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Der Israelit · 1901-04-29 · Heft 33 (29.4.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 33 (29.4.1901)
Date
1901-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 33 Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoXe Iudentyum. Begründet von Dr. in Montag, de« 29. April 5661 (1961). mr Zwei Mrrvk abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate Kai & Juni auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrteftrSger aufgeaeben werden. Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen des Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Dir Erpr-ttiorr -es „IsraelU". Leitender Artikel. Antisemitische Stimmt» »ns km klnssischen Alteethnin.') Von Rabb. Dr. Max Beermann, Insterburg. Der Judenhaß ist nicht von heut und gestern; die Motive, aus denen er entspringt, die Formen, in die er sich kleidet, die ändern sich. Das griechisch-römische Alterthum war religiös duldsam, nicht aus Freisinn, sondern aus Gleichgiltigkeit. Daher war die Abneigung gegen die Juden, die wir hie und da auch schon damals bemerken, nicht aus Fanatismus herausgewachsen. Bespottete man die jüdischen Sitten, verhöhnte oder verdächtigte man die jüdische Religion, so geschah dies nur aus dem instinktiven Gefühl, damit das Nationalbewußtsein der Juden am empfindlichsten zu verletzen. Bei einem Rundgang durch die Hallen römischer und griechischer Litteratur begegnen wir einer nicht sehr kleinen Anzahl judenfeindlicher Aeußerungen, aus *) Aus dem vor Kurzem erschienenen Werke des Verfassers: Die Stimme Jacobs. I. Theil (Lehmann's jüdische Volksbücherei. Band 13.) Wir können dieses vortreffliche Werk nicht oft genug allen Freunden eines belehrenden, von inniger Gottesfurcht getragenen Buches empfehlen. Red. denen dreifache Beweggründe zur Abneigung gegen das Judenthum hervorleuchten. Zunächst ein kulturgeschichtlich-ästhetisches Moment. Die Juden waren zu der Zeit, als sie der arischen Kulturwelt näher bekannt wurden, theils sehr arm. theils durch Fleiß und Energie zu Reichthum und Wohlstand gelangt. Die Armen blieben den jüdischen Sitten treu, und diese erregten oft ihrer Fremdheit wegen den Spott der Oberflächlichen. Die reichen Parvenüs, die sich mehr die griech.-römische Lebensweise angewöhnten, konnten doch ihre heimischen Gewohnheiten nicht ganz verleugnen, und diese Mischung hebräisch-griechischer Lebensformen wirkte auf den zur Kritik geneigten antiken Menschen komisch. Hierzu kam ein soziales Element, das die Abneigung gegen die Juden volksthümlich machte, der Neid. Da man sie als Fremde betrachtete, und als Eindringlinge ansah, so maß man jeden wirthschaflichen Erfolg eines Juden mit scheelen Blicken. Rassenhaß und nationale Antipathie vervollständigten die Skala von Motiven, aus denen der antike Antisemitismus eine erstaunliche Menge von Lügen zu ersinnen wußte, die ebenso abgeschmackt wie dreist sind und deßwegen den modernen Leistungen der Antisemiten würdig an die Seite treten können. __ So erfrechte sich der witzige und giftige Juvenal. ihnen in seinen Satiren den reinen Gottesglauben abzusprechen, ganz wie heute die wiffenschaftlichen Judenfeinde den Ewigen Israels zu einem Territorialgott vom Range des Kemosch von Moab umstempeln. Der Judenhaß Juvenals erhielt dadurch besonders Nahrung, daß er die Wahrnehmung machte, daß der verachtete jiidische Kult auch auf die Römer eine werbende Kraft ausiibte. Aergerlich schreibt er daher VI, 611: „Man lauscht dem Gemurmel des alten Juden und dem Lispeln der jüdischen Betschwestern mit heiliger Scheu!" und beklagt es als ein trauriges Zeichen der Dekadenz, daß alle von schweren Träumen Geängstigten beim Judenthum die Ruhe ihrer Seelen suchten und fänden. (VI. 644.) Vergleicht man hierzu Suetons

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