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Der Israelit · 1901-04-25 · Heft 32 (25.4.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 32 (25.4.1901)
Date
1901-04-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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789 Thieren gegenüber thut! Das ist buchstäblich die Moral jenes Negers, welcher es als unmoralisch bezeichnet, wenn Jemand ihm seine Frau stiehlt, aber als moralisch hält, wenn er selber die Frau des Nächsten stiehlt. Doch von Msgn. Schreiber darf uns dieser Regerftandpnnkt nicht wundern, hat ja dieser Seelsorger einmal im niederösterreichischen Landtage den Ausspruch gcthan, seine „christliche Nächstenliebe" fange bei ihm selber an. Dieser brave Mann denkt an sich selbst zuerst, er ist sich selbst der Nächste. Aber in die betreffende Debatte griff auch der galizische Abgeordnete Graf Dzieduszycki ein, der mit großer Heftigkeit und Energie dagegen protestirte, daß die Tribüne des Reichsrathes dazu mißbraucht werde, die religiösen Gefühle der Bevölkerung zu verleben. Man dürfe, sagte der edle Gras in gerechtem Zorne, die religiösen Gefühle auch der geringsten Minorität nicht beleidigen. Sehr schön, Herr Graf! Aber Sie kommen etwas zu spät mit Ihren entrüsteten Verwahrungen. Wider die Verletzung der religiösen Gefühle war es schon vor Jahren an der Zeit zu protestiren, als man von der Tribüne herab die schamlosesten Angriffe gegen die jüdische Religion schleudern und das religiöse Empfinden von anderthalb Millionen Staatsbürgern auf's schmerzlichste verletzen durfte! Sie wähnten, so lange man nur gegen die Juden schimpfe, sei alles in Ordnung. Aber dem entfachten Hasse genügt das Judenthum lange nicht mehr. Und nun zetern sie, wenn die Geister, die sie gerufen, sich nun gegen sie selber wenden. Geschieht Euch schon Recht, meine Herren! Der galizische Graf jammerte bei derselben Gelegenheit auch über die Los-von-Rom-Bewegung, welche für den Abfall von der katholischen Kirche Propaganda ruache. Aber diese Bewegung agitirt ja unter Erwachsenen, sie bedient sich keiner Gewaltmittel, sie entführt keine halberwachsenen Mädchen, sie verleitet nicht Ehefrauen, ihre Gatten und Kinder zu verlassen, sie raubt leine Kinder ihren Eltern, wie die Klöster in Galizien den Juden gegenüber verfahren, und zwar unter dem Schutze der Behörden und dem Wohlwollen der Standesgenosien des edlen Herrn Grafen Dzieduszycki. „Was dir nicht lieb ist, das thue dem Nächsten an!" das scheint der Wahlspruch unserer „Großen" zu sein. Man steht, der alte Hillel ist an der Schwelle des 20. Jahrhunderts nicht mehr „modern". — Dieser Tage wurde in Wien der Pfarrer vom Weishaus, Josef Deckert, zu Grabe getragen. Nach dem Grundsätze: äe mortius aut nihil, aut bene, müßte man von dem Verstorbenen überhaupt schweigen, denn Gutes kann man von ihm nicht berichten. Aber er hat zu schmerzlich in unser Dasein eingegriffen, als daß man ganz von ihm schweigen könnte. Der ganze Wiener, ja österreichische und zum Theil ungarische Antisemitismus ist mit ein Werk dieses wüsten Hetzapostels. Er war einer der verlogensten und widerwärtigsten Verkünder des Rassenhasses. Kein Mittel war ihm für seine Agitation verwerflich und niederträchtig genug. Sein Spezialgebiet war die Blutlüge, für deren Verbreitung er so viel gethan hat, als ein Einzelner in einflußreicher Stellung überhaupt thun kann. Er liirte sich mit einem notorischen Sträfling zu diesem Zwecke, mit dem berüchtigten Paulus Mayer nämlich, kam mit diesem zusammen vor das Strafgericht, und beide wurden zusammen verurtheilt. Aber das hat ihm in den Augen der Seinen gar nicht geschadet. Das wird uns weniger wundern, wenn wir bedenken, daß der verstorbene Seelsorger neben seiner Hetzerthätigkeit auch noch die Herausgabe einer Zeitschrift fiir die Gläubigen besorgte, die sich „Der Bote des heil. Joseph" nannte, und die in jeder Nummer Gebete veröffentlichte, vermittelst deren man die Befreiung vom Militär bewirken könne, oder die Gnade erlangt, fünf Gulden zu finden, die ein anderer verloren hat, oder für Schüler, daß sie von Gegegenständen, in denen sie nicht gut beschlagen sind, eine gute Note erhalten. Das Blättlern gedieh vertrefflich und brachte seinem Redakteur prächtige Revenuen ein. . . . Zeitungsnachrichten und Correspouveuzen. Deutschland. Köln, 22. April. Nachdem am Sabbat Hagadol, Mittags 12 Uhr, eine stark besuchte Derascha des Herrn Rabbiner Dr. Wolf in den Sälen der "iu£n rron min stattgefunden hatte, versammelten sich um 5 Uhr die Schüler dieses Vereins zu einer öffentlichen Prüfung. Als Ehrengast war unter den anderen zahlreichen Anwesenden der Herr Distriktsrabbiner Dr. Naphtli Kohn-Ansbach erschienen. Zunächst prüfte Herr Rabbiner Dr. B. Wolf in eingehender Weise die Schüler der dritten Abtheilung. Diese waren vollkommen den Anforderungen in hebr. Grammatik o-ik "m btidb gewachsen. Nicht minder aber war es erfreulich, zu vernehmen, wie die Schüler der zweiten Klasse die ihnen vorgelegte uicr wsra iO£ in glänzender Weise vortrugen. Die ihnen gestellten Fragen aus '"vn und ncoin beantworteten sie mit erstaunlicher Fertigkeit. Als die Prüfung bei ein tretender Dunkelheit ihren Abschluß fand, waren Alle vollauf erfüllt von dem Bewußtsein, daß das orthodoxe Judenthum in Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf eine wahre Stütze gefunden habe. Zu bemerken sei noch, daß Herr Dr. Wolf seit seinem Amtsantritte verschiedene neue onw für junge Leute abhält, die sehr stark besucht werden. Jeden Sabbat ist eine Stunde zu eingehender Erläuterung und Erklärung des Propheten Jesaias gewidmet und Sonntag Abends von 9 Uhr hält Herr Dr. Wolf einen Geschichtsvortrag, der von Damen und Herren besucht

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