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Der Israelit · 1901-04-25 · Heft 32 (25.4.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 32 (25.4.1901)
Date
1901-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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731 Der neu gewählte konservative Rabbiner Dr. Eschelbacher hatte erklärt, daß er nur in einer Religionsschule Hebräisck unterrichten werde, in welcher die Knaben bedeckten Haupte? sitzen und nur an einem Jugendgottesdienste sich betheiligen werde, welchem eine konservative Agende zu Grunde gelegt werde. Während der Vorstand eine konservative Agende nur versuchsweise in der Synagoge Kaiserstraße einführen will, betonte Herr Leonhard Sacks, oaß dieselbe in erster Linie in der Synagoge Heidereutergasse, welche der Stammsitz der Konservativen sei, eingeführt werden müsse. Was in Wirklichkeit geschehen wird, bleibt abzuwarten. Der Weisheit Schluß, mein lieber Sohn — ist die gemischte Kommission! In geheimer Sitzung wurde Herr Seminarlehrer Marcuse zum Dirigenten der ersten Religionsschule gewählt. Herr Dr. Kellermann aus Könitz wird die bisher Von Herrn Marcuse geleitete vierte Religionsschule in Moabit übernehmen. Herrn Marcuse, der feit vielen Jahren im Schuldienst der Gemeinde thätig ist, und sich als eine ausgezeichnete Lehrkraft bewährt hat, wünschen wir, daß es ihm noch lange vergönnt sein möge, sein segensreiches Wirken fortzusetzen. E.R. Frankfurt a. M., 22. April. Heute Vormittag erfolgte die Amtseinführung des neuernannten Direktors der Realschule und höheren Töchterschule der Synagogengemeinde Israelit. Religionsgesellschaft, Dr. G. Lange. Im Aufträge des Kgl. ProvinzialschulkollegiumZ zu Kassel begrüßte Schulrath Dr. Kaiser den neuen Leiter der Schule, der dem Provinzialschultollegium kein Unbekannter sei und dem es gelingen werde, in einmüthigem Zusammenwirken mit seinem tüchtigen Lehrerkollegium das reiche Erbe des unvergeßlichen Direktors Dr. Hirsch zu erhalten und zu mehren. Unter Hinweis aus die vorher stattgehable Vereidigung wurde Dr. Lange nunmehr die kgl. Bestallungsurkunde ausgehändigt. Namens des Schulraths gab Rabbiner Dr. Breuer der Freude Ausdruck, daß es gelungen sei, in Dr. Lange den Mann zu finden, dem die Gemeinde ihr höchstes Kleinod, ihre Kinder, ruhigen Herzens anvertrauen könne. In einem geschäftlichen Rückblick auf die Gründung und Entwickelung der Schule gedachte der Redner deren besonderer Stellung innerhalb der Bildungsarbeit der Gegenwart und sprach die Zuversicht aus, daß die Schule im Geiste ihrer Begründer weiterhin eine Stätte eckt humaner und religiöser Menschenbildung bleiben werde. Nachdem hierauf Prof. Dr. Portmann Namens des Lehrerkollegiums Begrüßungsworte gesprochen, entwickelte Dr. Lange in längeren Ausführungen sein Programm. Von dem Vertrauen der Behörden wie des Lehrerkollegiums gestärkt, von der Liebe der Schüler getragen, hoffe er das Werk seiner Vorgänger erhalten und weiter entwickeln zu dürfen. Mit Vorträgen des Schülerchors begann und schloß die Feier. Frankfurt a. M., 23. April. Dem Jahresbericht der Verwaltung der „Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. T." für 1900 entnehmen wir: Ein unwandelbares Gesetz unserer heiligen Religion ist es, Nächstenliebe, Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit auszuüben und diese edlen Regungen haben wackeren Männern den Anlaß gegeben, Gutes zu wirken, opferfreudig Hand und Herz den Kranken und Leidenden zu öffnen. Ein ungenannt sein wollender hochherziger Wohlthater hat im abgelaufenen Jahre ein Freibett im Betrage von Mk. 12,000 und Herr Elias Wertheim, hier, hat zum Andenken an seine verewigte Gattin Frau Adelheid Wertheim geb. Durlach, ein solches von 6000 Mark gestiftet. Durch diese Stiftungen haben sich die edlen Geber den unvergänglichen Dank derer erworben, die in unserer Anstalt Pflege und Wartung suchen, deren Pforten ihnen Eingang verschaffen zu einer Stätte der Labung, Heilung und Genesung. Eine Religion, deren Vekennern die Ausübung von Wohlthaten sowohl als Bedürsniß wie als heilige Pflicht erscheint, bei denen niemals Mahnworte lautlos verklungen sind, sie wird wieder und wieder edle Männer und Frauen erstehen lassen, die, ausgestattet mit Milde und Herzensgüte, bereit sein werden, erkrankter Glaubensgenossen Schmerzen zu lindern, Thränen zu trocknen. Noch immer konnte sich die Stätte unseres Schaffens nicht erweitern, noch fehlen uns ausgedehnte, weite Räume, die, zweckmäßig hergerichtet, den armen Kranken zugleich auch eine Stätte wohlthuender Behaglichkeit bieten könnten! Verzagen wir nicht, vertrauen wir auf den Schöpfer, der den Menschen dazu berufen hat, seine Werke zu Edlem und Gutem auszubauen und zu fördern. Allen edlen Gebern, die uns ihre Unterstützung angedeihen ließen, sei unser herzlichster Dank ausgesprochen, möge sich ihr Kreis erweitern, unser Arbeitsfeld sich ausbreiten. Kurz bevor wir diese Zeilen der Oeffentlichkeit übergeben, ereilt uns die erschütternde Trauerkunde von dem Ableben des Mannes, der in bescheidener Zurückgezogenheit seit der Gründung unserer Anstalt ihr stets ein edler Förderer und hoher Gönner gewesen. Ganz wie es dem großen Seelenadel des edlen Dahingegangenen entsprach, ungenannt bleibend, still wirkend, segenverbreitend und stets hilfsbereit für alles Edle und Gute hat Herr Baron Wilhelm Carl von Rothschild auch bei uns sich ein Denkmal bleibender als Erz und Stein erworben. Die Liebe und der Dank Tausender ist ihm geworden, denen sein Andenken gleich uns unauslöschlich sein wird. Im abgelaufenen Jahre wurden 241 Patienten gegen 217 im Vorjahre verpflegt. Herr Dr. med. Rothschild, welcher zwei Jahre die Stelle als Assistenzarzt an unserer Anstalt bekleidete, hat dieselbe niedergelegt und

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