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Der Israelit · 1901-04-29 · Heft 33 (29.4.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 33 (29.4.1901)
Date
1901-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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744 Bemerkung, daß selbst die Enkel des Kaiser Augustus in Jerusalem Opfer darbringen ließen, den Bericht des Tacitus, wonach Poppaea, die Gemahlin Neros, als Jüdin bestattet werden wollte, und seine Klage über die Hinneigung der.Heiden zum Judenthum, so erklärt uns alles dieses zur Genüge, warum Juvenal mit solchem Eifer bemübt ist, Juden und Judenthum lächerlich zu machen. Er tastet deßhalb selbst ihr ungetrübtes Belentniß eines geistigen Gottes in der plumpesten Weise an. Er schrieb: „Die Juden dienen nicht einem geistigen Gotte, wie sie sich brüsten, sondern sie dienen dem Himmelsblau und den Wolken, auch alle himmlischen Gestirne verebren sie." Celsius ist derselben Ansicht, nur daß er vom Gestirnkult bei den Juden nichts wißen mag. Petronius hingegen bringt wieder die Lüge von der jüdischen Gestirnverehrung auf. Die trübe Ouelle, aus der sie diese Ansicht schöpften, ist nicht aufzufinden, vielleicht verstanden sie jüdische Redewendungen, wie Jirath schamajim, Verehrung des Himmels, d. h. Gottes, falsch. Räthselhafter ist noch die Beschuldigung der Eselsanbetung, die Tacitus gegen die Juden ausspricht. Sie hätten bei ihrem Auszug aus Egypten kein Wasser gefunden und wären beinahe vor Durst umgekommcn, als Mose plötzlich eine Schaar von Wildeseln sah, die nach einem von einer grünenden Oase umrankten Felsen liefen. Da hätten sie denn Waffer gefunden und konnten mit neuer Kraft ihre Wanderung fortsetzen. Seit der Zeit hätten sie in ihrem Tempel da? Bild eines Esels, dem sie göttliche Ehre erwiesen. Plutarch schreibt das Lügenmärchen nach und Diodor Bibl. hist. II, der dem Judenihume Menschenhaß vorwirst, weiß sogar, daß Antiockus Ephiphanes bei seinem Eindringen in den Temvel das Eselsbild gesehen hat. Josephus widerlegt dieses antisemitische Revertoirstück des klassischen Altertums in seiner Vertheidigungsschrift gegen den griechischen Judensresser Apion. Ich vermuthe, daß die aus Sachariah 9,9 geflossene Ansicht, daß der Messias auf einem Esel erscheinen werde, zu dieser thörichten Verleumdung Anhalt gegeben habe! Das Rezept, nach dem die Judenhetzer damals arbeiteten, hat sich auch heute noch als brauchbar erwiesen. Man denke nur an die böswillige Schmähung, die der Judeneid wegen des Col-nidre-Gebetes erfahren hat' Heute gehen die Judenfeinde nur methodischer vor. Denn die Kultur, die alle Welt beleckt, bat auch auf den Teufel sich erstreckt. Ja Plutarch meint sogar, daß bei den Juden das Schwein heilig ist und dieserhalb nicht gegessen werde, es habe nämlich durch da?' Wühlen mit dem Rüssel in dem Boden ben Menschen zur Bearbeitung der Erde, zum Pflügen und Ackerbau die erste Anleitung gegeben. Das war damals eine wissenschaftliche Hypothese, wir lachen heute darüber, und doch sind viele moderne Erklärungsversu.che der Speisegesetze nicht mehr in dem nüchternen Wortlaut der Gesetzesvorschriften begründet, als diese Deutung des Alterthums. Andere, wie Florus, glauben, daß die Juden den Weingott verehren. Gewiß hat sie der Sabbat und Festessegen, der über einen Kelch Wein gesprochen ward und die Volksbräuche des Purimfestes, an dem dem Weine reichlich zugesprochen wurde, dazu gebracht, die Juden als enragirte Verehrer des Bachus auszugeben und ihre Leviten in „Lysioi" umtaufen! Sonst scheinen übrigens die Antisemiten damals über die jüdischen Sitten und Bräuche eben so schlecht unterrichtet gewesen zu sein, wie die heutigen, behaupteten sie doch, wie aus Suetvn ersichtlich, daß die Juden am Sabbattage fasteten. Lachhaft sind die etymologischen Erklärungsversuche des Wortes „Sabbat", es kommt nach einigen von Saber —- so hießen Bacchusverehrer — ober von Sabisus — so hießen an einigen Orten die Bacchusaufzüge. Rach Apion kommt Sabbat aber von Sabasus und beißt Aussatz! Denn wegen der Lepra seien die Juden aus Egypten vertrieben. Uebrigens keine Originalidee de? Apion, sondern aus der gehässigen Schrift des egyptischen Oberpriesters Maneton, 260 vor der ü. Z. entnommen. Wie verbreitet die gehässige Verleumdung war, zeigt Folgendes: Zur Zeit des Landpflegers Gessius Florus (64—66) brachten judenfeindliche Griechen in der am Meere gelegenen Stadt Caesarea, vor dem Eingänge der Synagoge, auf einem umgestürzten Topf ein Taubenopfer dar, wie es Aussätzige nach der Genesung bringen mußten; man wollte nur höhnisch die Juden an das alberne Märchen des Maneton erinnern. Da die beschimpften Juden dem Stadthalter Florus Vorhaltungen machten, daß er sie nicht vor dem Pöbel genügend schützte, entstanden Streitigkeiten zwischen den Juden und der römischen Regierung, deren tragischer Ausgang ja allgemein bekannt ist. Der Spötter Juvenal meint in seinen Satvren. Moses sei ein Faulpelz gewesen und diese Faulheit sei überhaupt den Juden erb- und eigentümlich, darum ruhten sie in jeder Woche einen ganzen Tag. Selbst der ernste Seneca sieht im Sabbat nur einen Tag träger Ruhe, und Tacitus bringt den Sabbat gar mit dem Eselskult in Verbindung: Am 7. Tage sei die Eselsheerde dem Mose erschienen. Diese Verhöhnung des Sabbat wurde von den Juden besonders schmerzlich empfunden (vergleiche Midrasch Echah zu Echab 1,6). Daß man den Sabbat als Fasttag ausgab, bat wohl die große Sabbatfeier des Versöhnungstages verschuldet. Weit gefährlicher für die Juden mußte aber folgende Tendenzlüge Apions sein. Als Antiochus den Tempel betrat, fand er dort einen kranken nicht jüdischen Mann in einem Bette, vor dem Bette siand ein Tisch mit allerlei Speisen; der erzählte dem König, daß die Juden alljährlich einen Griechen fingen, mästeten und opferten! Hier haben wir das erste Ritualmärchen in der Weltliteratur! (Joseph, contra Apion. II,S.) Der gemächliche Horaz scheint die ganze jüdische Religion als Aberglauben anzusehen und hält daher die Juden für leichtgläubig; sein unschuldiger Witz credat-

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