Roschhaschona spät ist, im andern Jahre hinwiederum im Oktober, wenn anfangs dieses Monats die Feiertage enden. Für den Kursus würde ich eine dreiwöchentliche Dauer erforderlich erachten, die in mehreren Jahren fortgesetzt würde. Was die Lehrgegenstände betrifft, würde ich außer den beiden, von Herrn G. bezeichneten Fächern, auch gerne Geschichte des jüdischen Volks auf dem Lehrplan wissen. Zwar wird in den Litteraturvereinen gerade in diesem Gegenstände recht viel geleistet, aber einen zusammenhängenden Entwickelungsgang können wir dabei nicht verfolgen. Diese geschichtlichen Borlesungen hätten sich selbstredend auf mehrere Jahre zu vertheilen. Noch einen Punkt der Ausführungen des Herrn G. möchte ich berühren. Er lautet: „Selbstredend ist den Theilnehmern, die ja Alle nicht mit Gütern gesegnet sind, eine Entschädigung zu gewähren: freie Reise und vielleicht 100 Ml. Spesen." Diese Entschädigung ist zwar, auf vier Wochen berechnet, kein unbescheidenes