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Der Israelit · 1901-04-29 · Heft 33 (29.4.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 33 (29.4.1901)
Date
1901-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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745 iudaeus Apella, „das glaube der Jude Apella," ist ebensowenig boshaft gemeint, wie der Scherz über curti iudaei, was die Beschneidung treffen soll, oder tricesiina Sabbata, wo wohl an den Neumonds- oder Versöhnungstag gedacht ist. Aber nicht nur die Gelehrten-Litteratur, auch die Kundgebungen der Volksbühne waren oft mit judenfeindlichen Witzeleien gespickt. Wir haben leider schriftliche Denkmäler hierüber nicht. Nur eine kulturhistorische höchst bedeutsame Midraschstelle gibt uns einigermaßen Aufschluß und zeigt uns, wie auch damals schon billige Bühnenmätzchen und Theaterwitze in leichtfertigem Spott sich über Juden und Judenthum ergehen — tüte heute gewisse ßoupletä in niederen Vorstadtiheatern. Wir lassen hier die wörtliche Uebersetzung der interessanten Stelle (Midrasch echah Einleitung) folgen: Rabbi Abahu knüpfte seinen Lehrvortrag an Thorc, ein Spottlied bin ich berauschten Zechern." Das deutet auf die Heidenvölker, die im Theater und Eircus sitzen und, nachdem sie gegessen und getrunken haben, in wildem Rausche mich bereden und bespotten und sagen, wir brauchen nicht Johannisbrot zu kauen wie die Juden, und sagen einer zum andern: Wieviel Jahre möchtest Du noch kauen können? „Wie ein Sabbathemd der Juden!" (Arme zogen nur alle Sabbat ein reines Hemde an, und das bedurfte dann gründlicher Reinigung; der fade Witz liegt darin, er will noch rüstig sein, solange man braucht, um ein so schmutziges Judenhemd rein zu waschen, was wohl 100 Jahre dauert). Dann fiihren sie auch ein Kameel auf die Bühne und hüllen es in eine Decke und sagen einer zum andern, warum ist das Kameel so traurig? Antwort: die Juden halten jetzt ihr Siebentjahr und haben nicht Kraut noch Rüben und müssen daher das Kameelfutter essen, drum ist das Kameel traurig. Dann bringen sie Todte auf die Bühne, deren Haupt nicht (wie die Sitte es verlangt) mit Oel gesalbt ist, und fragen einander, warum ist des Tobten Haupt ungesalbt? da antworten sie: Die Juden faulenzen am Sabbat und was sie in der Woche erarbeiten, verzehren sie am Sabbat, nachher haben sie nicht einmal Holz, um zu kochen, und müssen ihre Betten zerbrechen, um mit dem Bettholz zu kochen, nun, da sie keine Betten mehr haben, müssen sie auf der schmutzigen Erde schlafen, daher salben sie sich mit Oel und daher ist das Oel so theuer (daß man nicht einmal die Tobten damit salben kann)!" Es liegt in diesen Schmähungen des jüdischen Glaubens die verzweifelte Abwehr des mächtigen, geistigen Einflusses, welchen damals das Judenthum ausübte, Synagogen und Thora-Lehrhäuser wurden von gemütbstiefen Heiden aufgesucht und die Edelsten fanden in der jüdischen Glaubenslehre den Herzensfrieden, den sie in der antiken Mystik vergebens gesucht hatten. Senecea, übrigens selbst getränkt mit jüdischen Gedanken, bekennt unumwunden, daß „die besiegten Juden den römischen Siegern Gesetze gegeben hätten." Jeder Einsichtige wird die begeisterte Aufnahme, die bei so vielen damals die jüdische Lehre fand — zu einer Zeit, wo Israel schon in verachteter Knechtsgestalt unter den Völkern wandelte — auf die göttliche Hoheit ihrer Ideen Zurückführen. Und wenn Tacitus im verhaltenen Grimm gegen die jüdischen Proselyten diese als „Verworfene" schmäht, so geht aus einer Mittheilung des Diocassius hervor, daß selbst die höchsten Adligen, Verwandten des Kaisers, judaisirten. D'.e Empfänglichkeit für die jüdische Religion wurde besonders durch die Verbreitung der griechischen Bibel (Septuaginta) gefördert. Hier fand man die Lügen und Vorurtheile widerlegt, welche von den Judenhehern geflissentlich verbreitet wurden. Auch die trefflichen Vertheidigungsschriften eines Josephus und Philo haben gewiß manchem die erste Anregung zu einer besseren und freundlicheren Denkweise über Juden und Judenthum gegeben. Mehr aber noch als die Menge von Schriften, welche den Nichtjuden die Herrlichkeit der jüdischen Weltanschauung darlegten, wirkte — zumal auf Frauen — die Innigkeit des jüdischen Familienlebens, die poesieumrankte Weihe des jüdischen Hauses. Der Zauber der Sabbatfeier und Feste mit ihrem stillen Frieden zog wohl manch' tiefer empfindendes Gemüth unentreißbar in den Bannkreis des Judenthums. Diese erstaunliche Expansionskraft behielt der Judaismus auch nach dem furchtbaren Schlag, der sein staatliches Dasein vernichtete. Ja, in der immer weitere Theile der Erde mit Juden bevölkernden Zerstreuung erkannten Israels Weisen den Willen der Vorsehung, durch vorbildliches Leben auf die Völker zum Guten cinzuwirken und so das Reich des Allmächtigen auf Erden herbeizuführen. „Eine Gnadenthat war es, die Gott mit Israel vorhatte, darum zerstreute er es unter die Völker." heißt es im Talmud. J:n Jeruschalmi findet sich das kühne Paradoxon nw crz rvvon tsnpan itc, „am Tage, da Israel mit der Zerstörung des Heiligthums seine Wanderschaft unter die Völker antreten mußte, wurde der Messias geboren." d. h. doch wohl, daß mit der eintretenden Diaspora sich allmählich die Zeit vorbereitete, in der sich die messianische Ideale eines Gottesstaates verwirklichen. Unzweideutig sagt Rabbi Elasar Sohn Pedals: Israel wurde nrlr zerstreut s"-: vnHy kjeuvp nd „damit sich Proselyten zu ihm schaaren." Diese Ueberzeugung, durch sein Dasein unter den Nationen das Heil der Menschheit herbeizuführen, liegt der schönen Deutung der Mechilta zu Grunde 'n bxvv" yae*. Begreife es immermehr, mein Israel, der Ewige, der jetzt nur von uns Juden als Gott anerkannt ist tnrr 'n, der wird einst der einzige Gott aller Menschen sein. Auch wir dürfen uns durch die traurige Wahrnehmung, daß auch heute noch verthierter Judenhaß,

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